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Brustkrebs: Hoffnung durch Brustrekonstruktion

 

Eine Frage, die Frauen mit Brustkrebs besonders beschäftigt, betrifft die Erhaltung der Brust. Onkologische Diagnose und Operationstechniken sind heute schon so weit fortgeschritten, dass in den meisten Fällen eine totale Entfernung der Brust vermieden werden kann, ohne dass gesundheitliche Risken eingegangen werden. „Bei der Brust erhaltenden Operation wird schon vorher mit dem Chirurgen geplant, wie die Brust in ihrer Form am besten erhalten werden kann“, betont Prim. Univ.-Doz. Dr. Rupert Koller, Abteilungsleiter im Wilhelminenspital, der als plastischer Chirurg Brust-Rekonstruktionen vornimmt. „Im Rahmen der Tumoroperation kann bei einer kleinen Brust durch das Verschieben von Eigengewebe der entstandene Defekt ausgeglichen werden. Bei einer großen Brust kann durch die Entfernung des Tumors die Brust zugleich verkleinert werden, wobei die Brustwarze ebenfalls versetzt wird“, erklärt der plastische Chirurg. Damit wird sogar ein doppelter Erfolg erzielt: Der Tumor ist entfernt, die zu große Brust ästhetisch verkleinert.

 

Wenn trotz dieser Korrektur das Ergebnis nicht befriedigend ist, kann auch zu einem späteren Zeitpunkt eine Verbesserung erzielt werden. „Mit Eigengewebe, das meist dem Rücken entnommen wird, weil es gut durchblutet ist, können auch größere Defekte - bis handflächengross - behoben werden“, so Doz. Koller. Als Nachbehandlung werden Narbensalben empfohlen. Silikon eignet sich für diese spätere Korrektur nicht, da die Brust meistens bestrahlt wurde. Bei ungleichen Brüsten wird die gesunde Brust ebenfalls korrigiert.

 

Totaler Brustersatz

Auch wenn die Brust total entfernt werden muss, gibt es gute Möglichkeiten der Rekonstruktion. „Schon während der Amputation kann die ganze Brust rekonstruiert werden. Es kann dafür Eigengewebe aus Rücken, Bauch oder Gesäß verwendet werden, oder eine Prothese aus Silikon. Der Ersatz aus Eigengewebe ist körperverträglicher und haltbarer. Die Operation dauert allerdings 2 bis 3 Stunden, manchmal auch länger - es muss unter dem Mikroskop gearbeitet werden, da eine präzise Gefäßchirurgie durchgeführt werden muss, um die Blutversorgung zu gewährleisten“, beschreibt Doz. Koller den Vorgang.

 

Ersatz durch Silikon

Das Einsetzen einer Silikon-Prothese unter die Haut ist einfacher, erfordert allerdings mitunter den einen oder anderen Korrektureingriff und fühlt sich nicht so natürlich und angenehm an. Es wird eine flache Prothese eingesetzt, die langsam mit Kochsalz aufgefüllt wird. Die Haut dehnt sich mit, die Patientin kommt einmal pro Woche zum weiteren Auffüllen an die Klinik, bis die richtige Form erreicht ist. Der Totalersatz ist auch noch nach vielen Jahren möglich.

 

„Auf die Prognose eines möglichen Rückfalles der Krebserkrankung haben diese Eingriffe keinerlei Einfluss“, betont Koller, „wir gehen keinerlei Risiko ein, machen auch keine Kompromisse, die onkologische Sicherheit für die Patientin hat absolute Priorität.“

 

Grossen Wert legt Koller auf eine eingehende Beratung der Patientin. Dabei gehe es nicht nur um gesundheitliche Fragen, um die Wahl der Technik, sondern auch um sehr menschliche Probleme. Patientin, GynäkologIn, OnkologIn, ChirurgIn und plastische/r ChirurgIn müssen ein Team bilden, um den besten Erfolg zu erzielen.

 

Keine Altersgrenze für Lebenslust

Um Betroffenen Mut zu machen, erzählt Prim. Koller zum Abschluss unseres Gesprächs noch von einer Patientin: Nach einer totalen Brustentfernung entschloss sich diese 78 jährige Frau, die sich in gutem Gesundheitszustand befand und voller Lebensfreude war, zu einer Brustrekonstruktion aus Eigengewebe - damit sie wieder „oben ohne“ die Sonne genießen kann!

Kontaktadresse: Österreichische Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie; www.plastischechirurgie.org

 

Die Autorin: Dr. Gerta Niebauer, promoviert in den Fächern Germanistik, Anglistik und Publizistik in Wien. nach ihrer Tätigkeit bei den Vereinten Nationen in Wien und New York als Press Officer arbeitet sie nun mehr als freie Wissenschafts- und Gesundheitsjournalistin bei "die Presse", Ärztezeitung, Medizin Populär und Jatros - Dermatologie.

 

Für ihre Tätigkeiten wurde sie unter anderem mit dem Dr. Kardinal Innitzer Preis ausgezeichnet.

 

 
   
 

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