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Hintergrundwissen – Radiologische Untersuchung der Brust (Kap. 10)
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10. Qualitätsstandards und diagnostische Performance
Für die technischen Spezifikationen der Untersuchungsgeräte, insbesondere der Mammographie, gibt es in Österreich strenge Qualitätsstandards, ebenso wie für die Durchführung der Untersuchung und die Befundung [48,76,77]. Es ist zu fordern, dass Radiologen, die Brustdiagnostik betreiben, zumindest den nationalen Standard erfüllen. Dieser Standard ist im „Qualitätszertifikat Mammadiagnostik“, das die Österreichische Röntgengesellschaft (ÖRG) und die Bundesfachgruppe Radiologie der Österreichischen Ärztekammer (BURA) 2004 entwickelt haben, festgelegt. Dieses Zertifikat erhalten nur RadiologInnen, die in der Brustdiagnostik qualitative Mindeststandards hinsichtlich Geräte- und Untersuchungstechnik sowie Frequenzen, Fortbildung und Befundungserfahrung nachweisen. Eine Liste der RadiologInnen, die über dieses Qualitätszertifikat verfügen, findet sich auf der Website der ÖRG unter: http://www.oerg.at/images/zertifikatstraeger1.pdf
10.1 Untersucherabhängigkeit: Vom Radiologen hängt´s ab!
Die Qualität der Brustdiagnostik ist – jenseits der technischen Parameter – auch deutlich untersucherabhängig. Zahlreiche Studien zeigen, dass in Mammadiagnostik erfahrene Röntgenärzte signifikant häufiger Brustkrebs entdecken als weniger erfahrene und insbesondere auch deutlich häufiger Frühkarzinome [78-81]. Daher verlangen verschiedene Institutionen und Organisationen Mindestanzahlen an Mammogrammen, die ein Radiologe jährlich befunden soll. Diese Mindestforderungen variieren allerdings zum Teil beträchtlich zwischen 480 und 5000 Befundungen pro Jahr [77,82,83]. So verlangt beispielsweise die European Reference Organisation for Quality Assured Breast Screening and Diagnosis die Durchführung von jährlich mindestens 1000 Mammographien [76]. Die European Society for Mastology forderte in einem Positionspapier im Jahre 2000 für einen auf Brustdiagnostik spezialisierten Radiologen die Befundung von jährlich mindestens 5000 Mammographien [77], modifizierte diese Forderung in einem weiteren Positionspapier ein Jahr später. Danach sollen in einem Institut für Basis-Brustdiagnostik für 2 Radiologen 1000 Mammographien pro Jahr, also 500 Befundungen pro Radiologen, durchgeführt werden, für ein größeres Brustzentrum werden 2000 Untersuchungen, bzw. pro Radiologen 1000 Befundungen gefordert [48]. Tatsächlich sind aber 2000 jährliche Mammographiebefunde pro Radiologen die einzige wissenschaftlich dokumentierte Zahl, für die eine höhere diagnostische Qualität bewiesen ist [79]. Forderungen von davon abweichenden Befundungszahlen beruhen derzeit auf Expertenkonsens.
10.2. Zweitbegutachtung und Feedback: Vier Augen sehen mehr als zwei!
Eine weitere Möglichkeit der Erhöhung der diagnostischen Qualität der Mammographie besteht in der sog. „Doppelbefundung“ (sog. „Double Reading“), d.h. der von einander unabhängigen Befundung einer Mammographie durch zwei in Brustdiagnostik spezialisierte Radiologen [84-87]. Dies verbindet den Vorteil der doppelten Befundung einer Untersuchung mit der Erhöhung der Befundungsfrequenz und damit der Erfahrung von Röntgenärzten. Eine hohe Befundungsfrequenz allein vermag allerdings die diagnostische Qualität dann nicht zu verbessern, wenn sie nicht gekoppelt ist mit einem intensiven Feedback aller beteiligten medizinischen Disziplinen (Röntgenarzt, Operateur, Pathologe u. a. Ärzte, die mit der Patientin befasst sind). Diese Grundvoraussetzung macht einen interdisziplinären Ansatz in der Brustdiagnostik erforderlich und hat zur Forderung so genannter Brustzentren geführt.
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