Interview mit Herrn Univ.-Prof. Dr. Christian Singer, MPH

Herr Prof. Singer, Sie sind Leiter der Senologie der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, MedUni Wien sowie Leiter des genetischen Labors für erblichen Brust- und Eierstockkrebs.

Die Senologie ist die Lehre von der weiblichen Brust. Der Begriff geht zurück auf den Begründer der Senologie, Charles Marie Gros aus Straßburg, der 1972 mit der Senologic International Society die erste Vereinigung zur medizinischen Erforschung der weiblichen Brust schuf.

Wie häufig kommt familiär bedingter Brustkrebs vor?

Etwa 15-20% aller Brustkrebserkrankungen treten familiär gehäuft auf. In etwa der Hälfte dieser Fälle sind Mutationen (Veränderungen im Erbgut) in BRCA 1 oder 2 (Brustkrebs-Gene) ursächlich für die Erkrankung verantwortlich. Liegt in einem der beiden Gene eine Mutation vor, so ist das Risiko im Laufe des Lebens an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken stark erhöht.

Grundsätzlich sind die Gene BRCA1 und BRCA2 „gesunde“ und wichtige Gene. Sie sind sogenannte „Reperaturgene“. Erst eine Mutation macht sie zur Gefahr.

Wann spricht man von monogenen, wann von polygenen Erkrankungen?

Monogene Erkrankungen betreffen ausschließlich BRCA1 und BRCA2 Mutationen.

Polygene Erkrankungen sind multifaktoriell und haben zusätzliche Mutationen in anderen Genen.

Für Hochrisikopatientinnen werden in Österreich folgende Früherkennungsuntersuchungen empfohlen:

 

Welche Voraussetzungen sind notwendig für eine Blutabnahme und Analyse?

Eine genetische Beratung ist Voraussetzung. Derzeit gibt es über 80 Beratungszentren in ganz Österreich:

http://www.brustgenberatung.at/beratungsstellen/beratungsstellen/

Wann wird eine molekulargenetische Untersuchung durchgeführt?

Erkrankungsfälle müssen, unabhängig vom Verwandtschaftsgrad, innerhalb einer Linie (väterlicherseits oder mütterlicherseits) aufgetreten sein. Eine molekulargenetische Untersuchung sollte nach Möglichkeit zunächst bei bereits erkrankten Personen durchgeführt werden.

Wichtig ist noch zu erwähnen: Erblich bedingter Brustkrebs ist keine Frauensache. Er ist auch Männersache! Männer können sowohl selbst erkranken, als auch Überträger der Krankheit sein.

Vielen Dank Herr Prof. Singer für dieses aufschlussreiche Interview