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Das Lymphödem: Verbesserung der Lebensqualität als Ziel
Heilbar ist ein ausgeprägtes Lymphödem nicht. Eine deutliche Besserung ist durch richtige und konsequente Behandlung allerdings möglich. Mit Dr. Uwe Bach vom Institut für physikalische Medizin der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien sprach Dr. Sigrid Ofner.
Das Lymphsystem ist ein wesentlicher Teil des menschlichen Immunsystems und dient vor allem dem Abtransport von Gewebsflüssigkeit. „Man kann sich das so vorstellen, dass die Arterien Blut in alle Körperregionen transportieren, wobei immer ein wenig Flüssigkeit ins Gewebe austritt“, meint Dr. Bach und erläutert weiter: „Das Lymphsystem hat die Aufgabe, diese Flüssigkeit zu sammeln und sie zurück ins Gefäßsystem zu transportieren. Dabei fungieren die Lymphknoten als Filter für Zelltrümmer oder Erreger, die in der Gewebsflüssigkeit vorhanden sind. Vom Aufbau her sind die Lymphgefäße den Blutgefäßen ähnlich, nur feiner. Ein wesentlicher Bestandteil sind die Klappen, die sehr dicht sind und den Rückstrom der Lymphe verhindern. Es besteht also ein gerichteter Strom von der Peripherie ins Zentrum.“
Wenn Lymphbahnen oder Lymphknoten beschädigt, zerstört oder entfernt werden, kommt es zum Lymphstau und somit zur Bildung eines Lymphödems. Dr. Bach: „Zu solchen Schädigungen kann es durch Verletzungen - jede Operation ist z.B. eine solche Verletzung -, einen Tumor oder eine Strahlentherapie kommen. Umso größer die Verletzung bzw. umso wichtiger die Lymphbahn ist, die in Mitleidenschaft gezogen wird, desto eher kann es zu einem bleibenden Lymphödem kommen.
Brustkrebspatientinnen sind besonders häufig betroffen
In Österreich leben zwischen 30.000 und 100.000 Menschen mit Lymphödem. „Je nachdem, wie genau gesucht wird“, betont Dr. Bach, „bei den 100.000 sind sicher auch viele Patienten und Patientinnen dabei, die durch das Lymphödem nur wenig beeinträchtigt sind.“
Eine der häufigsten Erkrankungen, die ein Lymphödem zur Folge haben können, ist Brustkrebs. „Die Operationen, die der Brustkrebs erforderlich macht, sind, wenn die Achselhöhle mit betroffen ist, in einem heiklen Gebiet, wo manchmal ein wichtiger Strang des Lymphsystems entfernt werden muss“, erklärt Dr. Bach, versucht aber zu beruhigen: „Mit den neueren Operationstechniken ist die Rate der Lymphödeme stark gesunken und ihr Ausmaß ist nicht mehr so dramatisch.“ Von den Brustkrebspatientinnen erkranken 5-15% nach der Operation – manchmal auch erst 5-10 Jahre später – an einem Lymphödem, wobei eine zusätzliche Strahlentherapie das Risiko verdoppelt. Dr. Bach: „Es darf allerdings keinesfalls wegen des Ödemrisikos auf die Operation oder die Strahlentherapie verzichtet werden!“
Präventive Maßnahmen zur Verhinderung eines Lymphödems gibt es keine, zumindest keine realistischen. Dr. Bach: „Das Gewicht ist der einzige Faktor, der einen Unterschied macht. Übergewichtige Personen bekommen häufiger ein Lymphödem, weil dieses in erster Linie das Fettgewebe betrifft.“ Die einzige vorbeugende Möglichkeit – Gewichtsreduktion durch gesunde Ernährung und Bewegung – ist nicht durchführbar, da die Zeit vor der Operation dafür kaum ausreichen wird.
Physikalische Therapie und intensive Hautpflege
Die Diagnose des Lymphödems ist meist einfach mittels klinischer Untersuchung zu stellen. In seltenen Fällen sind Zusatzuntersuchungen - etwa eine Lymphszintigraphie - notwendig. Dann kann mit der Therapie begonnen werden. „Die Hauptkomponenten der kombinierten physikalischen Entstauungstherapie sind manuelle Lymphdrainage und Kompressionstherapie“, so Dr. Bach. Die Kompressionstherapie mit Stützstrumpf oder Bandagen kommt nur dann in Betracht, wenn vom Lymphstau eine Extremität betroffen ist. Bei Brustkrebspatientinnen kann sich das Lymphödem aber auch am Körperstamm entwickeln, wo keine Kompression möglich ist.
Bei der Lymphdrainage, die man in ein Reduktionsstadium und in die Erhaltungstherapie unterteilen kann, handelt es sich um eine Grifftechnik, die bereits 1932 entwickelt und 1950 von ÄrztInnen auf eine wissenschaftliche Basis gestellt wurde.
Medikamente zur Behandlung des Lymphödems gibt es keine. Zumindest keine, die bislang im ausreichenden Maß ihre Wirksamkeit unter Beweis stellen konnten. Dr. Bach: „Manche Therapien haben bei Sonderindikationen einen Wert. So z.B. die Gabe von Selen bei PatientInnen, die als Komplikation des Lymphödems immer wieder einen Rotlauf entwickeln. Dieses Spurenelement kann sehr zielführend sein, wenn es richtig eingesetzt wird. Nicht direkt gegen das Lymphödem, aber gegen das Auftreten von Komplikationen.“
Beim Rotlauf (= Erysipel) handelt es sich um eine Infektion, die mit Antibiotika behandelt werden muss. „Für die diesbezügliche langfristige Prophylaxe spielt die Hautpflege eine entscheidende Rolle, um kleine Verletzungen zu vermeiden“, betont Dr. Bach. „Die vom Lymphödem betroffene Haut neigt dazu auszutrocknen und bei trockener Haut kommt es sehr rasch zu mikroskopisch kleinen Verletzungen. Diese müssen sofort desinfiziert werden, um das Auftreten von Rotlauf zu verhindern.“
Die richtige Durchführung der Behandlung ist beim Lymphödem, wie bei vielen chronischen Erkrankungen, besonders wichtig. Dr. Bach: „Es gibt keine Heilung. Mit einer konsequenten Therapie lässt sich die Lebensqualität der Betroffenen aber deutlich bessern.“
Information und Hilfe:
Rat, Information und Hilfe für Betroffene und Angehörige, sowie Informationen für interessierte ÄrztInnen und TherapeutInnen gibt es bei der Österreichischen Lymph-Liga.
Kontaktadresse: Sekretariat der Österreichischen Lymph-Liga, 2560 Berndorf, Postfach 41, Telefon 02672/84473, Fax 02672/88996, info@lymphoedem.at, Web: www.lymphoedem.at.
Landesstellen der Österreichischen Lymph-Liga gibt es in allen Bundesländern.
Die Autorin:
Dr. Sigrid Ofner ist freie Wissenschafts- und Gesundheitsjorunalistin
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