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Antikörpertherapien – erste Bilanz
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| Antikörpertherapien greifen zielgerichtet an. Sie haben nur ein Ziel „im Visier“: den Tumor. |
Seit einigen Jahren kommen in der Behandlung von Krebs zielgerichtete Therapien zum Einsatz, in die – vor allem bei Brustkrebs – große Hoffnungen gesetzt werden. Doch wann kommt diese Therapieform zum Einsatz, was sind ihre tatsächlichen Vorteile, rechtfertigt der Nutzen die hohen Kosten und worauf sollte die Patientin bezüglich des Behandlungsumfeldes achten? Der Versuch einer Bestandsaufnahme.
von Barbara Urban
Um die Unterschiede zwischen Chemo- und Antikörpertherapie zu verstehen, muss man sich die Wirkweise der beiden Therapien vergegenwärtigen.
Wie wirken Chemotherapien?
Die unter dem Begriff Chemotherapie subsumierten Medikamente sind sogenannte Zytostatika. Es handelt sich dabei um Substanzen, die das Zellwachstum bzw. die Zellteilung hemmen. Hierbei macht man sich die Teilungsfreudigkeit von Tumorzellen zu Nutze und den Umstand, dass Tumorzellen empfindlicher als gesunde Zellen auf Störungen der Zellteilung reagieren.
Allerdings wirken diese Medikamente nicht nur auf Tumorzellen, sondern auch auf gesunde Zellen und hemmen so das Zellwachstum bzw. die Zellteilung aller sich stark teilenden bzw. vermehrenden Zellen im Körper wie z.B. auf die Zellen der Haarfollikel und der Magen- und Darmschleimhaut. Dadurch kommt es zu den bekannten Nebenwirkungen der Chemotherapien: Haarausfall, Durchfälle und Übelkeit.
Wie wirken Antikörpertherapien?
Antikörpertherapien greifen zielgerichtet an. Sie haben nur ein Ziel „im Visier“: den Tumor. Gesunde Zellen werden verschont. Genauer gesagt greifen Antikörpertherapien nur spezielle Merkmale – nämlich genau definierte Eiweißstrukturen – an der Oberfläche von Tumorzellen an. Dadurch wird der Wachstumsfaktor in seiner Wirkung an der Tumorzelle gehemmt. Diese gezielte Wachstumshemmung des Tumors kann – vereinfacht dargestellt – über drei unterschiedliche Mechanismen erfolgen: Das Andocken des Wachstumsfaktors am Rezeptor auf der Zelloberfläche kann verhindert, die Weiterleitung des Wachstumsimpulses im Inneren der Zelle kann unterbunden oder im Blut zirkulierende Wachstumsfaktoren können eliminiert werden.
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| Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant |
Welche Antikörpertherapien kommen heute bei Brustkrebs zum Einsatz?
In der Brustkrebstherapie kommen heute zwei Antikörpertherapien zum Einsatz: Trastuzumab und Bevacicumab. Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant, Präsident der ABCSG (Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group) und stellvertretender Vorstand der Universitätsklinik für Chirurgie Wien: „Die etablierteste Therapie ist jene mit Trastuzumab. Trastuzumab ist ein monoklonaler Antikörper, der sich gegen einen Wachstumsfaktor auf der Zelloberfläche von Krebszellen richtet, der als HER2/neu bezeichnet wird.“ Normaler Weise besitzen Zellen nur eine relativ geringe Menge an HER2-Rezeptoren. Sind auf Tumorzellen zu viele solcher HER2-Rezeptoren vorhanden, teilen sich die Zellen häufig und der Tumor wächst schnell und unkontrolliert.
Prof. Gnant: „Trastuzumab kommt bei jenen Patientinnen zum Einsatz, deren Tumorzellen HER2/neu auf ihrer Zelloberfläche überexprimieren, also vermehrt ausbilden. Dies ist bei etwa 15-20 Prozent aller Brustkrebspatientinnen der Fall. Vor der Einleitung einer Therapie mit Trastuzumab muss mittels Immunhistochemie und/oder eine FISH-Testung festgestellt werden, ob tatsächlich HER2-positiver Brustkrebs vorliegt.“ Für die Patientin bedeutet dies die Entnahme einer Gewebeprobe, die dann im Labor analysiert wird. War die Prognose für HER2-positive Brustkrebspatientinnen vor der Verfügbarkeit dieser Therapieform eine schlechte, haben sie durch eine Therapie mit Trastuzumab nun die gleiche oder teilweise sogar eine bessere Prognose als Frauen mit weniger aggressiven Brustkrebsformen. Daher sollte bei jeder Brustkrebspatientin der HER2-Status erhoben werden. Prof. Gnant: „Trastuzumab ist bei HER2-positivem Brustkrebs für die adjuvante Therapie – also zusätzlich zu Operation und Chemo- bzw. Strahlentherapie – sowie bei metastasiertem Brustkrebs zugelassen.
