Ovarian Tissue Banking (OTB)

Interview mit dem Leiter des Instituts für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin Univ-Prof. Dr. Hans Christian Egarter

 

Univ-Prof. Dr. Christian EgarterMona: Herr Univ-Prof. Dr. Egarter,

herzlichen Dank dass Sie sich Zeit für dieses Interview genommen haben. Wir von Europa Donna Austria werden immer wieder von jungen Frauen kontaktiert, die vor ihrer Familienplanung an Brustkrebs erkranken. Gibt es für diese Frauen eine Möglichkeit ihre Fruchtbarkeit zu erhalten?

Univ-Prof. Dr. Egarter: Patientinnen, die ein hohes Risiko haben, ein vorzeitiges Versagen der ovariellen Aktivität (Primature Ovarian Failure, POF) zu erleiden, sollen alle Möglichkeiten des Erhaltes der Fertilität und der endokrinen Funktion angeboten werden. Die gonadale Schädigung kann die Folge notwendiger Therapiemaßnahmen (Chemotherapie, Strahlentherapie, Operationen) im Rahmen von speziellen Grunderkrankungen sein (Krebserkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Ovarialcysten). Neben wichtigen protektiven Maßnahmen, wie der Gabe von GnRH-Analoga, einer Ovaropexie oder Methoden der künstlichen Befruchtung, stellt die Ovargewebekryokonservierung (Ovarian Tissue Banking, OTB) einen weiteren bedeutenden Baustein in diesem Konzept dar.


Mona: Wenn ich Sie richtig verstehe, handelt es sich hierbei um das Einfrieren von Eierstockgewebe vor Therapiebeginn. Welche Vorteile haben Frauen, wenn sie sich dazu entscheiden?

Univ-Prof. Dr. Egarter: Die Vorteile von OTB können folgendermaßen dargestellt werden:
- Keine Therapieverzögerung
- Behandlung präpubertärer Mädchen
- Kein unerwünschter Östrogenpeak
- Behandlung von Frauen ohne Partner
- Sowohl bei Chemo-als auch Strahlentherapie einsetzbar
- Erhalt der Fertilität UND der endokrinen Funktion

Mona: Das sind ja großartige und hoffnungsbringende Neuigkeiten. Ich kann mir vorstellen, dass diese Entscheidung sehr schnell getroffen werden muss, das ja in den meisten Fällen unmittelbar nach der Diagnosestellung mit der Therapie begonnen wird.

Univ-Prof. Dr. Egarter: Ja, das stimmt. Bis dato mussten Patientinnen aus Ostösterreich mit Wunsch nach OTB zur laparoskopischen Ovargewebeentnahme nach Innsbruck oder Linz überwiesen werden, was für die betroffenen Mädchen und Frauen natürlich – neben der Krebserkrankung – eine weitere große Belastung darstellte.

Seit 2012, mit Einlangen der behördlichen Bewilligung durch die AGES, ist es uns nun möglich, OTB auch in Wien (und damit für ganz Ostösterreich) anbieten zu können: Derzeit noch gemeinsam mit dem MUW-Kooperationspartner „Fertilitätszentrum Döbling“ und in Zukunft auch auf der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Wien/AKH wird das OTB-Programm nach strengen internationalen Richtlinien im Rahmen des Netzwerkes FertiPROTEKT (Netzwerk für fertilitätsprotektive Maßnahmen bei Chemo-& Strahlentherapie) durchgeführt werden.

Mona: Werden die Kosten von den Sozialversicherungsträgern übernommen?

Univ-Prof. Dr. Egarter: Erwähnt werden muss, dass OTB eine Leistung ist, die von den Sozialversicherungsträgern nicht übernommen wird. Die Kosten bewegen sich in der Höhe von IVF-Selbstzahler-Kosten.

Mona: Was bedeutet IVF?

Univ-Prof. Dr. Egarter: Mit IVF ist In-vitro Fertilisation gemeint, was soviel bedeutet wie künstliche Befruchtung.

Mona: Was ist vorab für betroffene PatientInnen wichtig zu wissen?

Univ-Prof. Dr. Egarter: Vier Faktoren sind für eine seriöse und erfolgreiche Beratung und Behandlung betroffener Patientinnen notwendig:

1. Aufklärung und Beratung durch spezialisierte Reproduktionsmediziner in enger Kooperation mit Onkologen und Strahlentherapeuten
2. Anbieten ALLER Möglichkeiten von Gonaden-schützenden Maßnahmen
3. Hohe Expertise bei laparoskopischen Operationen
4. Enge Kooperation mit einem hochspezialisierten Labor

Die Patientin wird bei entsprechender Indikation nach ausführlichster Aufklärung stationär aufgenommen, die laparoskopische Operation erfolgt am selben Vormittag. Am nächsten Tag kann die Patientin meist bereits wieder entlassen werden.

Wir freuen uns sehr, allen betroffenen Patientinnen in Ostösterreich nun auch OTB anbieten zu können und so eine optimale Betreuung ermöglichen zu können.

Mona: Darf ich fragen, was die Abkürzung OTB bedeutet?

Univ-Prof. Dr. Egarter: Der deutscher Begriff für OTB lautet: Kryokonservierung von Eierstockgewebe

Mona: Was passiert nach erfolgreicher Therapie?

Univ-Prof. Dr. Egarter: Nach erfolgreich absolvierter Therapie kommt es zu einer Rücktransplantation des entnommenen Eierstockgewebes zum Erhalt der Fertilität und der endokrinen Funktion

Mona: Das sind beruhigende Aussichten. An wen können sich interessierte Frauen wenden?

Univ-Prof. Dr. Egarter: Ansprechpartner ist:


Univ. Prof. Dr. Klaus Mayerhofer
Kinderwunsch-Endoskopie-Ambulanz (ESKA Ambulanz):
Terminvereinbarung Mo – Do 09:00-12:00 unter +43/1/40 400-2344
AKH-Univ. Fraunenklinik
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien

Mona: Herr Prof.Dr. Egarter, ich bedanke mich ganz herzlich für dieses spannende Interview