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Krankheit und Spiritualität
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| Univ.-Prof. Dr. Raimund Jakesz ist Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeinchirurgie an der Universitätsklinik Wien. Sein Schwerpunkt ist die Behandlung von Brustkrebs-Patientinnen. |
Unter dem Motto „Spiritual Healing“ stand die spirituelle Dimension von Krankheit im Mittelpunkt des „4. Internationalen Kongresses für Komplementärmedizin und Krebserkrankungen“ in Baden bei Wien (November 2007). Univ.-Prof. Dr. Raimund Jakesz von der Chirurgischen Universitätsklinik Wien war einer der Organisatoren.
Den Begriff „Spiritual Healing“ an sich meidet Prof. Jakesz lieber. Zu sehr zum Schlagwort geworden, das übersetzt außerdem „Geisterheilung“ bedeutet und damit etwas nahe legt, das nicht dem Wesen und der Intention der unter dieser Bezeichnung zusammengefassten Heilmethoden entspricht: Heilung durch eine Person mit besonderen Fähigkeiten, die in Betroffenen etwas Bestimmtes bewirken. „Das hat in der modernen Medizin bis auf ganz wenige Ausnahmen nichts verloren“, so Prof. Jakesz, denn es geht um etwas anderes. Es geht vielmehr um die spirituelle Dimension von Krankheit, um die Auswirkungen auf die Betroffenen und um die Begleitung der PatientInnen in der Verarbeitung all dessen. Anders gesagt: Es geht um Methoden, die Menschen dabei unterstützen können, die spirituelle Seite von Krankheit zu erfahren und in der Auseinandersetzung damit ihre geistige Entwicklung weiter zu führen. „Für mich hat Krankheit immer auch eine geistige, eine spirituelle Dimension“, betont Prof. Jakesz.
Den Weg, den müssen die Betroffenen selbst finden und selbst gehen. Das kann ihnen niemand abnehmen. Beistehen und begleiten, das können andere und tun es auch, gute TherapeutInnen besonders intensiv und konzentriert. Aber letztlich kann es jeder, der einem kranken Menschen in seiner Ganzheit als körperliches und geistiges Wesen begegnet – mit Liebe, die seine Identität respektiert, mit Mitgefühl, das seine Not erkennt, mit Achtsamkeit, die behutsam macht, mit Sorgfalt, die aus Respekt kommt, mit Aufmerksamkeit, die ungeteilt bleibt, und schließlich und vor allem mit Demut vor der Schöpfung Mensch – so das Resümee der jahrelangen Beschäftigung von Jakesz mit dieser Thematik.
„Krankheiten sind letztlich notwendige Erfahrungen in diesem Leben“, lautet seine Überzeugung. Die Frage ist nur, wie man die Krankheit erleben kann, sodass sie zur Erkenntnis beziehungsweise Selbsterkenntnis und schließlich zum inneren Wachstum beiträgt. Die Ursache von Krankheit ist nicht von der Lebensgeschichte der Betroffenen zu trennen, lautet die Überzeugung des Chirurgen und Leiters der Klinischen Abteilung für Allgemeinchirurgie an der Wiener Uniklinik. Damit muss man sich auseinandersetzen, mit den Mustern, die Emotionen und Handeln bestimmen. Warum tut man das, was man tut? Warum hat man diesen Beruf ergriffen? Diesen Partner/diese Partnerin gewählt? Warum verbringt man seine Tage so und nicht anders?
Die Arbeit an der spirituellen Dimension der Krankheit sieht Prof. Jakesz keineswegs im Widerspruch zur „Schulmedizin“. Würde man sich auf die Naturwissenschaften beschränken, wäre Medizin beziehungsweise Heilung nur teilweise möglich. Spirituelle Methoden sind die notwendige Ergänzung. „Das alte Erfahrungswissen spiritueller Methoden lässt sich in idealer Weise mit der modernen hochtechnologischen Medizin verbinden“, so Prof. Jakesz.
Ebenen der Heilung
Wiewohl davon auszugehen ist, dass Wechselwirkungen zwischen der körperlichen und geistigen Ebene des Menschen bestehen, so lassen sich diese mit den uns heute zur Verfügung stehenden Mitteln nur teilweise nachvollziehen. Dementsprechend ist es nicht einfach zu sagen, ob die spirituelle Arbeit nun die Heilungschancen auf die Krankheit an sich erhöht. „Das ist generell sehr schwierig zu überprüfen“, räumt Prof. Jakesz ein, „aber es ist eine Tatsache, dass sich die Betroffenen dank spiritueller Methoden mehr in ihrer Mitte fühlen, mehr Frieden und mehr Kraft finden.“ Zu den wenigen messbaren Auswirkungen gehört, dass sich in vielen Fällen die Immunlage bessert.
