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Mammographie-Screenings

 

Systematische, qualitätsgesicherte Mammographie-Screenings für Frauen über 50 gelten Richtlinien von WHO und EU zufolge als wesentliche Maßnahme im Kampf gegen Brustkrebs. Auch Europa Donna fordert seit Jahren flächendeckende Mammographie-Screenings. Die Länder Wien und Vorarlberg haben den vielen Worten Taten folgen lassen und starten 2007 mit Screening-Pilotprojekten, die sich an den Europäischen Leitlinien orientieren.

 

von Barbara Urban

 

Unter Screening („Reihenuntersuchung“) versteht man die Untersuchung einer Zielgruppe in der Bevölkerung (z. B. Frauen zwischen 50 und 69 Jahren), ohne dass bei der einzelnen Person ein Krankheitsverdacht besteht. Beim Mammographie-Screening sollen jene Frauen entdeckt werden, die an einem bisher symptomlos verlaufenden Brustkrebs erkrankt sind. Denn: Je früher ein Mammakarzinom entdeckt wird, desto größer die Heilungschancen (über 90%)! „Die Mammographie erlaubt mit hoher Treffsicherheit den Nachweis von Veränderungen in der Brust, lange bevor sie als Knoten tastbar sind", so Univ.-Prof. Dr. Thomas Helbich von der Wiener Universitätsklinik für Radiodiagnostik und wissenschaftlicher Leiter des Wiener Pilot-Projekts.

 

„Opportunistische Mammographie“ versus Screening

Derzeit wird in Österreich die Praxis der so genannten „opportunistischen“ oder „grauen“ Mammographie gehandhabt: Eine Frau geht dann zur Mammographie, wenn sie selbst es möchte oder wenn es von Arzt oder Ärztin angeraten wird – auf der Überweisung steht dann eine „Verdachtsdiagnose“, denn nur dann bezahlen die Kassen die Untersuchung.
Eine Mammographie kann aber auch im Zuge der Vorsorgeuntersuchung ab dem 40. Lebensjahr kostenlos durchgeführt werden. Dennoch nützen, so die ExpertInnen, viel zu wenige Frauen die Möglichkeit einer Mammographie. Gerade Frauen der am meisten gefährdeten Altersgruppe 50+ gehen auf Grund der Menopause weniger oft zu GynäkologInnen und werden somit seltener zur Mammographie überwiesen.

 

Nun sollen qualitätsgesicherte „echte“ Screenings in Modellregionen etabliert werden. Frauen der Risikogruppe sollen mit gezielten Einladungsschreiben zur Mammographie motiviert werden. Auf Basis der Daten und Erfahrungen dieser Modellprojekte soll dann ein österreichweites Screening durchgeführt werden.

 

Da streiten sich die Leut’ herum…

Dennoch wurde das Mammographie-Screening in den letzten Jahrzehnten immer wieder sehr kontroversiell diskutiert. Kritische Stimmen merkten an, dass der Kosten-Nutzenaufwand in keinem Verhältnis stehe, dass bei einer falsch positiven Befundung Frauen unnötiger Weise einer großen psychischen Belastung ausgesetzt wären und belastende weitere Untersuchungen (z. B. Biopsien) über sich ergehen lassen müssten. Auf der anderen Seite warnte man davor, dass sich Frauen, die zur Mammographie gingen und bei denen keine verdächtigen Veränderungen gefunden werden konnten, dann für die Dauer bis zur nächsten Mammographie in trügerischer Sicherheit wiegen würden, die Selbstabtastung der Brust vernachlässigen und bei Veränderungen an der Brust nicht gleich reagieren würden. Ein weiterer „Stein des Anstoßes“ war die Vermutung, ob die Strahlenbelastung bei der Mammographie nicht sogar krebsauslösend wäre. Einige ExpertInnen kritisierten die statistischen Zahlenangaben als irreführend und die Frauen in Angst versetzend (siehe auch Gastkommentar von Dr. Hans Mosser), und andere sind der Ansicht, dass ein Mammographiescreening schon bei den 40-Jährigen ansetzen sollte.

 

Einheitliche Richtlinien

Aufgrund dieser unterschiedlichen Meinungen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Anfang 2002 die international führenden ExpertInnen auf dem Gebiet des Mammographie-Screenings zusammengerufen und alle großen Studien noch einmal überprüft. 2006 wurden die Leitlinien der Europäischen Kommission zum 4. Mal überarbeitet und mit folgender Empfehlung herausgegeben: Ein Mammographie-Screening wird Frauen ohne Brustsymptome vom 50. bis zum 69. Lebensjahr alle 2 Jahre empfohlen. Darüber hinaus wurden genaue Richtlinien erarbeitet, die ein höchst mögliches Maß an Qualität gewährleisten sollen.

 

Standardisierte Qualitätskriterien - ein „Muss“

Europäische Studien konnten nachweisen, dass ein Mammographie-Screeningprogramm nach EU-Leitlinien die Sterblichkeit an Brustkrebs in der Altersgruppe der 50- bis 69- jährigen Frauen um bis zu 25-30 Prozent senken kann. "Auf Österreich umgelegt bedeutet dies, dass pro Jahr 200 bis 300 Frauen nicht sterben müssten", rechnet Prof. Helbich vor.

