November

Foto: Felicitas Matern / AKH WienFrau Prof.Kornek, Sie setzen sich unsermüdlich dafür ein, die PatientInnenversorgung zu verbessern.

Seit kurzem sind Sie Ärztliche Direktorin im AKH. Das ist eine große Aufgabe. Können Sie uns ein bisschen mehr über sich erzählen?

Ich bin mit dem AKH Wien seit 23 Jahren durch meine Tätigkeit als Ärztin eng verbunden und weiß daher um das Potenzial und um die Herausforderungen, die mit meiner neuen Aufgabe verbunden sind.

„Meine klinische Tätigkeit hat mir vor Augen geführt, wo Optimierungen möglich sind. Gleichzeitig lässt sie mich den klinischen Alltag besser verstehen.“ 

Wenn man so wie ich die Chance bekommt Dinge aktiv und konstruktiv mitzugestalten, muss man sie ergreifen“.

Was steht im Zentrum Ihrer neuen Aufgabe?

Im Zentrum meiner neuen Aufgabe steht der reibungslose Ablauf der medizinischen Versorgung der PatientInnen des Hauses, ein Netzwerk für

die PatientInnenversorgung mit anderen Häusern und mit niedergelassenen ÄrztInnen zu etablieren - auch das reibungslose Zusammenwirken der unterschiedlichen Professionen, die an der Behandlung und Betreuung von PatientInnen mitwirken, ist mir ein großes Anliegen.

Als Ärztliche Direktorin bin auch für die die nichtärztlichen Berufsgruppen wie etwa PsychologInnen, Hebammen  und die große Gruppe der MitarbeiterInnen der medizinischen, therapeutischen und diagnostischen Gesundheitsberufe verantwortlich. 

Ich sehe mich als Ansprechpartnerin das gesamte medizinische Personal, wenn es um die Unterstützung bei der Kernaufgabe des Hauses, der PatientInnenversorgung, geht.

Liebe Frau Prof. Kornek, vielen Dank für das Interview. Wir sind sehr stolz, Sie in unserem wissenschaftlichen Beirat zu wissen.

 

Über Gabriela Kornek:

Geboren 1961 in Wien studierte Gabriela Kornek Medizin an der Universität Wien. Nach der Beendigung ihres Studiums 1987 war sie zwei Jahre Lektorin am Anatomischen Institut Wien und begleitend dazu Gastärztin an der II. Medizinischen Universitätsklinik des AKH Wien und de Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Danach absolvierte sie ihre Ausbildung als Turnusärztin im Hanuschkrankenhaus und begann ihre Ausbildung zur Fachärztin für Innere Medizin im Willhelminenspital

Im Jahr 1991 erhielt sie eine die Ausbildungsstelle für das Fach Innere Medizin am AKH Wien und der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, die sie 1997 als Fachärztin für Innere Medizin und dem Zusatzfach für Hämatoonkologie abschloss. 1996 habilitierte sie sich für das Fach Innere Medizin und ist seit 2003 Programmdirektorin für HNO-Tumoren. In der Zeit von 2008 bis Dezember 2014 war sie die dritte Stellvertreterin des Klinikleiters der Universitätsklinik für Innere Medizin I des AKH Wien/MedUni Wien und von 2012 bis Dezember 2014  stellvertretende Abteilungsleiterin der Abteilung für Onkologie. 2001 absolvierte sie einen Managementkurs für ärztliche Führungskräfte, 2002 den Prüfarztkurs der Ärztekammer und 2006 die Ausbildung zur Qualitätsmanagerin. Gabriela Kornek blickt auf 164 wissenschaftliche Originalarbeiten in peer-reviewed journals zurück, ist Herausgeberin von 2 Fachbüchern, Autorin von Buchbeiträgen und Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften. Darüber hinaus ist sie sehr aktiv im Bereich der Laieninformation.

Sie ist Präsidentin von Leben-mit-Krebs, war Leiterin der Cancer School CCC Vienna, hält Vorträge für die Wiener Krebshilfe und zukünftig auch für Europa Donna.

Ein häufiger Fehler beim Arzt-PatientInnen-Gespräch:

Es wird zu früh viel Wissen vermittelt. Die von der ORF-Sendung "heute konkret" bekannte Journalistin Claudia Reiterer zitierte bei den 14. Onkologischen Wintergesprächen den in der Psychologie bekannten Spruch:

"Hören heißt nicht begreifen. Begreifen heißt nicht annehmen. Annehmen heißt nicht befolgen. Befolgen heißt nicht durchhalten."