Den Tumor „aushungern“
Bevacicumab ist ein sogenannter Angiogenesehemmer. Jeder Tumor muss, sobald er ungefähr Stecknadelkopfgröße erreicht, neue Blutgefäße ausbilden (=Angiogenese), um weiter leben und wachsen zu können. Genau dies wird, vereinfacht beschrieben, unterbunden. Prof. Gnant: „Der Wachstumsfaktor VEGF - vascular endothelial growth factor – spielt für die Blutgefäßversorgung des Tumors eine Schlüsselrolle. Der Antikörper Bevacizumab richtet sich nun gegen genau diesen Wachstumsfaktor und blockiert die Blutgefäßversorgung des Tumors. Der Tumor wird nicht mit neuen Blutgefäßen versorgt und bereits entwickelte Gefäße bilden sich zurück – Tumorwachstum und Metastasierung werden dadurch gehemmt. Bei Brustkrebs kommt Bevacizumab derzeit bei metastasiertem Brustkrebs zur Anwendung. Der Einsatz in früheren Stadien wird derzeit noch in Studien getestet z.B. in den ABCSG-Studien Nummer 27 und 30.“
Verursachen Antikörpertherapien Nebenwirkungen?
Da Antikörpertherapien zielgerichtet nur auf den Tumor wirken, weisen sie nur geringe Nebenwirkungen auf. Chemotherapie-typische Nebenwirkungen (z.B. Schädigungen des blutbildenden Systems im Knochenmark, Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, Durchfall) sind bei Antikörpertherapien nicht zu erwarten. Unter Trastuzumab-Therapie wurde allerdings in einigen Fällen (weniger als 4%) eine reversible Schädigung des Herzmuskels beobachtet. Gnant: „Daher müssen diese Patientinnen herzgesund sein. Vor Behandlungsstart muss eine Messung der Herz-Pumpleistung erfolgen, während der Behandlung müssen Herzfunktion und Blutdruck genau überwacht werden.“ Die Behandlung von Patientinnen mit einer Herzinsuffizienz muss sorgfältig abgewogen werden.
Auch Bevacicumab zeichnet sich im Großen und Ganzen durch gute Verträglichkeit aus. Allerdings muss auch hier der Blutdruck regelmäßig überprüft werden.
Wurden die Erwartungen erfüllt?
Antikörpertherapien sind sehr teuer. Rechtfertigt der Nutzen tatsächlich die hohen Kosten? Prof. Gnant sieht dies pragmatisch: „Teuer ist relativ. Wenn ein Wiederauftreten der Erkrankung dadurch verhindert werden kann, dann sind auch hohe Kosten durchaus zu rechtfertigen.“
Antikörpertherapien werden entweder in Kombination mit einer Chemotherapie verabreicht oder, im Anschluss an eine Chemotherapie, als Monotherapie. Ersetzen können sie eine Chemotherapie allerdings noch nicht. Können die hoch gesetzten Erwartungen in die modernen Antikörpertherapien dennoch als erfüllt gelten? Prof. Gnant: „Wir haben jetzt doch schon einige Jahre Erfahrung damit und aus heutiger Sicht können die in die Antikörpertherapie gesetzten Erwartungen als erfüllt betrachtet werden.“
Das „richtige“ Umfeld
Die zielgerichteten Therapien stellen also einen großen Erfolg in der Behandlung von Brustkrebs dar – vor allem, weil sie nur geringe Nebenwirkungen haben und problemlos ambulant verabreicht werden können. Antikörpertherapien werden in Form einer Infusion ambulant im Krankenhaus verabreicht. Wäre es denkbar, diese ambulante Gabe in Zukunft auch in den niedergelassenen Bereich zu verlegen oder gewährleistet nur das Krankenhaus das beste Umfeld für die Patientinnen? Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant: „Dass die Betreuung unbedingt im Krankenhaus erfolgen muss, möchte ich nicht sagen. Um eine fachgerechte Betreuung durch chirurgische oder internistische Krebsärzte und -ärztinnen zu gewährleisten, müssten allerdings im niedergelassenen Bereich erst entsprechende Strukturen aufgebaut werden.“ Bis dahin sind die Patientinnen sicher am besten in Schwerpunkt-Zentren aufgehoben. Denn die Behandlung in einem Zentrum gewährleistet besonders bei Patientinnen mit schlechtem Allgemeinzustand eine möglichst engmaschige Kontrolle durch den/die OnkologIn.
Weitere Informationen zum Thema Antikörpertherapie bei Europa Donna:
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