Präventive Maßnahmen für das HFS

Da der genaue Pathomechanismus des HFS noch nicht gänzlich geklärt ist gibt es auch kaum validierte Studienergebnisse zu präventiven Maßnahmen. Einzig die Dosismodifikation bei Patienten wurde in randomisierten klinischen Untersuchungen positiv bewertet. Vor dem Beginn der Chemotherapie sollten die Hände und Füße untersucht werden und durch ein Assessment zusammen mit dem Patienten eventuelle prädisponierende Faktoren, wie z.B. Hyperkeratose, Ekzeme und Pilzerkrankungen erkannt werden und behandelt werden um das Risiko eines HFS so gering wie möglich zu halten (Degen et al. 2010).

Kälteanwendungen

Die Anwendung von gekühlten Socken oder Handschuhen zur Prävention der palmar-plantaren Erythrodysästhesie während der Chemotherapie wurde in verschiedenen Studien untersucht. Durch ihre vasokostriktive Wirkung und dem damit verbundenen geringeren Blutfluss sollen sie die Toxizität der Zytostatika vermindern und so unter anderem ein Hand-Fuß-Syndrom vermeiden.
In der „Matched Case-controlled“-Studie von Scotté et al. (2008) trugen 48 Krebspatienten – davon 19% Mammakarzinom – eine Elasto-Gel flexible gekühlte Socke (enthält Glycerin) und eine ungekühlte Kontrollsocke. Diese Gel-gefüllte Socke („Frozen Glove“) bedeckt den Fuß bis zum Knöchel und wird vor dem Gebrauch mindestens drei Stunden bei -23°C bis -30C abgekühlt. Die Patienten trugen diesen für 90 Minuten (15min. vor der Docetaxel-Behandlung - Mono- und Kombinationstherapie, während der einstündigen Infusion und 15min. danach). Hauttoxizität wurde in 2% der „Frozen Glove“-geschützten Füße versus 6% der nicht geschützten Füße beobachtet. Dieser Unterschied ist statistisch gesehen nicht signifikant. Die gekühlte Socke wurde von den Patienten gut toleriert, nur einer musste die Behandlung abbrechen. Trotz des nicht nachgewiesenen Nutzens des „Frozen Gloves“ schlagen Scotté et al. (2008) diesen aufgrund der einfachen Durchführung, weil er von den Patienten gut toleriert wird und weil keine größeren Nebenwirkungen bekannt sind, für den routinemäßigen Gebrauch bei Taxane-Therapien vor.

Scotté hat bereits drei Jahre zuvor eine Multicenter-Studie zu Kälteandwendungen als Prävention für Hauttoxizitäten durch Chemotherapie durchgeführt. In dieser nutzte er einen gekühlten Handschuh („Frozen Glove“), der dieselben Eigenschaften hatte wie der „Frozen Sock“. Er bedeckte die gesamte Hand bis zu den Handgelenken. Zum Vergleich trugen die Patienten an der anderen Hand einen ungekühlten Handschuh. Auch er wurde vor dem Tragen auf ca. -25°C abgekühlt und für insgesamt 90min. getragen (vor, während und nach der Docetaxel-Infusion). Von 41 Patienten (darunter auch Mammakarzinompatientinnen) wurde bei 24% der mit dem „Frozen Glove“ geschützten Hand versus 53% der ungeschützten Hände eine Hauttoxizität beobachtet. 37 Patienten tolerierten den gekühlten Handschuh gut, fünf mussten allerdings die Behandlung aufgrund der Kälteintolleranz abbrechen. Obwohl noch zusätzliche Studien dazu nötig sind, kann der Gebrauch von gekühlten Handschuhen während der Chemotherapie empfohlen werden (Scotté F. et al., 2005).

Pyridoxin (Vitamin B6)

Einige Untersuchungen haben gezeigt, dass durch den Einsatz von Pyridoxin das HFS verzögert werden kann. Für die Effektivität von Pyridoxin zur Prävention liegen zur Zeit aber nur Ergebnisse kleinerer Studien oder von Tierversuchen vor. Trotzdem wird Vitamin B6 mit 50-150 mg, drei Mal täglich, häufig im klinischen Alltag zur Prävention des Hand-Fuß-Syndroms eingesetzt (Arkenau, 2006). Kleine Untersuchungen geben an, dass Vitamin B6 gut verträglich ist, wenn es für kurze Zeit (etwa ein bis drei Monate) eingenommen wird. Denn hohe Dosierungen von Pyridoxinen über einen langen Zeitraum können Nebenwirkungen erzeugen.
Zusammenfassend lässt sich aufgrund der mangelnden randomisierten Studien mit ausreichender Teilnehmerzahl und validierten Ergebnissen keine Empfehlung für die Gabe von Vitamin B6 zur Prävention von Chemotherapie-induziertem Hand-Fuß-Syndom aussprechen. Aufgrund der geringen Kosten, geringer Nebenwirkung bei niedriger Dosierung und kurzer Einnahmezeit und in manchen kleineren Studien nachgewiesener Effektivität wird von den Ärzten trotzdem Pyridoxin zur Prävention und Linderung des HFS empfohlen.


