Wir werden von Ereignissen getroffen, die wir nicht gewählt haben, denen wir nicht ausweichen können und über die wir keine freie Entscheidung haben. Aber wir haben freie Entscheidungen, wie wir damit umgehen.

Insbesondere Ängste sind belastende Begleiter - vor allem bei fortgeschrittenen Brustkrebs - und
sowohl den Betroffenen selbst als auch Angehörigen und Freunden fällt es schwer, damit umzugehen.

Da gibt es die Angst um die Familie, um Freunde, Angst vor der Behandlung, vor der nächsten
Untersuchung, vor der Zukunft, die Existenzangst, die Angst, die Erkrankung zu vererben und vieles
mehr.

Wir dürfen Angst haben!

Oft fürchten sich Angehörige vor der Angst der Betroffenen, da sie glauben,sie müssen derern Angst lösen. Angst kann ansteckend sein. Wir alle haben Ängste, Gesunde und Kranke, Junge und Ältere. Erst die Vergegenwärtigung, dass Angst keine Schwäche ist, sondern zu unserem Leben dazugehört, lässt uns anders damit umgehen.

Wir brauchen Vertrauen in uns selbst, in unsere Kraft und wir benötigen Mut in unsere
Widerstandsfähigkeit. Hierbei ist es sinnvoll, den Blick in unsere Lebensgeschichte zu richten.

Wie war der bisherige Umgang mit Ängsten, Erkrankungen und Verlusten?
Welche Wetvorstellungen, Erwartungen, Glaubenssätze bestehen? Hat sich an den Wertvorstellungen etwas geändert?

Oft sind gerade Angehörige und Freunde bemüht, den Betroffenen "gut gemeinte" Ratschläge zu geben, wie z.B."Schau jetzt auf Dich" oder "Kämpfe" oder "Denk positiv!"

All das beinhaltet, dass der Betroffene bis jetzt das Gegenteil getan hat, also nicht auf sich geschaut, nicht gekämpft und nicht positiv gedacht hat.
Wenn diese Ratschläge auch noch unaufgefordert geäußert werden, stellt dies eine - wenn auch liebevoll gemeinte - "Verletzung der Privatshäre" dar, die auch als Schuldzuweisung aufgefasst werden kann.

In unserer täglichen Kommunikation fällt es uns nicht mehr auf, wo wir andern Schuld zuweisen, wenn wir z.B. Sagen: "Du doch nicht" Du warst doch immer so fröhlich!", was ist denn in Deinem Leben schief gelaufen, dass Du so krank geworden bist?".

Ein achtsamerer Umgang mit Worten ist daher empfehlenswert. Nur selten werden Sie selbst jemandem anderen einen Arbeitsauftrag (z.B. "was würdest Du mir jetzt raten",..), der Empfehlungen über Ihr eigenens Leben betrifft, geben. Hier geht es um Lebensrichtlinien und wir sind sehr vorsichtig, wer sie uns geben darf.

Nur wir selbst entscheiden, wovor wir Angst haben!

Vorsicht ist auch geboten bei Empfehlungen aus der Wellness-Esoterik wie z.B. "Wenn Du in Harmonie lebst...", wonach Krankheit eine Schuldfrage ist, nicht richtig gelebt zu haben!

Krebs hat überhaupt nichts mit Schuld zu tun!

Wir sollten uns aus der entwerteten "Schuldfalle" befreien. Es ist durchaus empfehlenswert, Kontakte zu reduzieren, die uns dorthin ziehen !

Die meisten Kommunikationsschwierigkeiten beruhen oft auf im Augenblick entgegengesetzten Bedürfnissen und Erwartungen.

 (Auszüge aus der Broschüre "Metastasierter Brustkrebs ohne Tabu, Novartis Oncology)