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von Kathryn Bouskill, April 2013

Wieso können Frauen mit Brustkrebs lachen, und warum ist der Humor ein wirksamer Mechanismus, mit dieser schweren Erkrankung zu Rande zu kommen? Aufgrund ihrer ethnographischen Studien mit Patientinnen einer amerikanischen Brustkrebsklinik konnte die Soziologin Kathryn Bouskill feststellen, dass die Frauen trotz Sorge und Ängsten tatsächlich lachten.

Humor ist allen Menschen bekannt und entstammt den Mechanismen des Gehirns. Gleichzeitig ist jedoch die Tatsache, dass man etwas als humorvoll empfindet, abhängig vom sozialen und sprachlichen Umfeld jedes Einzelnen. Aus diesem Grund betrifft der von Brustkrebspatientinnen eingesetzte Humor nicht nur die geistigen Einstellung einer Frau, sondern auch ihre soziale Wechselwirkung mit anderen.

Humor ist eine kognitive Art, etwas ernst zu nehmen und es auf den Kopf zu stellen. Auf diese Weise entsteht eine mentale Distanz vom Stress und verwandelt etwas Ernstes in etwas weniger Bedrohliches. Es gibt solide Beweise anzunehmen, dass Humor positive Empfindungs- und Belohnungszentren im Gehirn steuert, was sich interessanter Weise bei Frauen stärker auswirkt.

Aus einem anderen Gesichtspunkt sind jedoch soziale Netzwerke, die Sorge um andere, und gegenseitiges Verständnis stark mit dem Humor unter Brustkrebspatientinnen verbunden. Es geht nicht nur um eine positive Einstellung, sondern vielmehr um einen Weg, soziale Bindungen zu schaffen und gegenseitige Unterstützung aufzubauen. Das Datenmaterial über die positiven Auswirkungen sozialer Netzwerke und die Unterstützung Dritter bei der Stressbewältigung ist bei Brustkrebspatientinnen besonders ausgeprägt, und das Entschärfen der Stressbelastung aufgrund sozialer Unterstützung kann sogar die Immunfunktion verbessern.

Das für die meisten Frauen Unvorstellbare – sich lustig zu machen über Dinge wie Deformierung der Brust, Haarverlust und Gedächtnisschwund – wird etwas Humorvolles, wenn Brustkrebsüberlebende einander treffen und sich aqustauschen; so meinte eine Überlebende: „Wir wissen bereits, was andere durchmachen. Aber wir sind doch mehr als nur unsere Brüste, unser Haar.“ Es ist viel mehr als bloß eine optimistische und positive Einstellung; es zeigt, dass Frauen sich nicht durch den durch Krebs erzeugten Stress erdrücken lassen. Sie haben Krebs, aber sie lassen sich dadurch nicht bewusst „fremdsteuern“. Humor ist ein äußeres Mittel diese Erkenntnis zu zeigen, und da er ein tieferes gegenseitiges Verstehen ausdrücken kann, trägt er dazu bei, soziale Bande und Unterstützung unter den Betroffenen aufzubauen. Somit ist Humor ein ganzheitlicher, vielschichtiger Bewältigungsmechanismus.

Es geht nicht darum, oberflächlich positiv zu sein; es geht um das Schaffen sozialer Bande, einen Raum zu finden, die harten Umstände, mit denen eine Brustkrebspatientin konfrontiert ist, auszusprechen und zu erkennen, dass sie, wenn sie nicht alleine ist, von diesem Stress nicht überwältigt werden muss. Die neurologischen und physiologischen Aspekte des Humors sind faszinierend und wichtig, aber die größte Bedeutung kommt dem sozialen Einsatz zu, und der Art zu zeigen, dass Stress und Härte keine bestimmende Auswirkung auf das Leben einer Frau haben. Eine Überlebende drückte es so aus: „Wenn ich lache, fühle ich mich rundherum gut. Es ist mein mentaler Schlupfwinkel von all dem Stress.“

Der wirkliche Schlüssel ist die soziale Unterstützung. Jene unter uns, die versuchen, unseren Lieben zu helfen, können diese Hilfestellung damit beginnen, emphatische Zuhörer zu werden, die Brustkrebspatientinnen frei über ihren Stress und ihre positiven oder negativen Aussichten reden lassen. Es gibt vieles, das wir, die nicht an Krebs erkrankt sind, möglicher Weise nie ganz verstehen werden, aber Überlebende ihre Gefühle ausdrücken zu lassen ist ein wichtiger Teil ihnen dabei zu helfen zu erkennen, dass sie sich von diesem Stress distanzieren können. Vielleicht mit Humor als einem der ganzheitlichen Bewältigungsmechanismen.