Man kann auf Vitamin B6-haltige Lebensmittel aufmerksam werden: Weizenkeime, Lachs, Banane, rote Bete, Orangen, Kirschen, Kartoffeln, Soja, Vollkornprodukte, Fleisch und Fisch, Naturreis und Avocado.
Wichtig ist die ersten Zeichen frühzeitig zu erkennen. Dies ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Behandlung dieser Nebenwirkung. Aus diesem Grund sollten Patienten täglich ihre Haut inspizieren. Dieser Aspekt betrifft vor allem jene Patienten, die eine orale Capecitabin-Therapie zu Hause durchführen, denn da sie sich während der Behandlung nicht im Krankenhaus befinden, sind sie die einzigen, die erste Symptome an sich erkennen können (Hallquist Viale P., 2006). Patienten sollten einige Änderungen in ihrem Alltagsleben einplanen, um so dem HFS entgegenwirken zu können, denn auch äußere Faktoren spielen in dessen Entstehung eine Rolle. Hauptziel dieser Veränderungen ist es, keinen mechanischen Stress auf die Haut auszuüben (Irritationen und übermäßigen Druck), also die Haut zu schonen und dem Kontakt mit einigen Stoffen aus dem Weg zu gehen.

Die richtige Kleidung

•    enge Schuhe und enganliegende Kleidung, einschneidende Socken oder Handschuhe sowie BH’s sollen vermieden werden, um das umliegende Gewebe nicht einzuschneiden/abzudrücken,
•    keine Kleidung aus rauen Stoffen um die Haut nicht zu irritieren,
•    möglichst keine Ringe oder Gürtel tragen, damit die Haut nicht abgedrückt wird,
•    Baumwollhandschuhe und –Socken oder gepolsterte Schuhe können Verletzungen vorbeugen

Im Haushalt

•    Patienten sollen es vermeiden schwere Dinge zu heben/zu tragen, um nicht übermäßigen Druck auf die Hände und Füße auszuüben,
•    der Kontakt mit Spülmitteln und Haushaltsreinigern sollte unterbunden werden, falls dies nicht möglich ist, sollten Gummihandschuhe getragen werden,
•    heißes Wasser oder Dampf meiden,
•    Drehverschlüsse an Flaschen nicht mit bloßen Händen öffnen, da dadurch große Reibung an den Handinnenflächen entstehen kann.

In der Freizeit

•    Betroffene sollten auf gepolsterten Oberflächen sitzen bzw. liegen,
•    Beine immer wenn möglich hoch lagern,
•    anstrengende Sportarten, bei denen stark geschwitzt wird sollten vermieden werden, auch Jogging und lang anhaltende Spaziergänge sind nicht anzuraten, da dadurch zusätzlich der mechanische Reiz verstärkt wird,
•    Betätigungen, die mit einer hohen mechanischen Belastung für die Hände einhergehen, wie beispielsweise Klavierspielen, Bogenschießen und Bowling sind abzuraten,
•    Saunabesuche oder Dampfbäder, sowie Sonnenbäder sind für Betroffene nicht geeignet.

 Die richtige Hautpflege

•    Vor Beginn der Chemotherapie eventuell bestehende Hornhaut entfernen,
•    heiße Duschen oder Bäder meiden und nicht stark an der Haut rubbeln,
•    Schweiß sollte mehrmals pro Tag mit lauwarmem (!) Wasser abgewaschen werden,
•    nach dem Duschen sollte die Haut nicht trocken gerieben werden, sondern Tupfeln oder trockengefächelt,
•    Pflegepräparate, die ätherische Öle enthalten oder zu stark parfümiert sind sollten nicht benutzt werden,
•    Hände und Füße sollten nicht austrocknen und mit einer Vaseline-haltigen Salbe oder Lanolin-haltigen Lotionen feucht gehalten werden