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Brustkrebs & Wechsel: Lebensqualität zählt!
Die Hormonersatztherapie zur Linderung von Wechselbeschwerden ist stark unter Beschuss geraten, vor allem, was den Einsatz bei Brustkrebs betrifft.
Müssen Betroffene nun ganz darauf verzichten, oder können Hormone im Fall des Falles doch vertretbar sein? Und: Gibt es andere Mittel und Wege, die Wechselbeschwerden in den Griff zu bekommen? DONNA sprach darüber mit einer führenden Brustkrebsexpertin, Univ.-Prof. Dr. Teresa Wagner, Abteilung für Spezielle Gynäkologie an der Wiener Universitätsklinik für Frauenheilkunde.
Donna: Wechselbeschwerden sind ja ein großes Thema bei Brustkrebs…
Wagner: Hier kommen auch mehrere Faktoren zusammen. Schon die onkologische Therapie führt häufig den Wechsel herbei und das meist verbunden mit mehr Beschwerden als sonst. Die zusätzliche Behandlung mit Chemotherapeutika oder antihormonellen Wirkstoffen kann dann Symptome wie Hitzegefühl, Wallungen, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen noch verstärken.
Nun ist aber die klassische Hormonersatztherapie, die ja die Wechselbeschwerden lindern soll, bei Brustkrebs darüber hinaus mit großen Vorbehalten zu betrachten, da sie die Krebszellen zum Wachsen anregt. Das heißt nun aber nicht, dass man den Wechselbeschwerden hilflos ausgeliefert ist. Man kann sehr wohl etwas dagegen tun. Im Vordergrund steht dabei immer die Lebensqualität, und daher kommt unter Umständen auch eine Hormonersatztherapie in Frage.
Donna: Was bietet sich hier als Hormonersatz im wahrsten Sinn des Wortes an?
Wagner: In erster Linie das Antidepressivum Effektin® – das sollte man unbedingt probieren. Bei vielen Patientinnen kommt es nämlich zu einer hochinteressanten „Nebenwirkung“: einer deutlichen Linderung der Wechselbeschwerden. Dieser Effekt tritt bei etwa der Hälfte der Frauen auf.
Donna: … und was empfehlen Sie der anderen Hälfte?
Wagner: Zeigt Effektin® nicht die gewünschte Wirkung, ist eine Behandlung mit Tibolon (Liviel®) anzuraten. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass dieses im Gegensatz zu anderen Hormonpräparaten das Krebsrisiko nicht erhöht. Eine große klinische Studie dazu läuft zwar noch, das Präparat kann aber durchaus schon empfohlen werden.
Kann die Lebensqualität auch damit nicht ausreichend verbessert werden, ist Kreativität gefragt. Einzelne Symptome wie Scheidentrockenheit kann man mit lokalen Behandlungen lindern. Cikatridina®-Zäpfchen enthalten den Wirkstoff Hyaluronsäure und helfen hervorragend.
Donna: Wie sieht es mit pflanzlichen Hormonpräparaten aus?
Wagner: Ob die Hormone pflanzlich oder künstlich sind oder von Pferden stammen – für den Körper macht das keinen Unterschied. Von Phytoöstrogenen ist bei Brustkrebs also abzuraten. Es gibt aber eine neue und effiziente Alternative: die Traubensilberkerze Cimicifuga racemosa, deren Wirkung offenbar außerhalb der Östrogen-Rezeptoren liegt. Mit Remifemin® steht ein wissenschaftlich getestetes und standardisiertes Präparat zur Verfügung.
Donna: Muss man nach Brustkrebs auch bei Nahrungsmitteln auf Phytoöstrogene achten?
Wagner: Nein, bei einer ausgewogenen Ernährung kann da kaum etwas passieren. Mit Phytoöstrogenen in konzentrierter Form wie in Soyagranulaten zum Beispiel sollte man jedoch vorsichtig sein.
Donna: Sind tatsächlich immer mehr junge Frauen von Brustkrebs betroffen, wie öfters vermutet wird?
Wagner: Die Zahl der Betroffenen nimmt insgesamt zu und damit gibt es auch mehr junge Patientinnen. Am Verhältnis von älteren zu jüngeren hat sich jedoch nichts geändert. Ein Großteil der Patientinnen ist um die 50 Jahre alt – das ist mit ein Grund, warum so viele Frauen vom Problem „Wechselbeschwerden nach Brustkrebs“ betroffen sind.
Donna: Vielen Dank für das Gespräch!
Zur Person
Die Gynäkologin Dr. Teresa Wagner arbeitet an der Abt. für Spezielle Gynäkologie an der Uniklinik für Frauenheilkunde am AKH Wien. Sie leitet das Labor der Abteilung (gem. mit Univ.-Prof. Dr. Kubista) mit dem Schwerpunkt DNA-Analytik von gynäkologischen Malignomen. Einer ihrer wissenschaftlichen Schwerpunkte ist die Beratung und molekulargenetische Untersuchungen von Familien mit familiärer Veranlagung zu Brust- u. Eierstockkrebs. Zu diesem Thema leitet Prof. Wagner Seminare für ÄrztInnen zur Errichtung von lokalen Beratungsstellen.
Die Autorin
Dr. Karin Gruber, promovierte Biologin, wechselte nach einem längeren Japan-Aufenthalt in den Journalismus. Sie arbeitet heute als Gesundheits- und Wissenschaftsjournalistin für Fach- und Publikumsmagazine, ist Co-Autorin medizinischer Ratgeber und in der Öffentlichkeitsarbeit für mehrere wissenschaftliche Institutionen tätig.
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