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Lebenswege - „Breast Friends“ – aus Bekanntschaft wird Freundschaft
Ein Bericht von Dr.in Karin Gruber, Medizin- und Wissenschaftsjournalistin, Buchautorin
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| Herta Herbeck und Elfi Mörth: „Aufeinander schauen“ gehört zur Basis einer guten Freundschaft. |
Würde es die Idee der Breast Friends noch nicht geben – Herta Herbeck und Elfi Mörth wären das ideale Vorbild dafür.
Freundschaft und Liebe haben ja einen schicksalhaften Anteil, auch wenn frau Freundschaften „pflegen“ muss, wie es so schön heißt, und Liebe natürlich auch nicht von selbst bestehen bleibt. Bei der Freundschaft zwischen Herta Herbeck und Elfi Mörth hat das Schicksal sicher mitgemischt. Kennen gelernt haben sie sich durch die gemeinsame Freude am Segeln, das ist schon lange her. Die Herbecks und die Mörths hatten ihre Boote im selben kroatischen Hafen, und Segler kommen ja schnell miteinander ins Gespräch. Die Sympathie beruht auf Gegenseitigkeit, gemeinsame Törns und andere Unternehmungen folgen, vor allem die Männer entwickeln dabei großen sportlichen Ehrgeiz.
Ziemlich genau vor einem Jahr ist es dann passiert, die Diagnose für Herta Herbeck: Brustkrebs. Eine Operation ist notwendig, dann die Chemotherapie. Die hatte es in sich, erzählt die 49-jährige Frau mit dem ausdrucksvollen Gesicht, das durch die millimeterkurzen Haare noch betont wird: „Von den 35 entfernten Lymphknoten waren 24 befallen, das hieß, die Chemotherapie war, gelinde gesagt, sehr intensiv.“
Aus Bekanntschaft wird Freundschaft
Mit ihrer Ärztin sucht sie dann zu ihr passende komplementärmedizinische Therapien zur Unterstützung. Dabei kommt die Sprache auch auf Shiatsu und Herta Herbeck erinnert sich an Elfi Mörth. Hatte sie nicht erzählt, sie würde sich damit beschäftigen? Die beiden treffen sich, reden darüber und die Dinge nehmen ihren Lauf. Den gemeinsamen Shiatsu-Termin am Freitag möchte keine mehr missen – am Freitag fährt Elfi Mörth zu Herta Herbeck nach Leopoldsdorf, dort ist die aus dem Weinviertel stammende Herta mit Mann und Tochter „gelandet“. Aus der – wie beide heute sagen – „oberflächlichen Bekanntschaft“ entwickelt sich eine große Nähe und eine enge Freundschaft. Die Idee der Breast Friends ist bei diesen zwei Frauen geradezu idealtypisch verwirklicht und durch die Tätigkeit von Elfi Mörth als Shiatsu-Praktikerin noch einmal intensiviert.
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| Den Humor nicht zu verlieren, ist mitunter nicht gerade die einfachste Angelegenheit im Dasein. |
Die beiden Frauen sind ähnlich genug, um einander gut zu verstehen und verschieden genug, um einander zu bereichern. Ähnlich sind sie sich vor allem darin, dass sie beide tatkräftige Menschen sind. Sie strahlen Handlungsbereitschaft und Selbstbewusstsein aus, wirken zielgerichtet und vermitteln den Eindruck, dass sie wissen, was sie wollen. Einer der Unterschiede zwischen den beiden liegt darin, dass sich die anpackende Art von Herta Herbeck mit einer „Ich mach´ das schon – Ihr braucht Euch nicht um mich zu kümmern“-Haltung verbindet. Bei Elfi Mörth kommt eine besonders offene und empathische Einstellung dazu. „Anfangs habe ich oft sehr mitgelitten, wenn es Herta schlecht gegangen ist“, erzählt sie. In dem Spannungsfeld zwischen Mit-Fühlen und Mit-Leiden bewegen sich ja alle, die PatientInnen begleiten, und diejenigen, die therapeutisch tätig sind, spüren das oftmals besonders stark.
