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Mikrometastasen zur Risikobewertung von Brustkrebs
Jede achte Frau in Österreich erkrankt an Brustkrebs. Dank verbesserter Früherkennung wird bei drei Viertel aller Patientinnen der Tumor entdeckt, bevor er zwei Zentimeter groß ist. In diesem Fall sind die Heilungschancen sehr gut. Doch Jahre, oft Jahrzehnte später kann der Brustkrebs erneut auftreten.
An der Innsbrucker Universitätsklinik für Frauenheilkunde erforschen ExpertInnen, warum trotz zunächst erfolgreicher Operation manche Frauen erneut erkranken. Ihre Forschungen zeigen, dass für die Prognose nicht nur die Größe und Aggressivität des Tumors und der Befall der Achsellymphknoten entscheidend ist, sondern auch, ob es Mikrometastasen im Knochenmark gibt, die die Prognose von Brustkrebs-Patientinnen verschlechtern.
Internationale Studie mit alarmierendem Ergebnis
Mikrometastasen sind noch keine Metastasen. Es handelt sich dabei um einzelne Krebszellen, die sich bereits sehr früh vom Primär-Tumor abgetrennt haben. Über Blut und Lymphe gelangen sie in andere Regionen des Körpers wie zum Beispiel in das Knochenmark. Dort ruhen sie oft jahrelang, bis sie dann plötzlich Tochtergeschwüre bilden.
Für eine internationale Studie wurde das Knochenmark von 4.700 Brustkrebs-Patientinnen untersucht. Während der Operation entnahmen die ÄrztInnen zusätzlich mit einer Punktion aus dem Beckenknochen der Patientinnen eine winzige Probe Knochenmark, die dann im Labor untersucht wurde. Das Ergebnis war alarmierend: Bei jeder dritten Frau fanden sie Mikrometastasen, weitgehend unabhängig von der Größe des Tumors und dem Lymphknotenbefall. „Diese Patientinnen gilt es zu identifizieren, damit sie einer optimalen Therapie zugeführt werden können“, meint Studienleiter Univ.-Doz. Dr. Stephan Braun, Medizinische Universität Innsbruck, Universitätsklinik für Frauenheilkunde.
Schlechtere Prognose
Denn Patientinnen mit Mikrometastasen haben gegenüber jenen ohne diese kleinsten Krebszellen ein 10 bis 15 Prozent höheres Risiko, erneut an Brustkrebs zu erkranken. Aus den winzigen Tumorzellen können noch Jahre später im Knochenmark und in anderen Körperteilen Tochtergeschwülste entstehen. „Damit es nicht soweit kommt, sollten Frauen mit Mikrometastasen zusätzlich eine gezielte Therapien erhalten, zum Beispiel eine spezielle Chemotherapie oder eine antihormonelle Behandlung,“ fordert Univ.-Doz. Dr. Braun.
Studie mit antihormonellen Substanzen
Derzeit läuft in 28 Brustkrebszentren dreier europäischer Länder eine Studie der ABCSG, der Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (www.abcsg.at), die das Vorhandensein von Mikrometastasen im Knochenmark und eine daran anschließende Hormonbehandlung bei Brustkrebs im Frühstadium untersucht. Die Studie soll zeigen, ob die Anti-Hormontherapie bei neu erkrankten Patientinnen auch Mikrometastasen bekämpft und dadurch die Heilungschancen weiter verbessert.
Der Nachweis von Tumorzellen im Knochenmark ist für die Patientin ungefährlich und könnte ein Therapieansprechen oder aber auch das Gegenteil, ein Therapieversagen, frühzeitig vorhersagen und so manchen Patientinnen in Zukunft belastende Behandlungen ersparen.
Literatur:
Stephan Braun et al - A Pooled Analysis of Bone Marrow Micrometastasis in Breast Cancer NEJM 2005: 353: 793-802.
Jeruss J.S. et al - Bone Marrow Micrometastases in Breast Cancer

Die Autorin:
Dr. Sylvia Unterdorfer berichtet seit mehr als fünfzehn Jahren - zuletzt vor allem in den ORF-Sendungen „Modern Times Gesundheit“ und „Zeit im Bild“ und "Newton" - über die neuesten Trends aus Wissenschaft und Medizin.
Die Publizistik-Absolventin filmte für den ORF in den bedeutendsten Forschungsinstitutionen, nicht nur in Österreich, sondern weltweit: in den USA, Australien, Singapur, England, Deutschland, der Schweiz.
Für ihre interessanten und wissenschaftlich fundierten Beiträge zum Thema Gesundheit wurde die Fernsehjournalistin bereits mit mehreren Medienpreisen ausgezeichnet, unter anderem auch mit dem Pressepreis der Österreichischen Ärztekammer und der Ärztekammer für Wien.
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