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Mammographie-Screening: Informierte Entscheidung der Frau

 

„Wie groß ist mein Risiko, Brustkrebs zu bekommen und wie sehr kann ich das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, durch die Früherkennungs-Mammographie senken?“ Von der Beantwortung dieser – absolut berechtigten – Fragen hängt für viele Frauen die Entscheidung für oder gegen die Teilnahme am Brustkrebs-Screening mittels Mammographie ab.

 

Ein Gastkommentar von Primarius Dr. Hans Mosser, Vorstand des Instituts für Radiologie, Landesklinikum Krems

 

Die zur Zeit sehr kontroversiell geführte öffentliche Diskussion über das Brustkrebs-Screening führt oft zu einer Verunsicherung der Frauen. Verursacht durch die unterschiedliche Verwendung statistischer Daten sowie die Vermischung von Fakten, Interpretation und Meinung.

 

Während die einen ExpertInnen das Brustkrebsrisiko einer Frau mit 1:10 angeben und berichten, dass die Mammographie die Sterblichkeit an Brustkrebs um 25% senken kann, bezeichnen andere das Brustkrebsrisiko als weit geringer, bspw. bei einer 50-jährigen Frau sei dies nur 1:122, und behaupten, dass die Sterblichkeit durch die Mammographie nicht um 25%, sondern nur um 0,1% sinke. Wie soll da eine informierte Entscheidung der Frau möglich werden? Was stimmt nun?

 

Alle diese genannten Zahlen sind korrekt, bedeuten aber völlig Unterschiedliches. Und dies ganz besonders in Bezug auf das individuelle Risiko der Frau. Die Angabe einer 1:10-Wahrscheinlichkeit für Brustkrebs ist das sog. „kumulative Risiko“ – ein statistischer Wert, der nur sinnvoll ist für den Vergleich von Krankheiten in Populationen, nicht jedoch für das individuelle Risiko einer einzelnen Frau. Dieser Wert gilt zum Geburtszeitpunkt eines weiblichen Neugeborenen unter der Voraussetzung, dass alle weiblichen Neugeborenen 80 Jahre alt werden. Da nicht alle Frauen 80 Jahre alt werden, sondern viele durch Unfall oder andere Erkrankungen, die häufiger sind als Brustkrebs, früher sterben, sinkt das statistische Risiko jeder lebenden Frau, an Brustkrebs zu erkranken. Die Angabe des kumulativen Brustkrebsrisikos 1:10 ist also für die individuelle Situation der Frau irrelevant. Ein „Scheinwert“, der nur Angst macht. Bedeutsamer für die Entscheidung für oder gegen die Teilnahme am Screening ist das individuelle Brustkrebsrisiko eines gegebenen Alters, das sich aus „Krebsregistern“ berechnen lässt. Danach liegt die Wahrscheinlichkeit für Frauen im Alter zwischen 30 bis 39 Jahren, Brustkrebs zu bekommen, bei 1:283, für Frauen zwischen 40 und 49 Jahren bei 1:81 und für die Gruppe der 50 bis 59 Jährigen bei 1:36 (Krebsregister Hamburg, Literatur beim Autor).

 

Und wie sieht es nun mit der Senkung der Sterblichkeit durch die Mammographie aus? Stimmt nun 25% oder 0,1%? Wieder gilt: Beide Werte sind korrekt. Nur – die 25% sind ein relativer Wert, und die 0,1% ein absoluter. Zur Erklärung: Wenn von 100.000 Frauen in Österreich ohne Mammographie 400 an Brustkrebs sterben, durch die Früherkennungs- Mammographie 100 Frauen gerettet werden, dann sind das tatsächlich 25% bezogen auf die 400. Betrachtet man aber dieselben Zahlen bezogen auf die Gesamtbevölkerung, also absolut, dann sterben „ohne Mammographie“ in Österreich 400 von 100.000 Frauen, also 0,4%, und mit Mammographie „nur“ mehr 300 von 100.000 Frauen, also 0,3%. Die Differenz der geretteten Frauen von 0,4 auf 0,3 ist also 0,1%. Auch dieser Wert ist also korrekt.

Während nun aber der relative Wert von 25% den Nutzen der Mammographie nach Ansicht vieler ExpertInnen überbewertet, stellt der absolute Wert 0,1% sicherlich eine Unterschätzung dar. An was soll frau sich aber nun halten? Für eine informierte Entscheidung ist vielleicht die – ebenfalls richtige – Aussage relevanter, dass durch die Mammographie in Österreich jährlich rund 1.600 Frauen vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt werden können. Tatsache ist aber auch, dass Brustkrebs in Österreich zwar zunimmt (Statistik Austria 2006), die Sterblichkeit daran aber abnimmt. Eindeutig erwiesen ist nämlich, dass die Heilungsrate signifikant umso höher ist, je früher der Tumor entdeckt und therapiert (operiert) wird.

 

Mein Rat ist es, dass sich eine Frau sowohl über diese Fakten wie auch über ihr individuelles Risiko (eigenes Alter, Brustkrebs in der Familie, Lifestylefaktoren) Gedanken macht und dies genauso wie die mit der Mammographie verbundene Strahlendosis und andere Vor- und Nachteile mit ihrem Arzt/ihrer Ärztin oder dem/der Radiologen/in bespricht. Unter Mitberücksichtigung des ärztlichen Rates sollte – so wie bei der Abwägung von Wirkung und Nebenwirkung, Nutzen und Risiko – die informierte Entscheidung einer Frau für oder gegen eine Teilnahme am Brustkrebs-Screening möglich sein.

 

Hinweis: Den Europa Donna Leitfaden Radiologie von Prim. Mosser mit vertieften Informationen zum Thema finden Sie hier.

 

Kontakt:
Landesklinikum Krems
Prim. Dr. Hans Mosser
Vorstand Inst. für Radiologie
Tel.: +43-(0)2732/804-2381
Fax: +43-(0)2732/804-5368
Email: hans.mosser@krems.lknoe.at
Web: www.lknoe.at/de/1535/

 

 

 

 
   
 

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