Denn Krankheit ist immer auch ein energetischer Prozess. Tatsächlich haben viele der spirituellen Methoden mit Energie zu tun, einige auch mit dem Unterbewusstsein. Die verschiedenen Methoden helfen, Energiedefizite zu erkennen und eröffnen dadurch die Möglichkeit, daran zu arbeiten und sie zu beseitigen. Man findet Hinweise, in welchen Lebensbereichen die Energiedefizite liegen, ob es im Bereich der Emotionen oder der Gedankenmuster liegt, wo Energie sinnlos verbraucht wird und fehlt.
Fülle von Methoden
Es gibt viele Methoden und spirituelle Techniken, wobei schnell der Eindruck entsteht, dass es ein Wetteifern gibt, wer denn nun der Wahrheit näher stünde. Das kann natürlich für einige Verwirrung sorgen. „Es gibt eine Fülle von Angeboten, die letztlich aber alle Teil des gemeinsamen Ganzen sind“, resümiert Prof. Jakesz. Die verschiedenen Techniken spiegeln also nicht nur das weite Land der Seele, sondern stehen quasi für die vielen verschiedenen Türen, durch die man dahin gelangen kann.
Die Auswahl der Technik ist damit ein sehr individueller Prozess, betont Prof. Jakesz. Ob man sich an einen Schamanen wendet, um das eigene Krafttier kennen zu lernen, ob man seinen Schutzengel zur Stärkung sucht oder ob man über Reiki oder Therapeutic Touch Energie von außen aufnehmen möchte – es hat alles eine gemeinsame Basis und ein gemeinsames Ziel. Es gibt im Grunde genommen keine „gute“ oder „schlechte“ Technik, es gibt nur eine für einen bestimmten Menschen zu einer bestimmten Zeit passende oder eben nicht passende.
Menschen wissen meist sehr wohl, was ihnen gut tut. Es ist einem im Allgemeinen ja auch klar, ob man lieber ein Fußballspiel sehen, in die Oper gehen oder eine Gemäldegalerie besuchen möchte. Außerdem ist es sehr empfehlenswert, verschiedene spirituelle Methoden auszuprobieren. Vielleicht spricht man während einer Phase der Krankheit besonders auf schamanische Methoden an und kann damit Erkenntnisse gewinnen. Vielleicht erweisen sich ein Jahr später Zen-buddhistische Praktiken als der „richtige“ Weg. „Was mit einer bestimmten Methode geheilt werden kann, ist vielleicht in einem Jahr getan“, ermutigt Prof. Jakesz zu mehr spiritueller Abenteuerlust.
Tipp:
Auf der Suche nach der „richtigen“ Methode
Yoga, Atemtherapie, Meditationstechniken, Hypnose, Qi Gong, Jin Shin Jyutsu, Reiki, Heilmagnetismus, Therapeutic Touch, Schamanen, Engelarbeit, Pranic Healing, Emotionale Heilung, Mentaltraining… - die Wahl der „richtigen“ spirituellen Methode und BegleiterInnen/TherapeutInnen ist nicht einfach, mitunter sehr zeit- und, so man in „falsche Hände gerät“, auch sehr kostenintensiv.
Leider gibt es keine immer anwendbaren Parameter, keine allgemein gültige „Checklist“ nach der frau vorgehen kann. Sich folgende Fragen zu stellen, kann aber bei der Suche nach den richtigen „ReisebgeleiterInnen“ hilfreich sein.
- Wie viel Erfahrung hat der Therapeut/die Therapeutin mit der Methode?
- Wurden in einem Erstgespräch meine Fragen ernst genommen und für mich ausreichend beantwortet?
- Habe ich das Gefühl, dass der Therapeut/die Therapeutin ehrlich zu mir ist?
- Welche Erfahrungen haben andere mit dieser Methode bzw. dieser/m TherapeutIn gemacht?
- Liegen die Kosten in einem „vernünftigen“ Bereich?
- Habe ich den Eindruck, dass der Therapeut/die Therapeutin mich durch eine Erfahrung führen will, ohne mich „bekehren“ zu wollen?
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Die Autorin
Dr.in Karin Gruber, promovierte Biologin, wechselte nach einem längeren Japan-Aufenthalt in den Journalismus. Sie arbeitet heute als Gesundheits- und Wissenschaftsjournalistin für Fach- und Publikumsmagazine, ist Co-Autorin medizinischer Ratgeber und in der Öffentlichkeitsarbeit für mehrere wissenschaftliche Institutionen tätig.
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