Der Verdacht auf Brustkrebs löst bei Betroffenen und Angehörigen Schock und Angst aus. Welche weiterführenden Untersuchungen kommen auf die Patientin zu? Und falls der Verdacht zur Gewissheit wird – wie weit ist die Erkrankung fortgeschritten und wie sehen die therapeutischen Möglichkeiten aus?

Weiterführende Diagnostik bei positivem Befund

Hat sich durch Tastbefund und/oder Mammographie der Verdacht auf das Vorliegen von Brustkrebs ergeben, ist eine Reihe von weiteren Untersuchungen notwendig. Mittels Ultraschalluntersuchung der Brust, in bestimmten Fällen auch mittels einer Kernspinmammographie (MRT) oder einer Röntgenaufnahme der Milchgänge (Galaktographie) wird der Verdacht überprüft. Zur Absicherung des Befundes wird häufig eine Biopsie (Gewebsentnahme) vorgenommen.

Staging – das Stadium der Krankheit

Liegt ein tumorpositiver Befund vor, muss eine Reihe weiterer diagnostischer Schritte gesetzt werden. Denn um die Behandlung zu planen, muss der Arzt/die Ärztin die Ausdehnung des Tumors kennen. Das „Staging“, also das Stadium, wird anhand der Tumorgröße und danach, ob sich bereits Metastasen gebildet haben, bestimmt. Dazu werden Röntgenuntersuchungen, wie eine Computertomographie des Brust- und Bauchraumes, eine Ganz-Körper-Knochenszintigraphie und Laboruntersuchungen vorgenommen. So kann man erfahren, ob der Krebs gestreut hat, und wenn ja, in welche Körperbereiche. Häufig als erstes betroffen sind die Lymphknoten der Achselhöhle, weshalb deren Abklärung im Rahmen der Brustkrebsoperation immer erfolgt, entweder durch Entfernung aller Lymphknoten oder – in erfahrenen Behandlungszentren – zumindest des sogenannten „Wächterlymphknotens". Sind in ihm keine Absiedlungen des Tumors zu erkennen, können die anderen Lymphknoten belassen werden.

Carcinoma in situ

Mit diesem Begriff werden Brustkrebs-Vor- bzw. Frühstadien bezeichnet. Ein „lobuläres Karzinom in situ“ ist zwar noch kein Krebs, es sind jedoch bereits auffällige Zellen in der Brust vorhanden und das Brustkrebsrisiko somit deutlich erhöht. Beim „duktalen Karzinom in situ“ wurden bereits auffällige Zellen in der Schleimhaut des Drüsenganges diagnostiziert, wobei noch kein umliegendes Gewebe betroffen ist. Diese Zellen sind lokal begrenzt und müssen prinzipiell operativ entfernt werden.

Die therapeutischen Möglichkeiten im Überblick

Univ. Prof. Dr. Michael Gnant: „Die Therapie des Mammakarzinoms ist jedenfalls interdisziplinär und richtet sich nach den erhobenen Befunden sowie der individuellen Situation der Patientin. Neben der immer nötigen Operation werden Chemotherapie, Hormontherapie, Immuntherapie und Strahlentherapie eingesetzt.“

Die operative Therapie

Bei jedem Mammakarzinom muss der Tumor operativ entfernt werden. Je nach Größe und Lage des Tumors wird dabei entweder eine brusterhaltende Operation oder in manchen Fällen leider auch eine komplette Entfernung der Brust (Mastektomie) nötig. Gnant: „Wichtig ist, dass der Tumor wirklich zur Gänze entfernt wird. Allerdings wird heute durch die kombinierte Anwendung verschiedener Therapiekonzepte in mindestens 80% der Fälle brusterhaltend operiert. Denn auch auf ein ansprechendes kosmetisches Resultat muss großer Wert gelegt werden.“ Deshalb kommt in vielen Fällen vor der Operation eine so genannte neoadjuvante medikamentöse Therapie zum Einsatz, um den Tumor zu verkleinern.

Die Chemotherapie


Die verschiedenen Formen der Chemotherapie mittels Zytostatika werden seit langem bei Brustkrebs eingesetzt. Chemotherapien werden in Zyklen verabreicht und wirken systemisch, also auf den gesamten Körper. Das Problem dabei ist, dass Zytostatika unspezifisch alle sich in Teilung befindenden Zellen angreifen und die Zellteilung verhindern. Dadurch ist die Chemotherapie oft mit schweren Nebenwirkungen verbunden, die die Lebensqualität der Patientinnen erheblich beeinträchtigen. Moderne Therapiekonzepte bemühen sich um eine möglichst auf die Patientin maßgeschneiderte schonende Anwendung bei gleichzeitig verbesserter Wirksamkeit.

