Februar

 

Haarverlust während einer Chemotherapie belastet PatientInnen enorm. Seit ca. 20 Jahren laufen Versuche, wie trotz einer Chemotherapie, mittels Kühlen der Kopfhaut, die Haare erhalten werden können.

Durch Kühlen der Kopfhaut kann man verhindern, dass das Gift der Chemotherapie bis zu den Haarwurzeln gelangt. Bisherige Versuche haben sich, trotz einiger Erfolge, bis jetzt nicht durchgesetzt. Die Technik war nicht ausgereift und die Kälte von 4 Grad wurde von PatientInnen schlecht toleriert.

Firma Paxman, aus UK brachte nun eine neue Technologie zum Einsatz, die sich in Großbrittannien sehr schnell wegen guter Verträglichkeit und guter Erfolge flächendeckend durchgesetzt hat.
Schwester Natalija Frank,MPh, Leiterin der klinischen Forschung am Comprehensice Cancer Center Wien sowie Vorstandsmitglied bei Europa Donna Austria, hat, durch den Austausch mit KollegInnen aus der Pflege von dieser erfreulichen Entwicklung erfahren.

Sie vereinbarte Termine, flog nach UK und vergewisserte sich persönlich durch eigenes Ausprobieren, Gesprächen mit PatientInnen und Pflegepersonal von der guten Verträglichkeit dieses Produktes.

Wie funktioniert die Kühlung der Kopfhaut?

Das Kopfhaut Kühlsystem wird von einer Betreuerin eine halbe Stunde vor dem Start Ihrer Chemotherapie angelegt und bleibt noch ca. 1-2 Stunden nach deren Beendigung auf dem Kopf, je nach Art der Chemotherapie, die verordnet wurde. Während dieser Zeit wird die Kopfhaut auf +18°C gekühlt. Die erwünschte Wirkung stellt sich durch die anhaltende Kühlung ein. Diese bewirkt, dass sich die Kapillare der Blutgefäße der gekühlten Kopfhaut zusammenziehen und so verhindern, dass das Gift der Chemotherapie zu den Haarwurzeln gelangen kann.

Warum verliert man eigentlich die Haare während einer Chemotherapie?

Die Wirkung der Chemotherapie basiert auf der Fähigkeit der Substanzen jene Zellen anzugreifen, die sich schnell teilen: die schnellsten sind die Tumorzellen, danach kommen Haare, Nägel, Haut, Schleimhaut usw. Das Verhindern des Zuführens der Chemosubstanzen zu den Haarwurzeln schirmt diese von der schädlichen Wirkung ab.

Das Gefühl in den ersten 10 bis 15 Minuten kann man damit vergleichen, als hätte man sich die Kopfhaut mit einer kühlenden Lotion eingerieben. Danach klingt das eher unangenehme Gefühl ab und man gewöhnt sich allmählich an die Temperatur. In seltenen Fällen können Kopfschmerzen auftreten. Das Einnehmen eines Mittels gegen die Schmerzen (Analgetikums) ist bei Bedarf erlaubt und soll rechtzeitig bei Spannungs- oder Druckgefühl erfolgen. Während des Kühlens der Kopfhaut soll darauf geachtet werden, dass der Rest des Körpers es angenehm warm hat – bei Bedarf rechtzeitig nach einer zusätzlichen Decke fragen.

Da die Chemosubstanzen, je nach ihrer Art, auch nach der Verabreichung in unterschiedlicher Ausprägung im Körper wirksam sind, kann das Behalten der Haare nicht in jedem Fall garantiert werden. Der Erfolg hängt vom mehreren Faktoren ab und bewegt sich zwischen 60 und 80 %, wenn der Kühlvorgang bei jedem Chemotherapiezyklus von Anfang an eingehalten wurde.

Nach all diesen positiven Eindrücken zu diesem Produkt, hat sich Natalija Frank dazu entschieden, dieses Produkt in Österreich einzuführen. Derzeit wird das Gerät in der Wiener Privatklinik eingesetzt, bald folgen weitere Krankenhäuser.

Was kostet diese Behandlung?

Eine Patientin/ein Patient kostet für sechs Zyklen Chemotherapie ca. 180,-- Euro. Derzeit ist dieser Betrag noch von den PatientInnen zu bezahlen. Erwähnenswert ist es noch, dass dieser Betrag weniger ist, als der Kauf einer Perücke.
Es wird daran gearbeitet, dass die Versicherung diese Behandlung in Zukunft übernimmt.

Infos unter: nfrank.info

Widerstandsfähigkeit und Resilienz im Alltag.....

oder: Die Kunst vom "SCHWAMM DRÜBER"

 Was genau bedeutet der Begriff Resilienz?

  • Resilienz (lateinisch resilire: zurückspringen‚ abprallen, Widerstandsfähigkeit) beschreibt die Toleranz eines Systems gegenüber Störungen.
  • Resilienz ist die Fähigkeit eines Systems, mit Veränderungen umgehen zu können.
  • Resiliente Menschen bewältigen schwierige Lebenssituationen nachweislich besser als andere und wachsen dadurch als Persönlichkeiten.

Ein anschauliches Beispiel für Resilienz im engeren Sinn ist die Fähigkeit eines Stehaufmännchens:

Es kann sich aus jeder beliebigen Lage wieder aufrichten. Es beschreibt die Fähigkeit eines System nach einer Störung immer wieder zum „Grundzustand“ zurück zu kehren. Ein eng verwandter Begriff ist Selbstregulation.


