Interviews

Nach über einem Jahrzehnt ist es endlich soweit – die Daten der größten Brustkrebsstudie Österreichs liegen vor!

Die Studie 18 der ABCSG (Austrian Breast Cancer and Colon Study Group) ist ausgewertet und das Ergebnis ist eindeutig:

Die Frakturzahl konnte halbiert, AI (Aromataseinhibitor/Aromatasehemmer)-induzierte Osteoporose gemäß Knochendichtemessung als Langzeitfolge der endokrinen Krebstherapie nun maßgeblich reduziert werden.

Die größten Erfolge der ABCSG:

Seit Beginn der jahrzehntelangen Forschungstätigkeit der ABCSG steht die Frage im Mittelpunkt, ob sich durch neue Medikamente, Änderungen bei den Dosierungen oder auch durch erweiterte Einsatzformen unterschiedlicher Krebstherapien bessere Prognose- und Behandlungsmöglichkeiten für PatientInnen ableiten lassen. Dabei erzielten die ÄrztInnen der ABCSG bemerkenswerte Erfolge.

Zu 90 % Brusterhaltung

Patientinnen mit kleineren Tumoren und nicht-befallenen Lymphknoten können in ABCSG-Zentren in 90 % aller Fälle brusterhaltend operiert werden. Diese für die betroffenen Frauen sehr positive Entwicklung ist der intensiven Forschung und den dadurch entstandenen neuen Therapiemöglichkeiten zu verdanken. Die Erfolgsrate in Österreich ist nunmehr dreimal höher als in den 1990ern und z.B. deutlich höher als in den USA.

ABCSG 5: Antihormontherapie anstelle von Chemotherapie (2002)

Die Erkenntnis, dass die Überlebenschancen von Brustkrebspatientinnen vor der Menopause entscheidend steigen, wenn nach dem chirurgischen Eingriff statt der klassischen Chemotherapie eine kombinierte Antihormontherapie verabreicht wird, war der Durchbruch für die ABCSG. Die Studie ABCSG 5 erregte bei der Publikation 2002 internationales Aufsehen. Sie wurde bei der Festlegung der „Internationalen Richtlinien für die adjuvante Therapie des primären Mammakarzinoms“ maßgeblich berücksichtigt.

Das war der erste große Erfolg der österreichischen Studiengruppe und vor allem ein Erfolg für die Patientinnen, die seither von einer wesentlich nebenwirkungsärmeren Antihormontherapie profitieren.

ABCSG 6a: Therapieverlängerung bringt Sicherheit (2005)

Ziel der Studie war die Klärung der Frage, ob durch eine Therapieverlängerung auf insgesamt 8 Jahre nach der Operation die Chancen der Patientinnen gesteigert werden können, die Krebserkrankung zu überleben.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Frauen profitierten von einer verlängerten Antihormontherapie mit dem Aromatasehemmer in einem unerwartet hohen Ausmaß. Das neuerliche Auftreten von Brustkrebs konnte dadurch um 36 % reduziert werden.

ABCSG 8: Switch in der Behandlung (2008)

Beim Brustkrebssymposium in San Antonio/Texas (SABCS), einem der bedeutendsten Treffpunkte der internationalen Elite der KrebsforscherInnen, wurden 2008 zwei weitere Forschungsergebnisse der ABCSG präsentiert, die mittlerweile weltweit Beachtung fanden.

Zum Einen das neue Behandlungskonzept für hormonrezeptorpositive Frauen nach der Operation. Sie erhalten jetzt 2 Jahre lang das Antiöstrogen Tamoxifen, das schon bis dahin zur Behandlung eingesetzt wurde, und danach 3 Jahre lang den Aromatasehemmer Anastrozol. Diese „Switch-Therapie“ reduziert die Gefahr einer neuerlichen Tumorbildung um 40 %!

ABCSG 12: Entscheidende Erkenntnis (2008)

Auch das zweite Studienergebnis, das in San Antonio vorgestellt wurde, ist für Krebspatientinnen von großer Bedeutung. Viele litten an Osteoporose, einer Nebenwirkung der an sich erfolgreichen Krebsbehandlung. Der ABCSG gelang der Nachweis, dass die zusätzliche Gabe des Bisphosphonates Zoledronat zur Standardtherapie diesen Effekt verhindern und so das Risiko von Knochenbrüchen entscheidend reduzieren kann.