Shiatsu bei Brustkrebs
„Es gibt eigene Techniken im Shiatsu für Brustkrebspatientinnen, die durch Operation, Lymphknotenentfernung und Begleiterscheinungen ja spezielle Bedürfnisse haben“, erklärt Elfi Mörth, die von ihrer ersten Ausbildung her Kinderkrankenschwester ist und nach wie vor auch an einer Intensivstation in Wien arbeitet. Ihr Weg zum Shiatsu hat mit der Suche nach einem Ausgleich zu dieser Tätigkeit inmitten von immer mehr Geräten und Monitoren begonnen. „Ruhe allein war mir nicht genug“, erzählt die gebürtige Steirerin, „es musste schon mehr sein, andere Menschen, Gespräche, am besten etwas, das im weitesten Sinn mit Medizin und Heilen zu tun hat“. Im Shiatsu findet sie dann „ihr Ding“ und sie macht eine Ausbildung. „Es ist faszinierend, was man damit erreichen kann, was man mit den Händen alles bewirken kann.“ Eines Tages wird in ihrer Schule in Wien eine Fortbildung „Shiatsu für Brustkrebspatientinnen“ angeboten. Die Ideen der US-Amerikanerin Pamela Ferguson, die auf diesem Gebiet Pionierarbeit geleistet hat, begeistern sie. Sie macht weiter, vertieft ihre Kenntnisse und bietet diese Methoden mittlerweile in einer eigenen Praxis im achten Bezirk an. Und es passt auch zu Elfis Wesen, dass sie einen weiteren Ausgleich im Tanzen, genauer gesagt im Flamenco, gefunden hat.
Für Herta war und ist Shiatsu eine wichtige Stütze auf ihrem Weg durch die Krankheit: „Durch das Shiatsu habe ich wieder Vertrauen in meinen Körper gefunden“, erzählt sie. Alles in allem geht es nicht nur darum, sich selbst zu spüren, sondern ganz wesentlich auch darum, angemessen darauf zu reagieren. Und das heißt für Herta wie für viele Menschen: ausreichend. Während sie früher dazu tendiert hat, sich oft – vielleicht unmerklich – zu überfordern, zum Beispiel indem sie trotz Müdigkeit weiter gearbeitet hat, hört sie heute auf die Signale ihres Körpers und macht eine Pause oder macht Schluss mit der Arbeit. In den vergangenen Monaten hat sie sogar „gelernt“, sich hin und wieder in die Hängematte auf der Veranda zu setzen, denn natürlich ist sie oft noch müde. Trotz allem hat sie wieder Kraft genug, um zu einer lieben alten Gewohnheit zurück zu kehren – dem wöchentlichen Training im Turnverein.
Vertraut und neu
Herta hat so bald wie möglich nach der OP wieder zu arbeiten begonnen: „Es hat gerade während der Behandlung sehr gut getan, zu merken, dass man gebraucht wird.“ Ihre Arbeit ist ja auch ein Teil ihres Lebens. Seit 28 Jahren ist sie bei „ihrer“ Firma und das gerne. Sie beschäftigt sich mit Rechnungswesen und allen möglichen anderen Zahlen. „Wir haben ein sehr gutes Betriebsklima“, erzählt sie, „in meiner Zeit daheim und im Krankenhaus habe ich immer wieder Blumen bekommen.“ Aber jetzt verlangt ihr Körper etwas mehr Rücksicht und Ruhe als vorher, und die gewährt sie ihm auch. Mittwoch ist ihr freier Tag, und der kommt aus dem Abbau einer Menge „Resturlaub“.
Augenzwinkernd stellt sie fest, dass „doch alles sein Gutes hat“, denn jetzt kümmert sich sogar ihre 14-jährige Tochter um die Wäsche, wobei sie beachtliche Fähigkeiten entfaltet, die Arbeit dann doch noch dem Vater weiter zu reichen.
Und vielleicht treffen sich Herta und Elfi heuer wieder auf See, genauer gesagt auf dem Neusiedler See. Denn es könnte sich schon ausgehen mit dem Heilungsprozess, dass Herta Sonne und Wasser wieder verträgt. Elfi und ihr Mann haben übrigens vor kurzem ein Segelboot in der Bretagne erstanden – aber das ist eine andere Geschichte. Könnte jedoch gut sein, dass Herta und ihr Mann darin auch vorkommen.
Informationen über die Inititative „Breast Friends“ und Download bzw. Bestellung des Europa Donna Leitfadens „Breast Friends“ - Hilfe für HelferInnen
Informationen über Shiatsu für Brustkrebspatientinnen finden Sie z.B. bei www.shiatsu-nautic.com.
Kontakt: Elfi Mörth, Dipl. Shiatsu-Praktikerin, Feldgasse 21/7, 1080 Wien, Tel.: +43 (0) 664-642 52 54, E-Mail elfi.moerth@shiatsu-nautic.com
Die Autorin
Dr.in Karin Gruber, promovierte Biologin, wechselte nach einem längeren Japan-Aufenthalt in den Journalismus. Sie arbeitet heute als Gesundheits- und Wissenschaftsjournalistin für Fach- und Publikumsmagazine, ist Co-Autorin medizinischer Ratgeber und in der Öffentlichkeitsarbeit für mehrere wissenschaftliche Institutionen tätig.
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