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Lebenswege - Die Seidenfrau
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| Caroline Binder-Pöstinger - Seide ist Leidenschaft |
Für Caroline Binder-Pöstinger war die Brustkrebserkrankung ein „großer Katalysator“ in ihrem Leben. So manches hat sich seither grundlegend geändert – hat sie verändert – nicht aber ihre Liebe zur Seide.
Wenn sie lacht, und das tut Caroline Binder-Pöstinger oft, erinnert das irgendwie an Seide – weich, weiblich, schimmernd, leicht und doch intensiv. Und wenn man sie da sieht, in ihrem Seidengeschäft, spürt man: Inmitten dieser Stoffe mit ihrer Fülle leuchtender Farben und ihrer sinnlichen Qualität ist „ihr“ Platz. Ist er immer schon gewesen. „Jeder Tag in meinen 25 Jahren als Seidenhändlerin war eine Bereicherung“, erzählt sie. Seit fünf Jahren hat sie ihr eigenes Geschäft, das sie mit Leib und Seele betreibt. Was aber nicht daran liegt, dass sie so eine ausgeprägte Natur als Geschäftsfrau hätte, sondern es liegt vielmehr an ihrer großen Leidenschaft für dieses besondere Naturmaterial.
Wenn Caroline Binder-Pöstinger lacht, dann lachen auch ihre Augen und bestätigen so, dass sie mit ganzem Herzen an der Bewältigung ihrer Krebserkrankung gearbeitet hat und arbeitet – und dass sie dabei erfolgreich war und ist. Als großer Katalysator sei der Brustkrebs vor drei Jahren in ihr Leben getreten, sagt sie: „Ich war zu einer ehrlichen Auseinandersetzung mit mir selbst gezwungen und das war gut so. Sonst hätte ich nicht so viel über mich und das Leben gelernt und es hätte sich nicht so viel zum Positiven verändert.“
Es hat eine Weile gedauert, bis die „Seidenfrau“ ihre Krankheit auch „zugelassen“ hat. Als sie in der linken Brust einen Knoten bemerkt, nimmt sie das vorerst gar nicht so ernst. Erst nach einiger Zeit schrillen die Alarmglocken. Ihre Ärzte (Röntgenologin, Hausarzt und Gynäkologe) machen ihr klar, dass sie ohne die richtige Behandlung die nächsten Weihnachten nicht erleben würde. Die Dinge nehmen ihren Lauf, verschiedene Therapien und die Operation folgen. Die Brust kann nicht erhalten werden. Mit dieser körperlichen Veränderung hat sie gelernt zu leben, was anfangs nicht einfach war. Doch einen Wiederaufbau wollte sie nicht. „Das ist meine Geschichte, das ist mein Weg“, sagt sie sich, als die Entscheidung ansteht, „ich will versuchen, mich so anzunehmen, wie ich jetzt aussehe.“ Abgesehen davon wollte Caroline Binder-Pöstinger ihrem Körper nicht noch eine weitere Operation zumuten. Mittlerweile macht sie schon mal einen Spaziergang ohne Prothese, auch wenn sie das noch ein wenig Überwindung kostet. Doch wenn der zehnjährige Sohn Juri erstaunt fragt, ob sie sich denn traue, „ohne Atrappe“ aus dem Haus zu gehen, sagt sie stolz: „Ja, das bin ich, so bin ich“. Der Respekt des Kleinen ist ihr sicher, das gilt auch für seine neunzehnjährige Schwester Janna Meta.
Als „Katalysator“ hat die Krebserkrankung mit zwei Wendepunkten im Leben Caroline Binder-Pöstingers zu tun: Einer neuen Annäherung zwischen ihr und ihrer leiblichen Mutter – und dem Beschluss, ihren Weg ohne ihren Mann fortzusetzen.
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| Die Krankheit brachte einen neuen Blick aufs Leben. |
Dramatische Mutter-Tochter-Beziehung
Im Alter von vier Jahren ist Caroline von Vorarlberg zu ihrer Adoptivmutter nach Linz gekommen. Zu lange her, als dass sie sich heute noch „xibergerisch“ anhören würde, obwohl es durchaus noch „funktioniert“, wenn sie sich mit Landsleuten unterhält. Dieser Wechsel in eine andere Welt ist für die Kleine dramatisch, auch wenn die Adoptivmutter die Cousine ihrer Mutter ist und wenn Caroline von ihrer leiblichen Mutter in dem fernen Bundesland weiß. Den Begriff „Mama“ streicht sie aus ihrem Wortschatz. Zu tief ist die Verwirrung des kleinen Mädchens, zu groß der Schmerz über die Trennung von ihrer Mutter. Erst jetzt, als sie krank wird, finden Mutter und Tochter wieder zusammen und das Wort „Mama“ kehrt zurück. Mutter und Tochter telefonieren häufig miteinander. In den ärgsten Phasen der Krankheit und im Spital sind vor allem diese Gespräche Stütze und Trost.