 

Der Leiter des Vorarlberger Pilot-Projektes, Prim. Dr. Hans Concin, ergänzt: „Doch um diese Werte zu erreichen, müssen Qualitätsstandards auf höchstem Niveau eingehalten werden.“ Die Befolgung der von der Europäischen Kommission ausgearbeiteten Leitlinien soll dies gewährleisten. Zu diesen besonderen Qualitätsstandards, die auch im Wiener und im Vorarlberger Pilotprojekt zur Anwendung kommen, gehört nicht nur eine besondere Qualifikation aller am Screening-Prozess Beteiligten (Schulungen aller im Prozess eingebundenen Berufsgruppen; beim Wiener Projekt wird hierbei besonderer Wert auf die psychoonkologische Komponente gelegt) und die standardisierte sowie laufend kontrollierte Qualität der technischen Geräte, sondern auch eine hohe Sicherheit durch die zwingende Vorgabe, dass jeder Mammographie-Befund von zwei RadiologInnen begutachtet werden muss ("double reading"). Ebenfalls vorgeschrieben: die Standardisierung einer interdisziplinären Zusammenarbeit, ein effizientes Datenmanagement (bisher gab es keine systematische Datenerfassung zur Mammographie) durch eine konsequente Dokumentation, Evaluierung und ein Controlling der Screeningkette sowie der Aufbau eines flächendeckenden Brustregisters und eine Vernetzung mit EBCN (European Breast Cancer Network) und der EUREF (European Reference Organization for Quality Assured Breast Screening and Diagnostic Services).

 

Die österreichischen Pilotprojekte (Bgld., Vorarlberg, OÖ, Wien und Salzburg) wurden im Auftrag des Gesundheitsministeriums vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen initiiert. DONNA stellt stellvertretend die Pilotprojekte in Wien und Vorarlberg vor, die sich an den Europäischen Richtlinien orientieren.

 

Vorarlberg: „Prinzessin ohne Erbse“

In Vorarlberg existiert bereits seit 1.1.1989 ein Mammographieprogramm, dessen Evaluation und Auswertung durch den Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin laufend erfolgt ist. Ende Mai startet im Bezirk Bludenz das Modellprojekt zum Mammographie-Screening unter dem Titel „Prinzessin ohne Erbse“ nach EU-Leitlinien. Es richtet sich an alle Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr aus dem Bezirk Bludenz (6.790 Frauen). Diese Frauen werden in Form einer persönlichen Einladung mit einem konkreten Terminvorschlag zur Teilnahme eingeladen. Die Teilnahme am Screening ist kostenlos und basiert auf freiwilliger Basis.

 

Hauptziel des regionalen Modellprojekts ist die frühzeitige Erkennung kleiner Brusttumoren (bis zu 1,5 cm). Eine frühzeitige Erkennung bedeutet kleinere operative Eingriffe, schonende Therapieverfahren sowie deutlich bessere Prognosen mit erhöhten Heilungschancen. Zu den Partnern des Vorarlberger Projektes zählen das Land Vorarlberg, die Vorarlberger Gebietskrankenkasse, die Ärztekammer und die Vorarlberger Krebshilfe. Medizinisch-wissenschaftlicher Projektleiter ist Prim. Dr. Hans Concin vom LKH Bregenz, Organisatorische Projektleitung: Mag.a Alexandra Wucher, aks.(aks Gesundheitsvorsorge). Nähere Infos unter: www.aks.or.at

Als Screeningeinheit wurde die Praxis Dr. Hollenstein im Bezirk Bludenz ausgewählt. Das Assessment, die zentrale Funktionseinheit des Mammographie-Programms, ist im Landeskrankenhaus Feldkirch angegliedert.

 

Wien: „Ich schau auf mich“

Schon in der Zeit von 2000 – 2002 lief in Wien ein flächendeckendes Mammographie-Screening-Projekt unter dem Titel „Die Klügere sieht nach“. Basierend auf den Erfahrungen dieses Projektes und nach einer weiteren intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik und Installierung einer Ethikgruppe, bei der auch Europa Donna Österreich mitarbeitete, startete das neue Pilot-Projekt „Ich schau auf mich“ Ende April 2007. Zielgruppe sind alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren aus den Bezirken 15, 16, und 17 (25.300 Frauen).

 

Bei vielen Erkrankungen, gerade aber beim Brustkrebs, ist die Intensität, mit der Vorsorgemöglichkeiten wahrgenommen werden, in hohem Maß von der Bildung und dem sozialen Status abhängig. Ein wichtiges Ziel des Wiener Projektes ist es daher, besonders die Teilnahme sozial benachteiligter Frauen an der Untersuchung zu fördern. Auf Grund des hohen AusländerInnenanteils in diesen Bezirken wurden die Einladung zum Screening und die Informationsbroschüre in mehreren Sprachen verfasst.

 

Das Wiener Projekt wird von der Wiener Gebietskrankenkasse und der Stadt Wien (vertreten durch das Wiener Programm für Frauengesundheit) umgesetzt. Zu den Partnern in Wien zählen das Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend, Gesundheit Österreich GmbH/Geschäftsbereich ÖBIG, der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger sowie alle Sozialversicherungsträger und die Krankenfürsorgeanstalt der Stadt Wien.

 

Wissenschaftlicher Projektleiter ist Univ.-Prof. Dr. Thomas Helbich, die ärztliche Projektleitung hat OÄ Dr.a Maria-Gabriela Hanna inne. Organisatorische Projektleitung: Mag.a Karin Eger (WGKK), Univ. Prof.a Dr.a Beate Wimmer-Puchinger (Stadt Wien). Weitere Infos: www.ich-schau-auf-mich.at

 

Anmerkung: Das Mammografie-Pilotprojekt "Ich schau auf mich" wurde mit Dezember 2008 abgeschlossen.

 
   
 

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