Herr Prof. Crevenna, Sie sind der meistgenannte Experte zum Thema „Onkologische Rehabilitation“. Was kann man sich darunter vorstellen?

Eine onkologische Erkrankung betrifft sämtliche Aspekte des Lebens. An Krebs erkrankte Patienten erleiden u.a. auch Funktionsstörungen und Defizite und werden durch Symptome beeinträchtigt, die nicht nur durch die Krebskrankheit selbst, sondern oftmals auch durch Begleit- und Folgeerkrankungen und vor allem durch die für das Überleben unbedingt notwendigen onkologischen Therapien, wie Operation, Chemo- und/oder Strahlentherapie (mit)bedingt werden können.

Welche Ziele hat die onkologische Rehabilitation?

Onkologische Rehabilitationsziele sind somit in erster Linie die Aufgabe der Fokussierung auf die beim Patienten vorhandenen Symptome, Defizite und Funktionseinschränkungen. Diese unterteilen sich

  1. in allgemeine, die bei fast allen onkologischen Erkrankungen vorkommen, und
  2. in spezifische, die bei gewissen Tumorentitäten spezifisch und typischerweise auftreten können.

Worauf basiert die onkologische Rehabilitation?

Die onkologische Rehabilitation basiert auf vier Säulen.

Welche sind das?

Säulen der onkologischen Rehabilitation sind:

  • Physikalische Medizin und Rehabilitation, hier v.a. die Medizinische Trainingstherapie, Physiotherapie und Ergotherapie
  • Diätologie und Ernährungstherapie
  • Psychoonkologie
  • Information mit Schulungen der Patientinnen und Patienten, die die langfristige Nachhaltigkeit der oben genannten Maßnahmen sichern soll.

In Österreich ist seit einigen Jahren das Angebot der stationären onkologischen Rehabilitation etabliert.

Was versteht man unter stationärer onkologischer Rehabilitation?

Das stationäre Angebot für in Frage kommende Patienten umfasst stationäre onkologische Rehabilitationszentren bzw. Betten u.a. in Bad Sauerbrunn, Bad Tatzmannsdorf, Treibach/Althofen, St. Veit im Pongau, Bad Erlach, Judendorf-Straßengel, Bad Schallerbach, Münster, Wolfsberg, Walchsee etc., wobei zwischen Zentren für (allgemeine) onkologische Rehabilitation von jenen mit mehr organspezifischer Ausrichtung und jenen mit symptomspezifischem Angebot (Lymphödem) unterscheiden.
Die stationäre onkologische Rehabilitation in Österreich zeigt eine sehr zufriedenstellende Entwicklung, wie auch der Kongress der Gesellschaft zur Erforschung onkologischer rehabilitativer Grundlagen (kurz GEORG) „OnkoReha interdisziplinär & multiprofessionell 2016“ im Jänner 2016 in Wien einmal mehr zeigen konnte.

Wer ist der typische Patient/die typische Patientin für eine OnkoReha?

Der typische Patient für eine stationäre onkologische Rehabilitation ist innerhalb 5 Jahren seit der Erstdiagnose und hat (zumindest vorerst) abgeschlossene onkologische Therapien sowie ein gutes Rehabilitationspotential, eine gute Rehabilitationsfähigkeit und eine gute Rehabilitationsprognose.

Wie ist die Situation der onkologischen Rehabilitation in Österreich?

In Österreich leben bei 35.000-40.000 Krebsneuerkrankungen pro Jahr rund 300.000 Patienten mit onkologischen Erkrankungen. Jene Patienten mit Rehabilitationsbedarf und gutem Rehabilitationspotential kommen für eine onkologische Rehabilitation in Frage.
An der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Medizinischen Universität Wien besteht seit gut 16 Jahren eine Spezialambulanz für onkologische Rehabilitation, und seit über 5 Jahren gibt es unter dem Schirm des Comprehensive Cancer Centers (CCC) das in dieser Art weltweit einzigartige Tumorboard für „Onkologische Rehabilitation“.


Vielen Dank, Herr Prof. Crevenna, für dieses interessante Interview.

Korrespondenzadresse:

Univ. Prof. Dr. Richard Crevenna, MBA, MSc
Interim. Leiter der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation
Medizinische Universität Wien
Währinger Gürtel 18-20
A-1090 Vienna, Austria
Tel: +43 1 40400 43300
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