Die Mutter ist aber selbst schon schwer krank. Auch sie hat Brustkrebs, verschweigt es aber. Es lässt sich freilich nicht ganz verbergen und Caroline Binder-Pöstinger hat das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Als sie nach der Operation in der Lage ist, nach Vorarlberg zu fahren, tut sie das und muss feststellen, dass die Mutter jegliche Behandlung verweigert hat. Tatsächlich gibt es keine Heilung mehr. Caroline Binder-Pöstinger überzeugt ihre Mutter aber, in ein Spital zu gehen und begleitet sie bis zum Ende. Dabei finden die beiden Frauen einen tiefen Frieden und eine tiefe Innigkeit.
Mut zum Neubeginn
In der Beziehung zu ihrem Mann führt die Erkrankung letztlich eine Entwicklung zu Ende, die sich schon seit längerer Zeit abzeichnet. „Mir ist klar geworden, dass mein Mann nicht mehr zu mir passt, dass mir das Zusammensein nicht mehr gut tut“, erzählt Caroline Binder-Pöstinger ohne Bitterkeit von der natürlich schmerzhaften Entscheidung, die zum Wohle aller und in Freundschaft getroffen worden ist. Doch zusammenbleiben, „nur damit ein Mann da ist? – Nein“.
„Alles in allem habe ich durch die Krankheit gelernt, mehr auf meine Bedürfnisse zu achten“, fasst sie zusammen, „früher habe ich ja auf alles und alle zuerst Rücksicht genommen und erst zuletzt an mich gedacht.“ Die Krankheit zwingt dazu, gut darauf zu hören, was Körper und Seele brauchen. „Anfangs ist es mir nicht gut gegangen. Und da waren auch noch finanzielle Sorgen mit dem neuen Geschäft“, erzählt sie. Doch dann hat sie begonnen, Ressourcen zu mobilisieren, um die Krankheit zu überwinden: angefangen von der Teilnahme an einer klinischen Studie über das Beschäftigen mit verschiedenen komplementärmedizinischen Ansätzen bis hin zur psychotherapeutischen Unterstützung.
Nun widmet sie sich neben dem Geschäft voller Elan ihrer künstlerischen Ader und entdeckt sie neu. Sie lebt voll und ganz auf in der Musik, die ihr schon einmal so viel bedeutet hat. Schließlich hat sie auf dem Konservatorium Klavier studiert. Gitarre spielt sie ebenso, wozu sie auch zu singen versteht. Und ganz besonders liegt ihr ihre „Jellybell“ am Herzen, eine Boxermixhündin, und überhaupt der Schutz der Tiere.
Sanfte Hülle für empfindliche Haut
„Ihre“ Seide hat ihr auf dem Weg durch die Krankheit geholfen. „Ich bin dankbar für dieses Geschenk der Natur“, sagt sie. Seide hat sie als sanfte Hülle für die nach der Operation so empfindliche Haut genossen und als Ausgleich bei den extremen Hitzewallungen im Zug des künstlich eingeleiteten Wechsels geschätzt. Ansonsten ist es für Caroline Binder-Pöstinger Lebensfreude pur, „so etwas Schönes tragen zu dürfen“ – ganz wie die chinesische Kaiserin Xiling Shi, die der Sage nach als Entdeckerin der Seide beziehungsweise der Seidenraupen gilt. Deshalb hat sie auch ihr Seiden-Geschäft in Linz Xiling genannt. Und wer mehr darüber wissen möchte, kann sich ihre Homepage www.xiling.at ansehen oder ganz einfach einmal die „Seidenfrau“ in ihrem Geschäft in der Rainerstraße 15 in Linz besuchen.
Die Autorin
Dr. Karin Gruber, promovierte Biologin, wechselte nach einem längeren Japan-Aufenthalt in den Journalismus. Sie arbeitet heute als Gesundheits- und Wissenschaftsjournalistin für Fach- und Publikumsmagazine, ist Co-Autorin medizinischer Ratgeber und in der Öffentlichkeitsarbeit für mehrere wissenschaftliche Institutionen tätig.
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