Warum Familie und Freunde kein Risiko fürchten müssen

Krebs sei ansteckend – dieses alte Vorurteil hält sich hartnäckig. Gewandelt hat sich höchstens die Form, in der sich diese falsche Annahme weiter verbreitet. Dazu beigetragen hat die Diskussion um Viren als Krebsauslöser: Sie hat die Scheu vieler Menschen vor engem Kontakt mit Patienten wieder verstärkt. Dies zeigen Anfragen an den Krebsinformationsdienst. Für Patienten kann es sehr belastend sein, wenn Bekannte oder gar Familienangehörige auf Distanz gehen, aus Angst vor einer Infektion. Krebs selbst ist jedoch nicht übertragbar, bei einem Patienten kann man sich nicht anstecken. Tumorfördernde Viren spielen nur bei wenigen Krebsformen eine Rolle. Die meisten Menschen kommen mit diesen Krankheitserregern in Kontakt, ohne langfristig Schaden zu nehmen. Selbst bei Bluttransfusionen oder Organspenden ist das Risiko klein, dass Tumorzellen mit übertragen werden, und extrem gering ist die Gefahr, dass die Empfänger dadurch an Krebs erkranken.

Ist der Kontakt mit Krebspatienten für andere Menschen ein Risiko?

Krebs gehört nicht zu den Infektionskrankheiten. Tumorzellen verhalten sich nicht wie Krankheitserreger: Sie haben keine "Strategien" entwickelt, mit der sie sich wie Viren oder Bakterien gezielt in einem fremden Körper einnisten könnten, sie sind nicht infektiös.

Deshalb brauchen gesunde Menschen auch keine Angst vor dem Umgang mit Krebspatienten zu haben. Normalerweise werden Krebszellen vom Körper nicht ausgeschieden, und wenn, dann sind sie meist schon abgestorben oder bleiben an der Luft nicht lebensfähig.

Sollten wirklich einmal lebende Krebszellen eines Patienten auf die Haut, in den Mund oder den Blutkreislauf eines gesunden Menschen gelangen? Dann ist die Gefahr der Erkrankung trotzdem extrem gering: Das Immunsystem ist darauf spezialisiert, fremde Zellen zu erkennen und zu vernichten. Daher sind selbst intime und sexuelle Kontakte normalerweise kein Risiko.

Dies gilt auch für die vergleichsweise wenigen Tumorarten, an deren Entstehung Viren oder andere Krankheitserreger beteiligt sind. Gesichert ist zum Beispiel die Rolle von Viren bei Leberkrebs und Gebärmutterhalskrebs. Eine Rolle spielen Viren auch bei manchen Krebserkrankungen in Mund und Rachen sowie im Genitalbereich. Übertragbar ist jedoch allenfalls der Erreger, nicht die Krebserkrankung selbst. Man weiß heute auch: Falls der Kontakt mit den Erregern überhaupt zu einer Ansteckung führt, bleibt bei den meisten Menschen eine Infektion folgenlos. Erst wenn weitere Risikofaktoren einwirken, kann es zur Tumorbildung kommen. Dieser Prozess dauert zudem meist Jahre oder Jahrzehnte.

Bei den in Deutschland häufigsten Krebserkrankungen, also Lungenkrebs, Prostatakrebs, Brustkrebs und Darmkrebs, spielen Krankheitserreger nach bisherigem Kenntnisstand zudem gar keine Rolle.

Kann ich mir über Handtücher oder die Toilette etwas holen?

Der Körper eines Patienten scheidet normalerweise keine lebenden Krebszellen aus. Mit Krebs kann man sich also beispielsweise nicht an der Wäsche, an Decken oder Handtüchern eines Patienten anstecken, und auch nicht beim Reinigen einer Toilette, die ein Patient benutzt hat.

Das gilt auch dann, falls man gerade eine Verletzung oder Hautreizung hat, und die Schutzfunktion der Haut beeinträchtigt ist. Selbst wenn die Zellen des Patienten in den Körper gelangen würden: Das Immunsystem gesunder Menschen erkennt sie als fremd und tötet sie ab.

Kann ich mich an einer offenen Krebswunde anstecken?

Der Kontakt mit Körperflüssigkeiten und offenen Wunden bei der Pflege von Krebspatienten ist nach übereinstimmender Aussage von Experten nicht gefährlich. Krebszellen können außerhalb des Körpers normalerweise nicht überleben. Beim Wechseln eines Verbandes oder beim versehentlichen Berühren sind pflegende Angehörige oder Fachkräfte daher in der Regel nicht gefährdet.

