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„Sollte es sein müssen, dann nur in einem Brustzentrum!“

 

von Univ.-Prof. Dr. Christian Marth

 

Brustkrebs betrifft leider viele Frauen, etwa jede Zehnte erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Brustzentren bieten die optimale Voraussetzungen für Diagnose und Therapie.

 

Diagnose: Brustkrebs

Früherkennung und optimale Behandlung sind die Instrumente für eine hohe Heilungsrate. Die besten Voraussetzungen dafür bieten Brustzentren.

In den betrüblichen Fällen, wo eine Heilung nicht mehr möglich oder nicht mehr wahrscheinlich ist, kann eine fachgerechte Behandlung eine lebenswerte Verlängerung des Lebens gewährleisten.

Die Entdeckung des Brustkrebses in einem möglichst frühen Stadium und eine Behandlung, welche die Patientin nicht verstümmelt, aber trotzdem einen maximalen Effekt hat - diese beiden Punkte erfordern großes Wissen und Können aller beteiligter ÄrztInnen, eine funktionierende Organisation und die notwendige technische Ausrüstung. Dies ist durch Studium und Fortbildung, Festlegung von Qualitätsstandards in Behandlung und Pflege und Bereitstellung der nötigen Mittel zu erreichen. Um Fortschritte zu erzielen, bedarf es qualitativ hochwertiger, wissenschaftlicher Forschung.

Gesicherte Qualitätsstandards

 

Um ein möglichst hohes Qualitätsniveau zu erreichen, haben europäische Krebs- und Brust-Fachgesellschaften, sowie Selbsthilfegruppen und Initiativen wie Europa Donna ein Qualitätssicherungsprogramm für die Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms ausgearbeitet. Es wurde klar, dass ein hoher Qualitätsstandard nur in einem Brustzentrum zu erreichen ist, da nur dort folgende erforderlichen Voraussetzungen gegeben sein können:

  • eine gut ausgerüstete Radiologieeinheit, spezialisiert auf Brusterkrankungen, mit mindestens zwei erfahrenen RadiologInnen und ausreichender Kapazität für Mammographie-, Ultraschall-, Computertomographie- und Magnetresonanztomographie-Diagnostik
  • eine Brustambulanz mit genügend Kapazität, zwecks geringer Wartezeiten und genügend Zeit für jede Patientin; mindestens zwei SpezialistInnen für die operative Therapie des Brustkrebses stehen zur Verfügung
  • genügend für die Operation und Nachbehandlung des Brustkrebses speziell geschultes Pflegepersonal in den Operationssälen und auf den Stationen
  • ein/e auf Brustdiagnostik spezialisierte/r Pathologe/in und eine entsprechende Vertretung
  • eine technisch ausreichend gerüstete Strahlentherapieeinheit mit BrustkrebsspezialistInnen
  • Möglichkeiten und Erfahrung bezüglich Hormon- und Chemotherapie, enge Zusammenarbeit mit SpezialistInnen aus der Inneren Medizin
  • Möglichkeit des Brustaufbaues durch SpezialistInnen aus der plastischen Chirurgie
  • Zusammenarbeit mit der Nuklearmedizin zum Nachweis des Wächterlymphknotens
  • psychologische Betreuung durch PsychologInnen oder PsychiaterInnen
  • diverse Hilfseinrichtungen wie physikalische Therapie, Sozialhilfe, Selbsthilfegruppen, Sanitätshäuser und Hospize
  • Möglichkeiten zur wissenschaftlichen Forschung, z. B. Teilnahme an klinischen Studien
  • ein effizientes Dokumentationssystem

Erfahrung, Zusammenarbeit und durchdachte Strukturen

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit, ein hohes Maß an Erfahrung und Wissen aller Beteiligten, ein gutes Funktionieren der Organisation sowie Forschungseinrichtungen sind die Merkmale eines Brustzentrums.

Dies zu erreichen, erfordert eine große Zahl an Patientinnen, eine bestimmte Zahl an Untersuchungen bzw. Eingriffen eines/r jeden behandelnden Arztes/Ärztin, entsprechende Ausbildung und Fortbildung aller Beteiligten, Festlegung der technischen Erfordernisse, genügend Personal und räumliche Ausstattung sowie ausreichend finanzielle Mittel.

 

All dies ist nur dann erreichbar und lohnt den Aufwand, wenn eine große Zahl an Untersuchungen und Eingriffen durchgeführt wird, insgesamt und durch jeden behandelnden/e Arzt/Ärztin (z. B. 5.000 Mammographien und 150 neu entdeckte und behandelte Patientinnen pro Jahr und Zentrum).

 

Qualiätsmanagement

Zur Aufrechterhaltung und Verbesserung der Qualität der Behandlung und des Funktionierens der Organisation, insbesondere der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen daran beteiligten Fachdisziplinen, bedarf es eines soliden Qualitätsmanagementsystems. Die wichtigsten Instrumente hierzu sind:

  • eine genaue Dokumentation der Vorgangsweisen der ärztlichen und pflegerischen Behandlung sowie des Krankheits- und Behandlungsverlaufes
  • ein Fehlermanagement, d. h. die Möglichkeit und Verpflichtung, aus Fehlern zu lernen. Hierzu dient auch der periodische Qualitätszirkel, bei dem Schwächen der Organisation diskutiert und Verbesserungen gesucht werden.
  • eine wöchentliche, allen beteiligten medizinischen Fachrichtungen zugängliche umfassende Brustkonferenz, bei der die Vorgangsweisen für jede Patientin festgelegt werden
  • Ermittlung der Patientinnen-, MitarbeiterInnen- und Zuweiserzufriedenheit und Verbesserung derselben
  • Schulungs- und Fortbildungspläne
  • Messung der Qualität an verschiedenen Kenngrößen
  • die Verpflichtung aller Beteiligten zur ständigen Verbesserung des Systems

 

Die Überprüfung der medizinischen Standards und des Qualitätsmanagementsystems erfolgt 2x jährlich, in einem internen und externen Audit.

 

Betroffene Frauen profitieren in mehrfacher Hinsicht von einem Brustzentrum. Sie werden auf höchstem medizinischen Niveau von anerkannten Fachleuten betreut, sie finden eine gut organisierte Struktur vor, die lange Wartezeiten und Leerläufe verhindert, und sie haben die Gewissheit, dass die Qualität der Abläufe und Vorgangsweisen gelenkt und geprüft wird.

 

Univ.-Prof. Dr. Christian Marth ist seit 2001 Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck; er ist unter anderem Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Vorstands- und Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie im Rahmen der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (Präsident 2001-2003) sowie Mitglied der American Association for Cancer Research, der European Association for Cancer Research und der Society of Gynecologic Oncology sowie Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen (http://frauenheilkunde-innsbruck.uklibk.ac.at)

 
   
 

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