Bin ich in den besten Händen?

Unter dieser Überschrift motiviert die Österreichische Krebshilfe die LeserInnen ihrer Broschüren, in Zweifelsfällen eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. Denn eine enorm wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist ein vertrauensvolles ÄrztIn- Patientinnen-Verhältnis. Wenn die Chemie nicht passt, oder frau das Gefühl hat, dass der Arzt/die Ärztin in dieser sensiblen Situation nicht ausreichend auf alle Fragen eingeht, sollte ein anderer Experte, eine andere Expertin konsultiert werden.

Betroffene sollen auch keine Scheu haben, ihrem Arzt bzw. ihrer Ärztin ungeniert kritische Fragen zu stellen wie z. B.: Wie viel Erfahrung haben Sie mit dieser Erkrankung? Wie viele Patientinnen mit dieser Erkrankung haben Sie bereits behandelt? Nimmt diese Abteilung an internationalen Studien teil? Gibt es hier eine interne Qualitätssicherung? Oder auch: Wie viele Brustkrebspatientinnen werden bei Ihnen pro Jahr behandelt?

Einer amerikanischen Studie zu Folge werden nämlich Patientinnen in Abteilungen, die viele „neue“ Brustkrebspatientinnen pro Jahr haben, erfolgreicher therapiert als in jenen Spitälern, in denen dies nicht der Fall ist. Daher ist die Zahl von 150 Brustkrebs-Neuzugängen pro Jahr auch eines der Kriterien für die europäische Zertifizierung eines Brustzentrums.

Kein gesetzliches Recht auf Zweitmeinung

Doch wenn frau sich entschieden hat, eine medizinische Zweitmeinung einzuholen - wer trägt die Kosten dafür? Das Recht auf eine Zweitmeinung ist nicht im Gesetz verankert. Prinzipiell gilt: Pro Quartal - ein Facharzt-Krankenschein. Wer im Januar zum Internisten/zur Internistin geht und nicht zufrieden ist, hat Pech. Er oder sie kann erst im April wieder einen neuen Experten, eine neue Expertin aufsuchen oder privat bezahlen. Nur bei triftigen Gründen, beispielsweise bei Wohnsitzwechsel oder wenn der Arzt/die Ärztin verstorben ist, genehmigt der/die Chefarzt/-ärztin eine zweite Begutachtung. So ist das Recht.

In der Praxis schickt die/ der niedergelassene Facharzt/ -ärztin bei unklaren Befunden die Patientin mit einer Überweisung auf eine Spezialambulanz, wie zum Beispiel in ein Brustkrebszentrum, das dann nicht eine alternative, sondern eine ergänzende Funktion hat. Die Patientin kann eine Spezialambulanz auch von sich aus aufsuchen. Dazu braucht sie dann ihre Befunde. Und es ist im Gesetz verankertes PatientInnenrecht, dass jeder Patient und jede Patientin ein Recht auf eine Kopie seiner/ihrer Befunde und Krankengeschichte hat. Allerdings, wie Jan Pazourek erwähnt, können Spitäler und Arztpraxen von den PatientInnen Gebühren für Ausdrucken, Kopieren oder Speichern von Röntgenbildern auf CD-Rom verlangen.

Besuch beim Cyber-Doktor – das Internet als Informationsquelle

Eine japanische Studie hat gezeigt, dass schwerkranke Brustkrebspatientinnen, die über ihre Krankheit gut informiert sind, die bessere Behandlung erhalten und im Schnitt um ein Jahr länger leben. Der viel zitierte „Gott in Weiss“ scheint ausgedient zu haben, seit das Internet als Informationsquelle so weit verbreitet ist. Gesundheits-Links gehören neben Sex-Seiten zu den am meisten aufgerufenen Inhalten im Internet. Doch das Recherchieren via Computer ist so eine Sache. Gibt man einen medizinischen Suchbegriff ein, muss man sich zunächst meist durch eine Flut kommerzieller Seiten dubioser Anbieter und selbsternannter Gurus durchkämpfen, bis man seriöse Information findet. Laut Dr. Christian Slater, Sozialwissenschafter aus dem USA, sind nur 30% Informationen im WWW nicht interessensgeleitet, d.h. objektiv. Europa Donna setzt sich dafür ein.