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„Der Partner leidet immer mit“

 

Einfach für den Anderen „da“ sein. Die simplen Dinge sind es meistens, die zählen.

Die Diagnose Brustkrebs bedeutet nicht nur im Leben der betroffenen Frauen einen massiven Einschnitt; auch die Lebenspartner sind tief getroffen und fühlen sich mitunter überfordert. Für so manches Paar bedeutet die Erkrankung allerdings die Neu-Definition seines Zusammenseins.

 

Die psychischen Auswirkungen der Diagnose Brustkrebs auf die „mit-betroffenen“ Lebens- und Ehepartner waren der spanischen Journalistin María Valerio Sáinz von der Tageszeitung „El Mundo“ eine ausführliche Reportage wert. Internationale Anerkennung fand ihr Bericht durch den „Best Cancer Reporter Award“ der European School of Oncology (www.cancerworld.org). Sáinz berichtet darin etwa über die „Identifikation“, die Männer empfinden und die dazu führt, dass sie – zumindest subjektiv – beinahe ebenso viel leiden, wie die erkrankte Partnerin. Die meisten Männer trauen sich aber nicht über ihre Gefühle und Ängste zu reden: Sie wollen die Frau nicht noch mehr belasten. Dabei, so Sáinz, ist gerade das „Darüber-Reden“ eine enorme Hilfe. „Reden Sie – reden Sie viel: über ihre Ängste, über Sex, über die Kinder oder den täglichen Einkauf“, heißt es in ihrem Artikel.

 

Sexualität und Brustkrebs

Die spanische Journalistin schließt auch das „Tabu“ Sexualität und Brustkrebs nicht aus: Auch da heißt es vor allem, Kommunikationshindernisse aus dem Weg zu räumen. Was Frauen mitunter als Scheu oder nachlassendes Interesse des Partners interpretieren, reflektiere oft nur die Angst des Mannes, ihr Schmerzen zuzufügen oder sie zu kränken.

Manche Paare schaffen die Bewältigung der Krise Brustkrebs aber nicht, sei es auch, dass sie sich scheuen, rechtzeitig Hilfe von außen zu suchen. „Es gibt zwar keine exakten Zahlen, aber viele Sprecherinnen von Patientengruppen berichten über das gehäufte Scheitern von Partnerschaften während oder nach einer Brustkrebs-Erkrankung“, berichtet Sáinz. Auch veränderte Rollenverhältnisse in der Familie sowie das Alter der Betroffenen dürften eine gewisse Rolle spielen: „Jüngere Männer kommen mit den Veränderungen in Folge der Erkrankung meist nicht so gut zurecht; auch die Tatsache, dass Beziehungen heute generell als flexibler eingestuft werden, spielt da wohl eine Rolle.“

 

 

Die Kurven des Lebens trotz allem gemeinsam durchschwingen. Die Steyrers auf einer Motorradreise.

Betroffene berichten

„Mit der Diagnose bin ich tatsächlich in eine Art Loch gefallen“, weiß auch der Niederösterreicher Josef „Sepp“ Steyrer gegenüber „Donna“ zu berichten. Betroffen hat ihn vor allem die subjektiv wahrgenommene Hilflosigkeit: „Ich wusste nicht, was ich tun kann, um meiner Frau zu helfen. Das einzige, was ich tun konnte, war da zu sein.“ Genau das war es aber, was Gattin Eva als größte Stütze empfunden hatte.