ABCSG 12 goes around the world (2008-2011)

Jüngeren Datums schließlich sind die Erkenntnisse, dass dieses Bisphosphonat bei Frauen mit einem frühen Brustkrebs die Aussichten steigert, Rezidive zu verhindern – also auch einen Antitumoreffekt hat. Im Vergleich zu einer ausschließlichen Antihormontherapie verbessern sich die Aussichten auf Rezidivreduktion und die Überlebenschancen steigen dramatisch: Mehr als 98 % der Teilnehmerinnen der Studie 12 waren 5 Jahre nach der Diagnose noch am Leben, auch ohne adjuvante Chemotherapie.

Dieses Ergebnis sorgte für große internationale Aufmerksamkeit und zählte zu den wissenschaftlichen Highlights am ASCO 2008, sowie 2010 und 2011. Auch die renommierte Zeitschrift „The Lancet Oncology“ publizierte in ihrer Juni-Ausgabe 2011 die 62-Monate-Follow-up-Daten der Studie.

Die 84-Monatsdaten konnten mittlerweile alle Ergebnisse bestätigen: Die Wahrscheinlichkeit für Rezidive kann durch Zoledronat um 28 % verringert werden, das Gesamtüberleben der Patientinnen verbessert sich um rund 36 %.

ABCSG 14 und ABCSG 24: Fokus auf die neoadjuvante Therapie (2004 und 2009)

Die ABCSG legt schon seit längerem einen Schwerpunkt ihrer klinischen Forschungsarbeit auf innovative neoadjuvante Therapien. Erste Erfolge zeigten sich bereits 2004, als in ABCSG 14 der positive Effekt einer neoadjuvanten Therapie nachgewiesen werden konnte: Eine Verdoppelung der Chemotherapiezyklen vor der Operation von 3 auf 6 brachte signifikante Verbesserungen. Die pathologische Komplettremission, wonach zuvor bestehende Tumor-Manifestationen nicht mehr nachweisbar waren, stieg von 7 auf 18 %.

Die Fortsetzung dieser Untersuchungen erfolgte in der Studie 24, an der in Österreich 536 Patientinnen teilnahmen. Demnach stieg der Anteil jener Patientinnen, bei denen eine pathologische Komplettremission (pCR) nachgewiesen werden konnte, in der Gruppe mit Epirubicin + Docetaxel + Capecitabine auf 24 %. Das sind um 50 % mehr als bei den Patientinnen, die mit der Standardtherapie Epirubicin + Docetaxel behandelt wurden, wo bei 16 % keine lebenden Krebszellen mehr vorgefunden wurden.

ABCSG 18: Osteoporoserisiko halbieren

2006 startete die größte ABCSG-Studie mit 49 Zentren in Österreich und 5 in Schweden. Insgesamt 3.425 Patientinnen nahmen daran teil, im August 2013 wurde die letzte Patientin in die Studie eingeschlossen. Untersucht wurde bei Mammakarzinompatientinnen unter Aromatase-Inhibitor-Therapie, ob der Antikörper Denosumab das therapieinduzierte Osteoporoserisiko reduziert.
Am 26. März 2014 wurde der erste Meilenstein PADCD (Primary Analysis Data Cut-Off Date) mit 247 klinischen Frakturen erreicht – die Ergebnisse liegen mittlerweile vor und sind überraschend eindeutig. Das therapieinduzierte Osteoporoserisiko kann um 50% reduziert werden!
Ohne zusätzliche Toxizität halbiert die Gabe von 60 mg Denosumab zweimal pro Jahr subkutan klinische Frakturen, außerdem erhöhte sich die Knochendichte in der Wirbelsäule um 10 Prozent, in der Hüfte um rund 8 Prozent und im Oberschenkelhals um 6 Prozent.
Diese lang erwarteten Daten werden beim Annual Meeting der American Society of Clinical Oncolocgy (ASCO, 29.5.-2.6.) in Chicago präsentiert und in dem renommierten Journal “The Lancet” publiziert.

 

Interview mit Herrn Univ.Prof.Dr. Michael Gnant

Herr Prof. Gnant, heuer feierten sie bereits 30 Jahre ABCSG und jetzt dieser herausragende Erfolg.

Ja, 30 Jahre ABCSG war ein Jubiläum und gleichzeitig auch die Möglichkeit um Inne zu halten, was man erreicht hat und was man erreichen will.

Es ist eine gemeinsame Anstrengung von bisher 255000 in Studien eingeschlossenen PatientInnen und der Studiengruppe.

Als Präsident freue ich mich so, wie Eltern sich freuen, wenn die Kinder gedeihen. Die PatientInnen sind die eigetlichen HeldInnen der Forschung, ohne sie wäre ein Weiterkommen nicht möglich. Sie helfen sozusagen Wissen zu schaffen.

Wieviele Ärzte sind in Österreich an diesen Studien beteiligt ?

Es sind ca. 100 Ärzte, die unmittelbar daran arbeiten und 800 aktive Prüfärzte in ganz Österreich. Aber es wird weniger. Interdisziplinarität ist zur Normalität geworden.

