|
Mikrochirurgische Lymphgefäß-Operation bringt Verbesserung der Lebensqualität
Nach einer Brustkrebs-Operation leidet jede zehnte Frau unter einem Lymphödem im Arm. Denn bei drei von vier Brustkrebs-Patientinnen müssen die Lymphknoten in der Achsel entfernt werden. In der Folge kommt es zu einer Störung des Abtransportes der Lymphe, der betroffene Arm schwillt deutlich an und das Gewebe verhärtet. Das schmerzt, sieht hässlich aus und schränkt die Bewegungsfreiheit ein. Den meisten Betroffenen hilft es, einen Kompressionsstrumpf am Arm zu tragen und zwei bis dreimal die Woche eine manuelle Lymphdrainage durchführen zu lassen. Doch bei einer von fünf Frauen versagt diese physikalische Standard-Therapie.
Operation gegen Lymphödem
Für sie gibt jetzt die Möglichkeit, die Lymphgefäße mit einer mikrochirurgischen Operation wieder herstellen zu lassen. Der plastische Chirurg Univ.-Prof. Edvin Turkof operiert betroffene Frauen an der Abteilung für spezielle Gynäkologie im Wiener AKH, gemeinsam mit dem Gynäkologen Univ.-Prof. Michael Seifert. Bei der sogenannten autologen Lymphgefäßtransplantation wird für die entfernten Lymphknoten ein Umgehungskreislauf geschaffen.
Bypass aus dem Oberschenkel
Als Transplantate dienen eigene Lymphgefäße aus dem Oberschenkel der Patientin. Dort findet sich zwischen Leistenregion und Innenseite des Knies ein Bündel von bis zu 18 bis 20 Lymphbahnen. Diese Lymphgefäße werden zu Beginn der Operation mit blauem Farbstoff sichtbar gemacht und zwei Lymphbahnen mit einer Länge von etwa 25 cm entnommen.
Diese Ersatzgefäße werden mit mikrochirurgischer Nahttechnik zwischen Oberarm und Hals eingesetzt. So wird ein Bypass geschaffen, eine Überbrückung der bei der Krebsoperation entfernten Lymphgefäße in der Achsel.
Schwieriger Eingriff
Die Operation erfolgt unter Allgemein-Narkose und dauert zwischen zweieinhalb und vier Stunden. Der Eingriff ist für die Patientin kaum belastend, erfordert allerdings vom Chirurgen/der Chirurgin viel Erfahrung, Geschick und Geduld. Es müssen die zarten Lymphgefäße, die wesentlich dünnwandiger und im Durchmesser deutlich kleiner sind als etwa die winzigen Venen eines kleinen Fingers, unter dem Mikroskop an die Lymphbahnen des Oberarms und des Halses angeschlossen werden. Wenn es gelingt, den Durchfluss der Lymphflüssigkeit wieder herzustellen, kommt es zu einer Abnahme des Ödems.
Methode in München und Wien erfunden
Die Methode ist nicht neu. Sie wurde vor mehr als zwanzig Jahren unabhängig von einander in Wien und München entwickelt. In Österreich geriet die aufwendige Rekonstruktion der Lymphbahnen aber wieder in Vergessenheit. In Münchner Krankenhaus Großhadern jedoch hat Prof. Dr. Dr. Rüdiger Baumeister seit mehr als zwanzig Jahren die Technik perfektioniert und inzwischen 150 Brustkrebspatientinnen operiert.
Zwei von drei Patientinnen profitieren
Die Erfolgsrate in München liegt bei etwa 66%, das heißt, dass bei zwei von drei operierten Patientinnen innerhalb von sechs Monaten nach dem Eingriff eine Verkleinerung des Armumfangs auch ohne Lymphdrainage festzustellen ist. Dr. Turkof hat bisher in Wien fünf Frauen operiert. Bei vier kam es bereits zu einer sichtbaren Verbesserung im Umfang des Armes. Auch die unangenehme Verhärtung des Gewebes nahm ab.
Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. Edvin Turkof
AKH Wien, Spezielle Gynäkologie
Tel.: 01/5870000
Rat und Hilfe finden Sie auch bei der Österreichischen Lymph-Liga: www.lymphoedem.at

Die Autorin:
Dr. Sylvia Unterdorfer berichtet seit mehr als fünfzehn Jahren - zuletzt vor allem in den ORF-Sendungen „Modern Times Gesundheit“ und „Zeit im Bild“ - über die neuesten Trends aus Wissenschaft und Medizin.
Die Publizistik-Absolventin filmte für den ORF in den bedeutendsten Forschungsinstitutionen, nicht nur in Österreich, sondern weltweit: in den USA, Australien, Singapur, England, Deutschland, der Schweiz.
Für ihre interessanten und wissenschaftlich fundierten Beiträge zum Thema Gesundheit wurde die Fernsehjournalistin bereits mit mehreren Medienpreisen ausgezeichnet, unter anderem auch mit dem Pressepreis der Österreichischen Ärztekammer und der Ärztekammer für Wien.
|