 

„Wir haben auch bewusst aus dem Thema Krebs kein Tabu gemacht“, erzählt Sepp Steyrer weiter. „Wir haben viel geredet, dabei aber immer den positiven Ausblick im Auge gehabt.“ Trotz der gemeinsam durchlittenen Wochen und Monate – „der erste Lichtblick war der negative Lymphknoten-Befund“ – glaubt Steyrer, dass „das Erlebnis nicht unwichtig für die Beziehung war.“ Seine Frau zu verlassen, wäre ihm nie in den Sinn gekommen. „Wenn man schon so lange zusammen ist wie wir, gibt es sehr vieles, das verbindet – wenn eine Partnerschaft wegen Brustkrebs auseinandergeht, so wäre sie vermutlich auch wegen anderer Gründe auseinandergegangen.“

 

Rollen verändern sich

Tatsächlich haben sich auch in der Beziehung zwischen Eva und Sepp Steyrer die Rollenbilder geändert – eine Veränderung, die jedoch heute von beiden als positiv empfunden wird: „Früher war ich immer der Aktivere, der Sportlichere. Während der Therapie bin ich mir oft wie ein Trainer vorgekommen und habe Eva immer wieder zu Spaziergängen ermutigt und sie an die frische Luft gebracht.“ Heute ist Eva die Sportlichere geworden, die auf regelmäßige Wanderungen nicht mehr verzichtet.

 

Robert Csere konnte sich nie vorstellen, "seine" Brigitte Stiborek auf Grund der Krankheit zu verlassen.

Gefühl der Hilflosigkeit

Stundenlange Diskussionen über die Krankheit und die Bewältigung der daraus resultierenden Veränderungen im Alltag standen auch bei Brigitte Stiborek und ihrem Lebensgefährten Robert Csere an der Tagesordnung. „Ich hatte ständig das Gefühl, egal was ich tue, ich kann nicht wirklich helfen“, so Csere. Neben dieser empfundenen Hilflosigkeit sah sich der Wiener angesichts der Diagnose mit einem grundlegenden Verständnisproblem konfrontiert: „Es ist für Männer eigentlich eine unvorstellbare Krankheit, zumal man äußerlich zunächst gar nichts davon sieht – erst mit dem Haarausfall in Folge der Chemotherapie war bei Brigitte die körperliche Veränderung spürbar.“ Die Auswirkungen der Therapie habe er jedoch intensiv mitfühlen können: Symptome wie Stimmungsschwankungen oder Appetitlosigkeit stellten das Zusammensein im „normalen“ Alltag mitunter auf die Probe.

 

Im Empfinden ihres Partners hat sich Brigitte Stiborek durch die Behandlung und Therapie allerdings keinesfalls zu ihrem Nachteil verändert. „In Folge der Hormontherapie, die noch andauert, hat sie ein bisschen zugenommen, was sie selbst als störend empfindet – mir gefällt es recht gut und ich finde sie jetzt fast noch hübscher als vorher.“ Genau wie Sepp Steyrer wäre Robert Csere jedenfalls nie der Gedanke gekommen, die Beziehung in Folge der Erkrankung zu beenden.

 

Mehr zum Themenbereich "Partnerschaft, Sexualität und Brustkrebs": Let’s talk about Sex!

 

TIP

Diagnose Krebs: Sie sind nicht allein!

Die Österreichische Krebshilfe betreut in rund 40 Beratungsstellen österreichweit KrebspatientInnen und Angehörige. Mag. Doris Kiefhaber, Geschäftsführerin der Österreichischen Krebshilfe: „Der Themenkreis Sexualität und Krebs ist eines der meist gefragten Themen in unseren Beratungsstellen. Daher gibt es dort auch ein breites Angebot speziell zu diesem Thema - geschulte PsychologInnen informieren und helfen.“ Informationen unter: 01/796 64 50 bzw. www.krebshilfe.net

 

 

Die Autorin:

Mag.a Chris Lechner ist freiberufliche Sportpsychologin und Journalistin. Sie arbeitet u. a. anderem für „Die Presse“ sowie für „Medizin Medien Austria“. Lehrbeauftragte am Universitätslehrgang für Krankenhausmanagement (Pressearbeit im Gesundheitswesen), hält regelmäßig Fortbildungsseminare im Bereich Medizinjournalismus. Vorstandsmitglied der Initiative Qualität im Journalismus (IQ).

 

 
   
 

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