Große Erfolge machen die nächsten Erfolge schwieriger. Wir befinden uns bereits auf einem sehr hohen Level. Deshalb ist "Bodenhaftung" sehr wichtig.

Die ABCSG wird auf der ganzen Welt bewundert. Es ist nicht so leicht, dies in die Zukunft zu übertragen.

Am Montag, den 1. Juni wurde unsere Studie 18 publiziert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Bei PatientInnen, die zur Therapie einen Aromatasehemer bekommen, konnten durch Osteoporose hervorgerufene Knochenbrüche um die Hälfte reduziert werden, worüber wir uns natürlich sehr freuen.

Wir verstehen den "Feind" immer besser. Wissenschaft ist die Grenze zwischen Wissen und Unwissen. Immer mehr werden Molekularbiologen gebraucht, deren "Sprache" von den Ärzten nicht mehr verstanden wird. Außerdem steht wenig Geld für die Forschung zur Verfügung.

Vielen Dank, Herr Prof. Gnant für dieses spannende Interview.

Mehr zu lesen unter:

http://www.abcsg.at/meilenstein-abcsg-18-liefert-sensationelle-ergebnisse/

Herr Prof. Jakesz, auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass.....

schwere Erkrankungen traumatische Lebenseinschnitte sind, die für die Betroffenen und ihr Umfeld von großer Bedeutung sind. Erkrankungen sind Störungen und Fehlen der harmonischen Gesundheit in einem gewissen Bereich des menschlichen Körpers. Gesundheit ist im eigentlichen Sinne der Normalzustand eines Menschen, sowie das Leben in Freude und Frieden – Kranksein ist ein Ausnahmezustand.

Sie sind Ganzheitsmediziner, wo sehen Sie den Ursprung einer Krankheit?

Krankheit hat ihren Ursprung im geistigen Bereich. Sie hat also eine energetische Ursache, die sich im Körper manifestiert. Veränderungen passieren niemals ausschließlich auf körperlicher Ebene.

 

Warum beschäftigt sich die Schulmedizin ausschließlich mit der Behandlung des Körpers?

„Natur- und Geisteswissenschaften gehören zusammen – ohne einander ist jedes nur halb“. Die willkürliche Trennung des Organismus in eine körperliche und eine geistige Ebene und die Fokussierung der Schulmedizin auf die körperliche Ebene, wie sie von René Descartes im 17. Jahrhundert proklamiert wurde, hat die ganzheitliche Sicht des Menschen in Bezug auf Gesundheit und Krankheit verschwinden lassen.
Die Medizin wurde zur Naturwissenschaft und hat ihre Kompetenz als Geisteswissenschaft größtenteils abgegeben.

Ich persönlich fühle mich dadurch, dass ich im Heilberuf tätig sein kann, sehr privilegiert, und versuche, meinen Fokus über den rein körperlichen Bereich hinausgehen zu lassen.

Eine intensive Kommunikation mit Patientinnen und Patienten stellt eine beglückende und auch herausfordernde Aufgabe dar.

Menschen in Ausnahmesituationen benötigen dringend Mediatoren, die sie bei ihrer Krankheitsbewältigung begleiten und sie zum ehest möglichen Zeitpunkt in die Eigenverantwortung entlassen. Das Arzt-Patienten-Verhältnis sollte ein partnerschaftliches sein, die Beteiligung der Betroffenen am Gesundwerdungsprozess sollte keinesfalls unterschätzt werden.

Die zentrale Rolle spielen die Betroffenen selbst. Wir als begleitende Ärztinnen und Ärzte sind aufgerufen, uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln der Heilung zu beteiligen. Meines Erachtens spielt Spiritualität – also die Frage nach dem Sinn aller Belange unseres Lebens – bei diesem Prozess eine bedeutende Rolle. In einem großen Ausmaß wird dies von den Betroffenen, zumindest meiner Erfahrung nach, verstanden und auch gelebt.

Viele Krebs-PatientInnen haben das Gefühl Schuld in sich zu tragen, wie sehen Sie das?

Ein wesentlicher Grundsatz, der meinen Patientinnen bereits im ersten Gespräch mitgeteilt wird, ist, dass Krankheit keinesfalls mit Schuld oder Strafe zu tun hat. Die Zeit nach einer Krebserkrankung stellt für Betroffene oft einen neuen Lebensabschnitt dar, in dem manches, was zu bestimmten Denkprozessen oder emotionalen Mustern Anlass gab, betrachtet, erfasst, geändert und geheilt werden kann.

Kann Krankheit Ihrer Ansicht nach als Prinzip von Ursache und Wirkung gesehen werden?