So fand der deutsche Onkologe Dr. Manfred Welslau zum Beispiel heraus, dass ein langes Erstgespräch von 30 bis 45 Minuten wenig zielführend ist, da eine Krebsdiagnose bei den PatientInnen so viel auslöst, dass sie nicht länger als 15 Minuten aufnahmefähig sind.

Sein Vorschlag:

Ein kurzes Erstgespräch von 15 bis maximal 20 Minuten (die Diagnose wird kurz wiederholt, Begründung, Art und Ziel der Therapie mit Zeitplan werden besprochen, Kontrolltermine und Medikamenteneinnahme thematisiert) und dann ein zweiter Kontakt wenige Tage (maximal eine Woche später) - wenn möglich gemeinsam mit Angehörigen.

"Es gibt nicht die Grundregel für ein optimales Gespräch", sagt der erfahrene Hämatoonkologe Univ. Prof. Dr. Helmut Samonigg, Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin Graz. Für die Onkologen sei es zunächst einmal wichtig, die subjektive Sichtweise der PatientInnen zu kennen und sie zu respektieren.

Er selbst stelle sich vor einem Gespräch meist folgende Fragen:

  • Habe ich Behandlungsmöglichkeiten, die möglichst gut wirken in der Situation?
  • Haben diese Therapien, die ich jetzt mit der Patientin besprechen soll, möglichst wenig Nebenwirkungen?
  • Kann ich die Erkrankung nach menschlichem Ermessen heilen? Oder, wenn ich weiß, dass ich nicht heilen kann, kann ich dann wenigstens optimistisch sagen: Ja, wir werden diese Erkrankung möglichst lange möglichst gut in den Griff bekommen?

"Es steht uns Ärzten ein immer größer werdendes Instrumentarium an Möglichkeiten zur Verfügung, das ist auf der einen Seite ganz toll, auf der anderen Seite erschwert es natürlich die Entscheidung, was wirklich das Beste ist für diesen konkreten Patienten."
Auch für Ärzte ist also das Einholen einer Zweitmeinung wichtig, eine Besprechung mit spezialisierten Kollegen, am besten noch vor dem Arzt-PatientInnen-Gespräch  (Auszüge aus: krebs:hilfe!Sonderheft, April 2015)

Tod prophezeit, Leben gewonnen

Der zweifachen, alleinerziehenden Mutter, Johanna Wallig wurde einer der bösartigsten Tumore diagnostiziert. Mit der Gewissheit, dass ihre innere Stärke eine krebsfreie Zone ist, hat sie ihren Brustkrebs besiegt.

30 Grad im Schatten, Partymusik und vor ihr die unendliche Weite des Ozeans. Johanna Wallig ist mit ihren beiden Söhnen zwei Wochen auf Kreuzfahrt. Schwerer als ihr Koffer wiegen jene Worte, die ihr zwei Tage davor mitgeteilt wurden: „Sie haben einen sehr aggressiven Tumor, der sich schon in der ganzen rechten Brust ausgebreitet hat. Sie müssen sich sofort die Brust abnehmen lassen, danach eine Strahlentherapie durchführen und anschließend noch eine Chemotherapie machen, ich rate Ihnen, suchen Sie sich so schnell wie möglich einen guten Chirurgen“. Als wäre die Diagnose nicht lebensverändernd und, in Johannas Falls sogar lebensbedrohlich, genug, sind es die Härte und Direktheit, mit der die Ärztin diese Worte ausspricht, die der alleinerziehenden Mutter in der nüchternen Atmosphäre des Behandlungszimmers zusetzen.

„Ich konnte und wollte nicht glauben, dass ich nur noch wenige Wochen zu leben hatte.“, erinnert sich Johanna. Daher beschloss sie, mit ihren Kindern erstmal auf Urlaub zu fahren. Neben der Gewissheit, dass in ihrer rechten Brust bösartige Krebszellen ihr Unwesen treiben, begleiteten Johanna viele Fragen auf der Reise. „Wann und wie soll ich es meinen Kindern und meiner Familie erzählen?“, „Welchem Arzt vertraue ich mich an? Und, will ich mich überhaupt auf die schulmedizinische Vorgehensweise einlassen?Wie wird sich mein Aussehen verändern? Wie wird mein Arbeitgeber reagieren?“

Zurück in Österreich sind zwei Wochen ihrer Lebenserwartung wieder geschwunden – so wurde es ihr schließlich prophezeit. Doch für Johanna scheint diese knappe Zeit nicht zu zählen. Vielmehr entschließt sie sich, erstmal alternative Wege auszuprobieren. Einen Monat lang besucht sie zweimal wöchentlich den einzigen Arzt in Österreich, der Hyperthermie (eine Art Wärmebehandlung) anbietet, bis er ihr schlussendlich mitteilt: „Frau Wallig, Sie werden um eine Operation und die Chemotherapie nicht umhin kommen, Ihr Tumor ist zu gefährlich, um ausschließlich mit dieser Therapie zu arbeiten und die Zeit läuft.

