Discovering Hands – Blinde Frauen, die Brustkrebs ertasten

Dr. Frank Hoffmann ist deutscher Gynäkologe und Initiator der Organisation „Discovering Hands“. Im Rahmen dieser Organisation bildet er blinde Frauen im Ertasten von Veränderungen in der weiblichen Brust aus. Eine Initiative, die in Deutschland bereits großen Anklang findet und ab 2014 auch in Österreich umgesetzt werden soll.

von Mag. Marianne Schweiger

Die Idee, blinde Frauen darin auszubilden, Veränderungen in der Brust zu ertasten, kam dem Arzt unter der Dusche und erfreut sich mittlerweile großer Beliebtheit. Blinde Frauen, die über einen hochsensiblen Tastsinn verfügen, erhalten bei „Discovering Hands“ eine neunmonatige Ausbildung, in der sie in medizinischen Fächern wie Histologie und Zytologie, aber auch in der Kommunikation mit der Patientin geschult werden. Nach Beendigung der Ausbildung sind die Frauen Medizinische Tastuntersucherinnen, kurz MTU, und erhalten einen Prüfungsbescheid der Ärztekammer. In Deutschland werden sie bereits in 17 Arztpraxen als ärztliche Helferinnen eingesetzt.

Aus einer Behinderung wird eine Begabung

Die MTU beginnt ihre Untersuchung mit der Anamnese, einer Befragung der Patientin, ob sie bereits einen Knoten hatte, ob sie stillt, Medikamente nimmt, raucht oder regelmäßig Alkohol trinkt. Erst dann kommt es zu der eigentlichen Untersuchung, bei der die Patientin zunächst sitzt und die MTU Größe und Temperatur der Brust ertastet. Außerdem fühlt sie, ob die Lymphknoten am Schlüsselbein oder in den Achselhöhlen angeschwollen sind. Anschließend legt sich die Patientin hin und die MTU klebt ihr Orientierungsstreifen auf die Brust, die der genauen Bestimmung des Bereichs dienen. Nur so kann die MTU später sicher sein, dass sie jeden Zentimeter der Brust abgetastet hat.

Keine Alternative zu Ultraschall und Mammografie

Dr. Hoffmann weist ausdrücklich darauf hin, dass die Abtastung durch MTU keine Alternative zu Ultraschall und Mammografie, sondern eine Ergänzung der beiden Untersuchungsmethoden darstellt. In Deutschland werden Mammografien erst ab dem 50. Lebensjahr von der Krankenkasse bezahlt. Die Abtastung ist daher vor allem Frauen zwischen 35 und 50 Jahren zu empfehlen. Eine Abklärung, ob es sich bei einer ertasteten Veränderung um einen bösartigen Knoten oder um eine harmlose Mikroverkalkung handelt, kann letztlich nur mithilfe technischer Geräte erfolgen.

Nach Aussage des Gynäkologen kann eine MTU bereits kleinste Knoten ertasten, die mitunter bei herkömmlichen Untersuchungsmethoden nicht entdeckt werden.

Schaffung von Arbeitsplätzen

Jede MTU stellt einen Arbeitsplatz einer behinderten Person dar. Dr. Hoffmann ist es dabei wichtig festzuhalten, dass die Frauen ihren Beruf nicht bekommt, „obwohl sie blind ist, sondern weil sie blind ist“. Die Betonung liege auf der Stärke des Defizits.

Export der „Discovering Hands“ nach Österreich

Gemeinsam mit der Organisation „Ashoka“, einer gemeinnützigen Gesellschaft, die soziale Projekte und soziales Unternehmertum fördern, möchte der Arzt die Idee über Deutschlands Grenzen hinaus verbreiten. In Österreich sollen bereits ab 2014 erste MTU ausgebildet werden. Dabei wird die „Sebus“ (Schulungseinrichtung für blinde und sehbehinderte Menschen) als Ausbildungspartner dienen. Dr. Hoffmann ist noch auf der Suche nach engagierten Unternehmenspersönlichkeiten, die die „Discovering Hands“ im Franchise führen möchten.

Mehr Info unter www.discoveringhands.at

 

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