Krankheit ist Ausdruck des Lebens. Spiritualität. Eine Krankheit ist mehr als nur eine Botschaft des Körpers.
Daher spielen in der Heilung Gefühle, Geist und Seele mit.

Traumata lösen in uns oftmals physische Krankheit aus. Erlebnisse sind für uns schmerzhaft. Schmerz wandelt sich um in physische Erkrankung.

Unsere innere Stimme fragt uns vor Ausbruch einer Krankheit viele Fragen. Willst du das überhaupt? ....

Schauen wir einmal unsere Sinnesorgane an:

Mit unseren Ohren können wir hören....
Leider ignorieren oder verdrängen wir sehr oft unsere innere Stimme. Wir hören ihr nicht zu. Aussen und innen müssen aber in Harmonie sein.

Mit unseren Augen können wir sehen...
Sie kennen bestimmt den Ausspruch: Augen sind ein Fenster zur Seele. Oder: wenn ich dir in die Augen schaue, sehe ich bis in deine Seele....
Augen sind nicht nur zum Sehen da, Augen sind auch eines der wichtigsten Kommunikationsorgane.

Wie helfen Sie Ihren PatientInnen?

Ich bringe meine PatientInnen in Eigenverantwortung. Krankheit ist Herausforderung. Sie ist ein starker Antrieb, sich selbst kennenzulernen, die innere Schönheit, sich selbst keine Grenzen mehr zu setzen oder von anderen setzen lassen, die Unendlichkeit zu finden.

Krankheit ist Gnade. Änderungen in unserem Leben vorzunehmen ist ganz entscheidend.

Ich stehe meinen PatientInnen bei und wir machen gemeinsam aus der Krankheit etwas Wunderbares.


Herr Prof. Jakesz, vielen Dank für dieses außergewöhnliche, bereichernde Gespräch. Durch das Gespräch mit Ihnen haben sich meine inneren Augen geöffnet. Ich nehme mir fest vor, in Zukunft mehr auf meine innere Stimme zu hören.

DANKE

(http://www.jakesz.com/index.html)

Ein Interview mit dem Genetiker Univ.Prof.Dr. Markus Hengstschläger

Betroffene Frauen stellen uns immer wieder die Frage nach dem Zusammenhang von Brustkrebs und Genetik.
Steckt hier ein System dahinter oder ist das eine Laune der Natur ?

Jede Krebserkrankung hat genetische Ursachen, das bedeutet aber nicht, dass sie vererbt wird.

Wie kann ich das verstehen ?

Genetik darf nicht verwechselt werden mit Vererbung.

Wie häufig kommt erblicher Brustkrebs wirklich vor ?

Der erbliche - auch heriditärer, familiärer, "früher" auftretender Brustkrebs genannt - ist die wesentlich seltenere Form.

Jede Frau trägt die Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2 in sich. Nur eine Mutation eines dieser beiden Gene kann zur Brustkrebserkrankung führen. Eine Mutation im BRCA1 oder BRCA2 Gen ist sehr selten.

Das Risiko einer Frau mit BRCA1- oder BRCA2- Mutation im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken ist wesentlich erhöht.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen der Erkrankung.

Die monogene Erkrankung:

Bereits 1 verändertes Gen führt zur Erkrankung, insgesamt gibt es einige tausend monogene Erkrankungen.Hier kann eine genetische Beratung sowie eine genetische Austestung sinnvoll sein.

Die multifaktorielle Erkrankung:

Viele verschiedene Faktoren führen zum Ausbruch einer Erkrankung. Hier ist immer das Zusammenwirken bedeutungsvoller Gene + Umwelt verantwortlich. 90 % aller Erkrankungen sind multifaktoriell.

Wann ist eine genetische Untersuchung sinnvoll ?

Die genetische Untersuchung wird jenen Personen angeboten, bei denen basierend auf der familiären Vorgeschichte wahrscheinlich eine erbliche Veranlagung vorliegt, aber grundsätzlich jedem der Fragen in solchen Zusammenhängen hat.

Vor einer genetischen Untersuchung ist eine genetische Beratung verpflichtend.

Im Rahmen einer genetischen Beratung werden Fragestellungen behandelt, die mit dem Auftreten oder der Befürchtung einer angeborenen und/oder genetisch (mit)bedingten Erkrankung zusammenhängen.

Die genetische Beratung soll einem Einzelnen oder einer Familie helfen, medizinisch-genetische Fakten zu verstehen, Entscheidungsalternativen zu bedenken und individuell angemessene Verhaltensweisen zu wählen.


Herzlichen Dank Herr Prof. Hengstschläger für dieses aufschlussreiche Interview