Resilienz ist förderbar

Eltern und ältere Geschwister können viel dazu beitragen, dass ein Kind Resilienz entwickelt. Nathan Caplan und andere beschäftigten sich mit Flüchtlingsfamilien in den USA, die in Armut lebten und deren Eltern eine geringe Bildung hatten. Sie stellten fest, dass sich die Mehrheit ihrer Kinder als resilient erwies. Emotional am stabilsten und schulisch am erfolgreichsten waren jedoch die Kinder aus den Familien, wo sowohl von Eltern als auch von älteren Geschwistern viel Wert auf Bildung zum Selbstzweck gelegt wurde.

Einen ganz besonders positiven Einfluss hatte es, wenn die Eltern den Kindern vorlasen. In 45 % der Flüchtlingsfamilien war dies der Fall. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie englische Bücher oder Bücher in ihrer Heimatsprache vorlasen. Es kommt, laut Caplan und Choy, eher darauf an, dass das Vorlesen die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kindern stärkt.

Das so genannte Foster-Grandparent-Programm (Großeltern-Programm) hat sich als erfolgreich bei der Förderung von Resilienz erwiesen. Es bringt ältere Leute mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt.

  • Foster-Großmütter arbeiten mit schwangeren jungen Mädchen und ihren Säuglingen und helfen Kleinkindern in Vorschulprogrammen.
  • Foster-Großväter helfen straffälligen Jugendlichen bei ihren Schularbeiten.

Die freiwilligen Helfer versorgen auch kranke Kinder in Kinderkliniken und arbeiten mit traumatisierten Flüchtlingskindern. Außerdem helfen sie Grundschülern mit Lernproblemen. Dabei konnten positive Effekte nachgewiesen werden. Kleinkinder, die eine Foster-Großmutter hatten, zeigten in ihrer motorischen und sozialen Entwicklung deutliche Fortschritte. Vorschulkinder verbesserten sich in ihrer Intelligenzentwicklung und sozialen Kompetenz. Bei Schulkindern konnten Verbesserungen in der Lesefähigkeit und im Sozialverhalten festgestellt werden.

(Auszüge aus: http://de.wikipedia.org/)

Tipps und Inspiration zu diesem Thema, Ideen, wie Ihr im eigenen Leben Eure psychische Widerstandsfähigkeit maßgeblich erhöhen und präventiv handeln könnt, erfahrt Ihr von den "Steh-auf-Mädchen" bei unserem 2. Österreichischen Brustkrebs-PatientInnen Kongress, der am 3. und 4. Oktober in Linz stattfinden wird.

Ansprechpartnerin:

Martina Hagspiel

StehAuf(!)-Mädchen und Kurvenkratzer

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! www.kurvenkratzer.at

Die moderne Medizin ist reich an wissenschaftlichen, technischen Leistungen, aber arm an menschlichen, kommunikativen Beziehungen, schreibt Maximilian Gottschlich in seinem Buch "Medizin und Mitgefühl. Die heilsame Kraft empathischer Kommunikation, Wien: Böhlau 2007 (2)".

Immer mehr Menschen klagen über ein gefühlloses, inhumanes Medizinsystem, das auf ihre subjektiven seelischen Bedürfnisse keine Rücksicht nimmt und dem die Sprache des Leids fremd geworden ist. Was den Patienten an kommunikativer Zuwendung vorenthalten wird, fällt auf die Ärzte selbst zurück: Sie werden zunehmend zu Leidenden an ihrer Profession, fühlen sich innerlich leer und ausgebrannt und nicht wenige würden ihren Beruf kein zweites Mal wählen.

"Medizin und Mitgefühl - die heilsame Kraft empathischer Kommunikation" ist der programmatische Titel der aktualisierten und um wesentliche Teile erweiterten Neuauflage des 1998 bei Springer Wien New York erschienenen und seit längerem vergriffenen Buches "Sprachloses Leid. Wege zu einer kommunikativen Medizin".
Der Autor, der Wiener Kommunikationswissenschafter Maximilian Gottschlich, geht darin dem vielschichtigen Zusammenhang von Kommunikation und Heilen nach. Sein Buch ist ein leidenschaftliches und zugleich wissenschaftlich fundiertes Plädoyer für eine neue medizinische Kommunikationskultur. Es macht deutlich: Kommunikation ist eine zentrale, unverzichtbare Dimension ärztlicher Heilkunst ...

Die Angst des Arztes

....jeder Patient erinnert den Arzt an sein eigenes bevorstehendes Leiden und Sterben.....

Doch das, was wir Patienten brauchen ist eine neue kommunikative und mitfühlende Medizin.

Wie Simone Weil,eine französische Philosophin, Dozentin und Lehrerin sowie Sozialrevolutionärin (1909 - 1943), bereits sagte:
"Wer leidet, der sucht sein Leid anderen mitzuteilen, sonst bleibt das Leid in ihm und vergiftet ihn".

Im therapeutischen Ansatz der Kommunikation liegt unheimlich viel Heilungspotential. Worte aktivieren Körpergefühle. Man nennt das auch Spiegelmechanismus. Kommunikationsarmut macht krank. Die Verwehrung emotionaler Zuwendung kann zu einem schlechteren Therapieverlauf führen.

Existentielle Kommunikation

Hierbei geht es um die Bereitschaft, das andere "Selbst" zu verstehen, die Lebensbühne des anderen zu betreten, denn dann kann heilendes Potential entfaltet werden.

  • Wir wünschen uns ein gutes, interdisziplinäres Arzt-Patientengespräch
  • Wir möchten gehört werden
  • Wir möchten Teil ärztlicher Entscheidungen sein
  • Wir möchten als Mensch gesehen werden, nicht als Patient
  • Wir wünschen uns gegenseitiges Vertrauen
  • .......

Erzähle mir - und ich werde vergessen
Zeige mir - und ich werde mich erinnern
Lass mich teilhaben - und ich werde verstehen

 

Einen weiteren Artikel zu diesem Thema findet ihr hier:  Zum Artikel