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Let’s talk about Sex!

 

Einfach ist es nicht, nach Brustkrebs seine Sexualität wieder zu finden. Aber es ist möglich, auch trotz therapeutisch bedingter Erschwernisse.

 

„Plötzlich ist die Unbefangenheit weg, das selbstverständliche sexuelle Begehren“, erzählt eine Betroffene - nennen wir sie Monika N. - von ihrem Leben nach Brustkrebs. Berührungen lösen nichts mehr aus - abgesehen von der Erkenntnis, dass die Erkrankung einfach „überall“ ist. Aber Männer interessieren einfach nicht mehr, keine Spur von einem spontanen Bedürfnis. Absolute Unlust. Monika N.: „Nicht einmal der Wunsch, man hätte Lust auf Sex, ist mehr da.“ Aber es ist möglich, diese so wesentliche Seite des Lebens wieder zu finden – auch das erzählt Monika N.

 

Libidoverlust – ein wichtiges Thema

„Libidoverlust ist ein wichtiges Thema“, berichtet die Gynäkologin und angehende Psychotherapeutin Dr. Regina Kroiß von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am Wiener AKH aus der ärztlichen Praxis, „sexuelle Störungen und Erkrankungen sind nach Krebs generell und vor allem nach Brustkrebs extrem häufig.“ Nicht wenige Partnerschaften zerbrechen, was freilich nicht nur an den Veränderungen liegen wird, die die Sexualität direkt betreffen. Aber klein ist ihre Rolle dabei wohl nicht, sind wir doch alle extrem verletzlich, wenn es um Sexualität geht. Und nach Brustkrebs kriegt man es schon geballt ab: Die häufig notwendige Nachbehandlung mit Hormonpräparaten katapultiert in kürzester Zeit in den Wechsel mit all seinen möglichen Folgen. Der Flüssigkeitshaushalt ist stark verändert, die Scheide kann extrem trocken werden und das Eindringen zum Problem. Dazu kommt die Scham, der veränderte Körper.

 

Der Weg zurück in eine Normalität in diesem so intimen und persönlichen Bereich kann so unterschiedlich aussehen wie die Menschen eben verschieden sind. „Es gibt aber schon allgemeine Wegweiser, die man benennen kann“, zeigt die ärztliche Erfahrung von Dr. Kroiß. Das Sexualleben wird höchstwahrscheinlich anders werden, aber es gibt eines.

 

Wahrnehmen wagen

Der Verlust oder die gravierende Einschränkung der Sexualität ist in der Tat ein Problem, das auch als solches wahr- und ernst genommen werden darf und muss. Natürlich ist es gerade noch um’s Überleben gegangen, doch deshalb wird Sexualität ja nicht zur Banalität, die es nicht wert ist, zum Thema gemacht zu werden.

 

Kommunikation: „Let’s talk about sex“

- Und zwar ganz konkret über das, was Schwierigkeiten macht. Nicht nur mit den besten Freundinnen, sondern auch mit dem Arzt oder der Ärztin des Vertrauens und vor allem mit dem Partner. Studien bestätigen, dass Patientinnen ihren Arzt, ihre Ärztin ganz selten zum Thema Sexualität ansprechen – und umgekehrt. Warum eigentlich nicht? Erst recht der Mann und Partner braucht das Gespräch, auch wenn vorher über Sex nicht geredet worden ist. Denn er ist ebenso verunsichert, weiß nicht, was er tun soll, was er seiner Partnerin „zumuten“ kann, will Rücksicht nehmen und hat natürlich seine Bedürfnisse. Dr. Kroiß: „Fast alle Männer lassen sich auf ein solches Gespräch ein und sie sind extrem erleichtert, wenn das passiert.“

 

Langsam nähern

Die Penetration ist am Anfang nicht wichtig. Da geht es darum, angenommen zu sein und aufgehoben, um Zärtlichkeit und vielfältigste Berührungen. Über manuelle und orale Befriedigung kann man sich an die Vereinigung mit dem Partner wieder herantasten.

 

Das eigene Empfinden wieder entdecken

Viele Frauen wissen gar nicht mehr, wie sie „funktionieren“, was ihnen gut tut und was ihnen sexuelle Lust beschert. Eine Entdeckungsreise über den eigenen Körper kann es wieder zeigen. Selbstbefriedigung ist manchmal noch ein Tabu, doch sie ist ein Weg, die eigene Empfindsamkeit wieder zu entdecken. Das ist vor allem auch ein Thema für Frauen, die – aus welchem Grund auch immer – diese Zeit ohne Partner durchstehen müssen.

 

Unterstützung durch Hilfsmittel

„Eine Lokalbehandlung mit einer Östrogencreme wirkt in den meisten Fällen sehr gut, vor allem, wenn Gleitcremen nicht ausreichen“, so Dr. Kroiß. Vom Risiko her ist die lokale Anwendung eines Östrogenpräparats vertretbar, stellt die Medizinerin fest.

 

Mit der Sexualität ist es so wie mit allem nach Brustkrebs: Man muss eine neue Normalität suchen, das bleibt einem nicht erspart. Monika N.: „Es geht nicht alles bergab, man muss die Veränderungen akzeptieren. Auch die Sexualität integriert sich wieder in den Alltag. Man darf Hoffnung haben. Es gibt eine Lösung.“

 

Beratung zum Thema:

Mag. Doris Kiefhaber, Geschäftsführerin der Österreichischen Krebshilfe: „Der Themenkreis Sexualität und Krebs ist eines der meist gefragten Themen in unseren 36 Beratungsstellen. Daher gibt es in diesen Beratungsstellen auch ein breites Angebot speziell zu diesem Thema - geschulte PsycholgoInnen informieren und helfen.“ Auch in der neuen Brustkrebs Broschüre der Österreichischen Krebshilfe wird diese Thematik ausführlich behandelt. Bestellung der (kostenlosen) Broschüre sowie weitere Informationen: 01/ 402 19 22 bzw.: http://www.krebshilfe.net/

 

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Die Autorin

Dr. Karin Gruber, promovierte Biologin, wechselte nach einem längeren Japan-Aufenthalt in den Journalismus. Sie arbeitet heute als Gesundheits- und Wissenschaftsjournalistin für Fach- und Publikumsmagazine, ist Co-Autorin medizinischer Ratgeber und in der Öffentlichkeitsarbeit für mehrere wissenschaftliche Institutionen tätig.

 

 
   
 

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