Aktuelles Wir über uns Hilfe zur Selbsthilfe Informationen rund um das Thema Brustkrebs Service Presseinformationen
 

Hintergrundwissen – Radiologische Untersuchung der Brust (Kap. 11)

 

l Leitfaden l Glossar l Inhalt Hintergrundwissen l

 

11. Brustzentren in Österreich: Interdisziplinärer Ansatz

 

Die hohen Anforderungen an den Brustdiagnostik betreibenden Radiologen sind Teil von Qualitätsstandards, die für zunehmend entstehende Brustzentren gesetzt werden. In solchen arbeiten Röntgenarzt, Operateur, Onkologe, Strahlentherapeut und eine weitere Anzahl von mit Brustkrebs befassten Disziplinen und Berufen in interdisziplinärer und interprofessioneller Weise zusammen, wobei diese Zusammenarbeit zumeist - aber nicht nur - in Krankenhäusern erfolgt. Wie im vorhergehenden Absatz beschrieben, sind die Minimalstandards für solche Zentren äußerst hoch. So werden auch an die Operateure hohe Anforderungen gestellt, da sich eine positive Beziehung zwischen Brustoperationszahlen und 5-Jahres-Überlebenszeit nach Brustkrebs gezeigt hat [88]. Daher wird beispielsweise für solche Zentren als Minimum die Anzahl von jährlich 150 neu entdeckten Karzinomen gefordert [77].

 

11.1. Zentralisierte vs. dezentralisierte Kompetenzzentren

In den letzten Jahren haben sich solche Brustzentren in mehreren österreichischen Spitälern etabliert, die teilweise die in verschiedenen europäischen Richtlinien [48, 76, 77] geforderten Standards erfüllen. Diese Standards fordern im Allgemeinen eine krankenhausbasierende Organisation dieser Zentren, was darauf beruht, dass ihre Verfasser aus England oder Skandinavien kommen – Länder mit einem Mangel an Radiologen, in denen es kaum niedergelassene Fachärzte gibt. Unter diesem Gesichtspunkt sind solche Empfehlungen auch zu bewerten. Eine offensichtlich aus einer gesundheitspolitischen Notsituation heraus entstandene Organisationsform muss nicht unbedingt als Standard für ein Gesundheitssystem dienen, in dem ein solcher Mangel nicht besteht. Dies ist beispielsweise in Österreich mit seiner ausgedehnten Versorgung durch niedergelassene Radiologen hoher Qualität der Fall.

 

11.2. Röntgenordinationen in digitales Netzwerk einbeziehen!

Überträgt man daher die modernen (englischen und skandinavischen) Brustzentrums-Konzepte auf österreichische Verhältnisse, ist dabei die niedergelassene Radiologenschaft zu berücksichtigen. Tatsächlich haben sich hierzulande vielfach bereits organisch gewachsene dezentrale medizinische Versorgungseinheiten unter Einbeziehung niedergelassener Radiologen entwickelt, die alle Merkmale solcher Kompetenzzentren aufweisen. So erfüllt beispielsweise in einer Röntgenordination eine hohe Frequenz an Brustuntersuchungen in Kombination mit einem guten Feedback durch die zuweisenden Ärzte zweifellos diverse Standards für solche Brustdiagnostikzentren. Der durchaus wichtige Aufbau und die Einrichtung von Brustzentren in Krankenhäusern sollte in Österreich daher nicht als Konkurrenz zu bereits bestehenden Strukturen erfolgen, sondern vielmehr diese mit einbeziehen. Die digitale Vernetzung im Sinne einer „Teleradiologie“ und damit die „digitale Einbeziehung“ niedergelassener Radiologen in ein krankenhausbasiertes Brustzentrum ist eine Lösung, die dann einerseits die hohen Qualitätsstandards für Brustzentren erfüllt (weil eben auch die vernetzten Röntgenordinationen Teil des Zentrums sind) und andererseits eine sinnvolle Vernetzung intra- und extramuraler Strukturen im österreichischen Gesundheitswesen ermöglicht.

 

[vorheriges Kapitel] [nächstes Kapitel] :: [Inhaltsverzeichnis]

 

 
   
 

l Aktuelles l Wir über uns l Hilfe zur Selbsthilfe l Information l Service l Presse l