Weitere drei Monate vergehen, bis Johanna einen Chirurgen aufsucht und sich zur stärksten Dosis und Form der Chemotherapie entschließt. „Ich wollte diese Entscheidung ohne Angst treffen.“, erinnert sie sich. Meinen Kindern habe ich bis zur ersten Chemo nur gesagt, dass mit meinen Zellen etwas nicht in Ordnung sei. Erst danach habe ich ihnen erzählt, dass ich jetzt eine Chemotherapie mache und mir die Haare ausgehen werden, sie sich nicht schrecken sollen. Ich habe ihnen versichert, dass ich wieder ganz gesund werde. Sie haben meine Stärke gespürt und das dann geglaubt, obwohl sie natürlich trotzdem Angst hatten, dass ich sterbe.“

Johanna wollte den Weg bewusst alleine gehen, zog sich von ihrem Umfeld zurück und arbeitete mental an sich. „Ich war mir bewusst, dass es nur ein kleiner Teil meines Körpers ist, der tatsächlich von bösartigen Krebszellen befallen ist. Meine Seele, mein gesamtes Wesen, war immer heil und ich die selbe Johanna Wallig, die ich vor der Diagnose war.“ Daher konzentrierte sie sich während der 24 Chemotherapien darauf, dass die injizierte Medikation gezielt nur die bösartigen Zellen zerstört.

6 Monate später war die zweifache Mutter noch immer am Leben. Und ist es heute mehr denn je. „Zurückblickend scheint es, als hätte ich meine vielfältigen Aus- und Weiterbildungen mit dem Ziel gemacht, um sie heute für die Steigerung der Lebensqualität von Frauen mit der Diagnose Krebs einzusetzen.“ Hat sie früher als Farb- und Stilberaterin MitarbeiterInnen von Banken und Versicherungen beraten, nutzt sie ihr ästhetisches Gespür heute, um mit Krebspatientinnen eine passende Perücke und bunte Tücher auszuwählen. Die Expertise ihres Jusstudiums setzt sie gewinnbringend für die Beantwortung rechtlicher Fragen ein (Was passiert mit meinen Arbeitsplatz? Wie komme ich zu Förderungen? etc.) „und mit all den sozialen Fähigkeiten, die ich in der Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin nocg professionalisierte, begleite und unterstütze ich nun andere Betroffene.“

Die 51-jährige Steirerin kennt die Schmerzen im Kopf und in den Knochen, die Krämpfe, irritierten Schleimhäute und die körperliche Erschöpfung, die mit der Chemotherapie einher gehen. „Manchmal geht es einfach nur darum, jemanden in den Arm zu nehmen und ohne Worte Kraft zu spenden. Eine Krebserkrankung ist keine Endstation, sondern eine Chance, die eigenen Ressourcen zu erweitern und auch zu lernen, mit einer der größten Herausforderungen des Lebens umzugehen!“

Johanna Wallig hat zwar letztendlich alle Therapien über sich ergehen lassen, zu denen ihr die Ärzte geraten haben. „Doch ich habe niemals aus Angst heraus gehandelt, sondern mich bewusst dafür entschieden und auf mein Bauchgefühl vertraut.“ Denn auch diese innere Weisheit geht nicht verloren.

Übrigens: diesen Sommer will Johanna wieder ans Meer – diesmal mit im Gepäck: ihr neuer Bikini. Denn ihre beiden Brüste hat sie – ganz im Widerspruch zu den Worten der Ärztin – ebenfalls nicht verloren!


Zur Person:

Wenige Wochen nach ihrem Umzug vom steirischen Gröbming nach Wien, wurde bei der 51-jährigen Johanna Wallig eine der bösartigsten Formen von Brustkrebs diagnostiziert. Sie nutzt die Zeit, um ihr Leben neu auszurichten. Mit all ihren Erfahrungen, wie auch ihren beruflichen Qualifikationen und Fähigkeiten, begleitet und unterstützt die alleinerziehende Mutter heute andere Krebspatientinnen dabei, ihren ganz persönlichen und selbstbewussten Weg zu finden, mit Ihrer Erkrankung umzugehen. Weitere Informationen unter http://www.lebensgestaltung-mit-krebs.at/

Kontakt:

Johanna Wallig
Trauttmansdorffgasse 19/10, 1130 Wien
Tel.: +43 (0)650 / 8962729
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