Seitdem ist in Österreich eine zunehmende Anzahl von Nachfragen zu verzeichnen, falls eine Frau Trägerin einer oder beider Mutationen BRCA1 und BRCA2 ist. Frauen mit solchen Mutationen haben ein erhöhtes Risiko, im Lauf ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Schätzungsweise sind diese Mutationen für ca. 4 bis 9 Prozent aller Brustkrebsfälle verantwortlich. Die große Mehrheit der an Brustkrebs-erkrankten Frauen trägt also keine Mutationen dieser sogenannten Brustkrebsgene. Anders gesagt, eine von 300 bzw. 500 Frauen in Österreich (je nach Altersgruppe) ist potenzielle Trägerin einer Mutation bzw. der Mutationen der Gene BRCA1 und BRCA2.

Obwohl Frauen mit diesen Mutationen ein erhöhtes Risiko haben, im Lauf des Lebens an Brustkrebs (und Eierstockkrebs) zu erkranken, ist es nicht vorherbestimmt, dass sie unbedingt an Brustkrebs erkranken werden. Wichtig ist, dass in Österreich eine genetische Beratung bezüglich BRCA1 und BRCA2 eingerichtet wurde. Der Gentest ist kostenlos, wenn folgende Kriterien in einer Familienlinie erfüllt sind:

  • zwei Brustkrebsfälle vor dem 50.Lebensjahr,
  • drei Brustkrebsfälle vor dem 60. Lebensjahr,
  • ein Brustkrebsfall vor dem 35. Lebensjahr,
  • ein Brustkrebsfall vor dem 50. Lebensjahr und ein Eierstockkrebsfall jeglichen Alters,
  • und ein männlicher und ein weiblicher Brustkrebsfall jeglichen Alters.

Wir von Europa Donna können nachvollziehen, dass eine Entscheidung bezüglich genetischer Beratung, totaler Brustentfernung und anschließender Brustrekonstruktion, nicht leicht zu treffen ist. Eine vorbeugende Brustentfernung kann das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, dramatisch senken, aber das Risiko liegt nie bei null Prozent. Außerdem ist es wichtig zu erkennen, dass eine totale Brustentfernung und eine anschließende Rekonstruktion keine schnellen und einfachen Verfahren sind - im Gegenteil. Dieser Prozess kann einige Monate dauern und birgt zu jedem Zeitpunkt ein Komplikationsrisiko. Zum Glück sind die kosmetischen Ergebnisse deutlich besser geworden, trotzdem haben manche Frauen nach der Rekonstruktion permanente Spannung in der Brust. Wir in Österreich können dankbar für unser medizinisches System sein, das nicht nur verlässliche genetische Beratung, sondern auch Brustamputation mit gleichzeitigen Rekonstruktions-Optionen bietet. Doch wie jeder anderer medizinische Eingriff birgt auch dieser sowohl Vorzüge wie auch Risiken. Für einige Frauen beispielsweise scheint es eine sinnvollere Wahl zu sein, in regelmäßigen Zeitabständen ihre Brüste selbst abzutasten und eine MRT-Untersuchung vorzunehmen zu lassen. Für andere Frauen hingegen kann es die sinnvollere Option sein, eine Brustamputation vornehmen zu lassen.