In Körperflüssigkeiten treten Tumorzellen normalerweise ebenfalls nicht über. Ausnahme sind einige Krebsformen, bei denen tatsächlich das Ausscheidungsorgan selbst betroffen ist. Ein Beispiel: Eine Brustkrebserkrankung wird nicht dazu führen, dass lebende Krebszellen etwa im Urin oder im Speichel zu finden sind. Blasenkrebszellen lassen sich aber tatsächlich auch im Harn nachweisen. Dass sich ein Gesunder bei der Versorgung eines Krebskranken über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten mit Krebs angesteckt hätte, ist in der wissenschaftlichen Literatur aber nicht belegt.

Um überhaupt zum Risiko für andere Menschen zu werden, müssten diese Tumorzellen erst unbeschadet in deren Körper gelangen: zum Beispiel über eine Verletzung. Als weitere Voraussetzung müsste das Immunsystem dieser Menschen versagen und die Tumorzellen nicht als "fremd" erkennen. Hygiene bei der Versorgung Krebskranker bleibt trotzdem wichtig.

Sind Bluttransfusionen ein Risiko?

Die Wächterfunktion des Immunsystems reicht selbst dann aus, wenn bei einer Bluttransfusion Blut von einem an Krebs erkrankten Menschen auf einen Gesunden übertragen würde. Nach Einschätzung von Experten gab es bis heute aber keinen eindeutig nachgewiesenen Fall von Krebsübertragung durch eine Blutspende. Die Blutspendedienste in Deutschland wie in vielen anderen Ländern lassen normalerweise ehemalige Tumorpatienten gar nicht erst als Spender zu, aus grundsätzlichen Überlegungen heraus. Eine Richtlinie der Bundesärztekammer regelt weitere Einzelheiten. Was passiert, wenn ein Blutspender noch nichts von seiner Erkrankung weiß? Aufschluss gibt eine Studie: Nachverfolgt wurde über 20 Jahre das Schicksal von Empfängern, die Blut von noch nicht diagnostizierten Krebspatienten erhalten hatten. Das Krebsrisiko auch dieser Menschen war nicht höher als normalerweise.

Kann mich mein Haustier mit Krebs anstecken?

Auch Tiere können Krebs bekommen. Im Allgemeinen sieht man es Haustieren meist erst recht spät an, wenn sie erkrankt sind - oft ist die Erkrankung dann schon weit entwickelt. Manche Tierhalter sind dann verunsichert: Was, wenn das Tier beißt oder kratzt? Können Krebszellen von Tieren auch Menschen schaden?
Tatsächlich gibt es bei Hunden eine ansteckende Form von Krebs. Es handelt sich um das in Europa selten vorkommende sogenannte Sticker-Sarkom, ein Tumor, der vom Binde- oder Stützgewebe wie Knochen, Muskeln oder Sehnen ausgeht. Bisher existiert aber keine Beschreibung in der Literatur, die von einer Krebsübertragung zwischen Tier und Mensch berichtet.
Selbst wenn ein erkranktes Haustier in engem Kontakt mit Menschen zusammenlebt, geht davon keine Gefahr aus. Auch hier gilt: Tumorzellen können nicht wie Viren oder andere Krankheitserreger "überspringen". Gelangen Krebszellen zum Beispiel über eine Bissverletzung in den menschlichen Blutkreislauf, so stufen Experten dies als unbedenklich ein. Das menschliche Immunsystem erkennt tierische Zellen als fremd und tötet sie ab.

Wenn man an sich selbst Krebsangst beobachtet

Was tun, wenn man an sich selbst Scheu oder gar Abneigungen gegen Krebspatienten beobachtet? Die Angst vor Krebs wie auch vor anderen schweren Erkrankungen ist bis zu einem gewissen Grad normal – das Leid anderer ist immer ein Hinweis darauf, dass auch das eigene Leben von Krankheit und Tod bedroht ist.
Nimmt die Angst vor Kontakt jedoch überhand, belastet sie die Beziehung in der Familie oder die Freundschaft, sollte man sich Unterstützung suchen. Ansprechpartner kann der Hausarzt sein. Viele Beratungsangebote für Krebspatienten sind zumindest auch für Familienangehörige zugänglich.
(Auszüge aus: www.krebsinformationsdienst.de)