Mein großes Dankeschön gilt dieser Patientin, die mir die folgenden Zeilen zur Verfügung gestellt hat.....

 

Kennen Sie das aus einer Situation in Ihrem Leben? Sie tun alles, was nur möglich ist, um für jemanden anderen etwas zu erreichen oder ihm einen Gefallen zu tun. Unter normalen Umständen wäre dies nie möglich gewesen. Doch sie tun es, weil es wirklich wichtig war. Doch aufgrund, dass sie so bedrängt waren, zeitlich und evtl. auch von den Möglichkeiten, ist ihr Gegenüber schlussendlich nicht glücklich oder gar zufrieden bzw. enttäuscht. Oft weiß ja das Gegenüber auch gar nicht, dass Sie alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, oder kann den Aufwand nicht einschätzen. Aus der Sicht des Gegenübers, das natürlich gewisse Erwartungen hat, stellt sich damit die Herausforderung über seinen Erwartungen zu stehen. Das ist mir auch im Zusammenhang mit meiner Krankheit passiert.

Ich wusste aus den Ergebnissen der CT, dass sich mein Zustand verschlechtert hat, die Metastasen sich ausgeweitet haben, die bisher eingenommenen Medikamente nicht mehr wirken wollten, und ich eine neue Therapieschiene brauche. Ich habe die Abteilung im Krankenhaus angerufen und gebeten, dass ich bei meinem Arzt kurzfristig einen Termin bekomme. Mir war sehr bewusst, dass unglaublich viele Patienten diese Abteilung frequentierten und alle stark unter Strom stehen. Aber die Mitarbeiter der Onkologie haben alle Hebel in Bewegung gesetzt und nach einer kleinen Lücke gesucht und sie auch gefunden. Sie haben mich zurückgerufen und ich hatte einen Termin, sehr kurzfristig. Ich war glücklich.

Ein paar Tage später war ich nun im Krankenhaus und kam nach einer Wartezeit von rund 2 Stunden dran. Ich hatte nur wenige Minuten, es war keine Zeit für zusprechende Worte. Das Gespräch war pragmatisch, Punkte sehr schnell abarbeitend, der Plan wurde aufgestellt, was ich machen muss, welche Untersuchungen ich mir organisieren muss, Zeit zum Zuhören blieb so gut wie keine. Es hat sich angefühlt, als würde ich schnell mal mir ein Kopfwehmittel verschreiben lassen. Es waren wenige Minuten, denn der Arzt war schon zu spät für seine Besprechung, die er am Tumorboard hatte und musste eiligst gehen, ohne Essen, nur mit einem kurzen Kaffee aus dem Automaten, weiter geht‘s.

Als ich den Raum mit dem Arzt verließ, dachte ich mir, das ist unglaublich, ich bin so ruhig; für mich war die Situation, wie sie abgelaufen ist ok, doch gleichzeitig erinnerte ich mich an meine Erstdiagnose vor 4 Jahren - all die Emotionen, die nach dem Arztgespräch damals folgten. Ich war damals mental und emotional zu Boden gefallen – wow, dachte ich mir, du bist echt gewachsen, wie du jetzt damit umgehst; doch gleichzeitig hatte ich das ganz starke Bedürfnis, dass ich in diesem neuen Tief meines Lebens mehr Zeit mit dem Arzt brauche um ein tieferes Gespräch führen zu können und bat den Arzt in einem Mail um einen Termin in seiner Privatordination.

Es war unglaublich - er hat mir noch in derselben Nacht zurückgeschrieben, dass er bei unserem nächsten Termin in der Ambulanz mehr Zeit haben wird und ich solle etwas früher kommen. Auf dieses Mail folgte noch ein weiteres - alles in der Nacht - ich habe so viel Menschlichkeit erfahren. Ja, man könnte sagen, es ist sein Job. Aber wie viele Menschen leben schon ihren Beruf mit so viel Einsatz und Herz? Ich habe einfach aus der Situation gelernt, dass es oft so ist, dass wie man in den Wald hineinruft, es auch zurückkommt.

Wir sind alle Menschen und keine Maschinen.

(Bericht aus den Augen einer metastasierten Brustkrebs Patientin)