Immuntherapie

Dabei handelt es sich um relativ neue Krebstherapien, die die vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten ergänzen. Diese biologischen Therapien benützen entweder direkt oder indirekt das Immunsystem des Körpers, um die Krebszellen zu attackieren. Dazu zählen auch die modernen, hoch wirksamen „Targeted Therapies“, also die zielgerichteten Antikörper-Therapien. Die Wirkweise dieser monoklonalen Antikörper- und anderer molekularbiologischer Therapien besteht im Gegensatz zur Chemotherapie darin, dass sie gezielt an spezifischen Zielstrukturen der Tumorzellen angreifen. Diese Therapien, die zumeist in Kombination mit Chemotherapien zum Einsatz kommen, weisen eine hohe Wirksamkeit auf und verursachen deutlich weniger Nebenwirkungen als die klassischen Zytostatika.

Die Hormontherapie

Viele Brustkrebsarten sind Hormonrezeptor-positiv. Man kann sich diese Rezeptoren als „Empfängerorgane” vorstellen, die auf das Signal der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen hin das Wachstum der Zelle ankurbeln. Das bei der Punktion oder Operation entnommene Gewebe wird routinemäßig untersucht, ob solche Rezeptoren vorhanden sind. Ist dies der Fall kann das Wachstum durch eine Hormontherapie günstig beeinflusst oder gehemmt werden. Eine solche endokrine Therapie verursacht zumeist weniger Nebenwirkungen als eine Zytostatika-Therapie.

Die Strahlentherapie

Eine Bestrahlung der Brust nach der Operation ist vor allem dann indiziert, wenn brusterhaltend operiert wurde. Bei fortgeschrittenem Brustkrebs wird die Strahlentherapie auch nach der Entfernung der gesamten Brust eingesetzt, um ein Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern.

Zeitliche Abfolge der Therapie

Neodajuvante Therapie: Medikamentöse Therapie (Zytostatika oder Hormontherapie), die vor der Tumoroperation verabreicht wird, um den Tumor zu verkleinern und möglichst frühzeitig eventuell vorhandene „Mikrometastasen/schlafende Tumorzellen“ im Körper zu beseitigen.

Adjuvante Therapie: Medikamentöse Therapie (Zytostatika, Antikörpertherapie oder Hormontherapie), die nach der Tumoroperation eingesetzt wird, um die Gefahr eines Wiederauftretens (Rezidiv) und der Streuung (Metastasen) zu verringern.

Diese Therapieformen sind kurativ, zielen also auf eine Verlängerung des Lebens und eine Heilung ab.

Palliative Therapie: Das Ziel dieser Therapieform ist vorwiegend die Reduktion der Schmerzen und Verbesserung der Lebensqualität bei schon weit fortgeschrittenem Krebs. Bei Brustkrebs gelingt heute auch immer öfter eine zusätzliche Verlängerung der Lebenszeit. (B.U.)

Wissen Kompakt: Mammakarzinom TNM-Klassifikation

Das TNM-Klassifikationssystem beschreibt die anatomische Ausdehnung des Tumors. Nachfolgend sind die wichtigsten Parameter bei Brustkrebs vereinfacht zusammengefasst.

T=Tumor, Beschreibung von Ausdehnung und Verhalten des Primärtumors
N=Nodus=Lymphknoten, Fehlen bzw. Vorhandensein von regionalen Lymphknotenmetastasen
M=Metastasen, Fehlen bzw. Vorhandensein von Fernmetastasen

Primärtumor (T)
Tx: Primärtumor kann nicht beurteilt werden
T0: Kein Anhaltspunkt für das Vorliegen eines Primärtumors
Tis: Carcinoma in situ (intraduktales oder lobuläres Karzinom)
T1: Tumor ist 2 cm oder kleiner an der Stelle seiner größten Ausdehnung
T2: Tumor ist größer als 2 cm, aber kleiner als 5 cm an der Stelle seiner größten Ausdehnung
T3: Tumor ist größer als 5 cm an der Stelle seiner größten Ausdehnung
T4: Tumor jeder Größe mit direkter Ausdehnung auf Brustwand oder Haut

Regionale Lymphknoten
Nx: Regionale Lymphknoten können nicht beurteilt werden
N0: Keine regionalen Lymphknotenmetastasen
N1: Lymphknotenmetastasen beweglich axillär
N2a: Lymphknotenmetastasen fixiert axillär
N2b: Lymphknotenmetastasen in A. mammaria interna, klinisch erkennbar
N3a: Lymphknotenmetastasen infraklavikulär
N3b: Lymphknotenmetastasen axillär und in A. mammaria interna, klinisch erkennbar
N3c: Lymphknotenmetastasen supraklavikulär

Fernmetastasen (M)
Mx: Fernmetastasen können nicht beurteilt werden
M0: Keine Fernmetastasen
M1: Fernmetastasen vorhanden