Rund 70% der Brustkrebserkrankungen sind hormonabhängig. Sie benötigen das weibliche Sexualhormon Östrogen als Wachstumsfaktor.

Deshalb erhalten diese PatientInnen eine Anti-Hormontherapie. Diese stoppt die Östrogenproduktion.

Allerdings kann als Nebenwirkung Knochenschwund (Osteoporose) auftreten. Univ. Prof. Dr. Josef Penninger hat in den 90er-Jahren in Mäusen jenes Protein (Eiweiß) entdeckt, das für den Knochenabbau verantwortlich ist. Es erhöht die Aktivität von Knochenfresszellen. Penninger entwickelte daraufhin den Antikörper Denosumab, der dieses Protein blockiert. Bereits im Frühjahr 2015 konnten die Forscher den ersten Durchbruch vermelden:

Mit jährlich nur zwei Injektionen dieses Biotech-Osteoporosemedikaments kann die Zahl der Knochenbrüche, die durch die Anti-Hormontherapie verursacht werden, halbiert werden.

Zusatznutzen

Dieser Antikörper wirkt auch auf die Mikroumgebung von unter Umständen vorhandenen aber „schlafenden“ Tumorzellen.

Er reduziert auch die Wachstumsfaktoren im Knochenmark. Daher fällt es Tumorzellen schwerer, „aufzuwachen“, so Univ. Prof. Dr. Michael Gnant. Sie bleiben ruhiggestelltund damit ohne gesundheitliche Folgen für die Betroffenen.

Die Forschungsergebnisse aus Österreich werden die Therapie nach Brustkrebs verändern. Jede Frau nach dem Wechsel, die eine Anti-Hormon-Therapie erhält, sollte zusätzlich auch Denosumab angeboten bekommen, so Gnant.

Zur weiteren Information

Das in den 90-er Jahren entdeckte Protein mit dem Namen RANKL ist wesentlich an der Regulation des Knochenumbausbeteiligt.

RANKL wird u. a. von Osteoblasten (Zellen, die Knochensubstanz aufbauen) sezerniert (abgesondert)und bindet an den „passenden“ Rezeptor RANK,was deren Differenzierung zu Osteoklasten(Zellen, die Knochensubstanz wieder abbauen) veranlasst.

Das RANK/RANKL-System ist ein biochemischer Regelkreislauf, der bewirkt, dass der Knochenabbau mit dem Knochenaufbau in einem gesunden Gleichgewicht bleibt, was eine Voraussetzung für die dynamische Architektur des Knochensystems ist. Dieses System kann bei verschiedenen Krankheiten gestört werden und ist daher für die Medizin von praktischem Interesse.

Hormonelle Auswirkungen

Bei rund 15 Prozent der PatientInnen mit dem sogenannten hormonabhängigen Brustkrebs kommt es zur Osteoporose. Sie ist eine Folge der Anti-Hormon-Therapie.

Knochenstärkende Medikamente können diese Nebenwirkungen abfangen

  • Als natürlicher Suppressor von RANKL werden Östrogene 
  • RANKL kann durch Tumorzellen ungeregelt sezerniert werden, was einen tumorbedingt vermehrten Knochenabbau bewirkt.
  • Synthetische Progesterone sind in vielen Fällen für die Entstehung von Brustkrebs verantwortlich. Forschungsarbeiten von 2010 haben gezeigt, dass RANKL in dieser Kette einen entscheidenden Faktor darstellt. Studien an Mäusen haben gezeigt, dass die Deaktivierung des RANKL-Gens zu einem beträchtlichen Rückgang von Brustkrebs führt.

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(Auszüge aus dem Kurier v. 10.12.2015)