Krisen gehören zum Leben. Sie kommen immer ungelegen und fordern uns heraus. Es gibt kleine, die keine große Sache werden, solche, die wir eine Zeit lang verdrängen können aber auch massive, die zeigen, dass wir sofort etwas ändern müssen.

Typisch ist, dass in solchen Phasen unsere herkömmliche Fähigkeiten, Probleme zu lösen und zielgerecht zu handeln, nicht mehr ausreichen.

Manche Betroffene fühlen sich „wie ein Schiff ohne Kompass auf offener See“ schreibt Irene Penz, Psychotherapeutin, Notfallberaterin und eine der Autorinnen des Ratgeber-Buches „Krisen meistern“.

Ist die schwere Phase gut überstanden, hat der Betroffene aber auch die Möglichkeit, sein Leben neu zu überdenken.

So wird jede Krise zur Chance für eine Neuausrichtung.

„Es ist, als wäre ein Haus teilweise eingestürzt und wir müssten uns anschauen, wie groß der Schaden genau ist, um dann mit den Renovierungsarbeiten  zu beginnen. Manchmal braucht es nur kleine Ausbesserungen, manchmal muss das Fundament völlig neu gelegt werden“, erklären die Autorinnen bildlich.

Die Experten geben auch ein paar Anregungen, um den Prozess der Neuorientierung zu unterstützen:

Halten Sie bewusst inne und betrachten Sie ihr bisheriges Leben……

  • ·     Was lief gut?
  • ·     Welche Werte sind und waren Ihnen wichtig?
  • ·     Was möchten Sie beibehalten, was soll anders werden?
  • ·     Was gibt Ihnen Trost und Halt?

Überdenken Sie neue Sichtweisen!

Bei einer plötzlich eintretenden Krise herrscht im Stammhirn (dem ältesten Teil des Denkorgans) Alarmzustand.

Stresshormone werden ausgeschüttet. Der Körper reagiert mit beschleunigtem Herzschlag, der Blutdruck steigt.

Wir brauchen mehr Sauerstoff, die Bronchien weiten sich, wir atmen schneller. Die Körpertemperatur erhöht sich, kalter Schweiß steht auf der Haut. Typischerweise können zudem Herzrasen, Einschlafstörungen, Magen-und Darmprobeme, Migräne, Schwindeln, Zittern etc. auftreten.

Die Therapeuten geben im Folgenden Soforthilfe für solche Akutfälle:

Achten Sie auf Ihre Grundbedürnisse

Bewusst essen und trinken – auch wenn Hunger oder Durst fehlen (der Körper benötigt Energie!)

Versuchen Sie zu schlafen, denn im Schlaf verarbeitet der Körper Erlebtes und sammelt Kraft

Am Abend gezielt Entspannungsübungen durchführen

Bewegung machen, frische Luft im Freien schnappen (die Natur lehrt u.a. den Wandel und das Vertrauen, dass nach dem Winter wieder der Frühling kommt)

Bleiben Sie in Kontakt – nur nicht (zu lange) zurückziehen

Schaffen Sie das für Sie Nötigste (z.B. in die Arbeit gehen) und seien Sie sich bewusst, welch große Leistung das in dieser Phase ist.

Halten Sie an Alltagsstrukturen fest – sie schaffen Orientierung

Holen Sie Hilfe von Außen (Familie, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, Interessensvertretungen, PsychologInnen und PsychoonkologInnen).

(„Krisen meistern“ von Sabine Edinger, Irene Penz, Friederike Ritter-Böhm)

Auszüge aus Krone Gesund vom 15.10.2016