Aktuelles Wir über uns Hilfe zur Selbsthilfe Informationen rund um das Thema Brustkrebs Service Presseinformationen
 

Nach der Brustoperation: Wie viel Nachsorge verträgt die Patientin?

 

Wieviel ärztliche Nachbetreuung braucht eine Krebspatientin? Hören kann man Unterschiedliches...

Eine regelmäßige, persönliche Betreuung der Patientin durch den Arzt/die Ärztin ihres Vertrauens ist das A und das O jeder Nachsorge. Verschiedener Meinung allerdings sind GynäkologInnen und OnkologInnen darüber, wie diese Nachsorge erfolgen soll: wie lange, in welchen Abständen, mit welchem apparativen Aufwand und zu welchem Nutzen? Im Rahmen einer wissenschaftlichen Sitzung der Gesellschaft der Ärzte Wien im Frühjahr dieses Jahres wurde über dieses Problem heftig diskutiert.

 

von Dr.in Gerta Niebauer, Medizin- und Wissenschaftsjournalistin

 

Treue – Vertrauen

Univ.-Prof. Dr. Raimund Jakesz von der Univ.-Klinik für Chirurgie in Wien definiert Nachsorge mit „Treue” – Vertrauen in die professionelle Kompetenz – und „Sorge” zum Wohlergehen der Patientin. Diese Empfehlung findet sich auch im Konsensus des sogenannten Asco Core Issue, in dem die Verpflichtung zur Sorge um das Wohlergehen der Patientin an erster Stelle steht.

 

Ich will es wissen – nicht wissen

Konfrontiert mit einer regelmäßigen Kontrolluntersuchung reagiert jede Patientin verschieden, vor allem hinsichtlich der „Einberufung“ in ein Spital und einen aufwendigen apparativen Einsatz. Zahlreiche Umfragen haben ergeben, dass man zwei Grundeinstellungen bei Patientinnen unterscheiden kann: Die eine Gruppe wartet geradezu auf eine regelmäßige Kontrolle, um zu erfahren, wie es ihr geht und ist danach erleichtert. Die andere Gruppe aber lebt in ständiger Angst, ein negatives Ergebnis zu erhalten und will die Kontrolle möglichst weit von sich wegschieben. Das kann eine gefährliche Vogel-Strauß-Politik sein. „Früher war ich eine starke Frau, nach der Operation fühlte ich mich ständig krank, obwohl der Tumor ja entfernt ist. Ob Nachsorge eine Sicherheit oder eine Bedrohung bedeutet, ist nicht einfach zu beantworten“, sagt Monika Lippert-Winkel, der die rechte Brust entfernt wurde.

 

Ein Wegweiser

In dieser Situation ist die Rolle des Vertrauensarztes bzw. der Ärztin des Vertrauens besonders entscheidend. „Der niedergelassene Arzt ist ein Koordinator und Weichensteller, aber auch ein Wegweiser für die Patientin“, weiß MR Dr.in Jutta Hellan. „Viele Patientinnen wollen auch in ihrer vertrauten Arztpraxis behandelt werden. Überdies kann der Vertrauensarzt den Therapieerfolg ständig kontrollieren und er merkt zuerst, wenn es der Patientin schlecht geht oder Nebenwirkungen auftreten“, betont die erfahrene Onkologin.

 

Früherkennung von Neuerkrankungen

„Die Nachsorge ist von großer Bedeutung für die Früherkennung von Neuerkrankungen, Rezidiven und Metastasen“, postuliert Onko-Chirurg Jakesz. „Man sollte auch auf Nebenwirkungen eingehen, die oft schwer zu erfassen sind, wie Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Angstzustände, ein verlorenes Körpergefühl. Auch sollte geklärt werden, wie die Patientin zu einer Langzeittherapie steht. Das Mammakarzinom ist ja keine Krankheit, mit der sich die Patientin nach sechs Wochen nicht mehr auseinandersetzen muss, und sich dann befreit fühlen kann.“

 

Apparative Nachsorge – pro und contra

„Die apparative Nachsorge ist wichtig für die Früherkennung von Rezidiven und Metastasen. Dabei sind Mammographie und Ultraschall unverzichtbar“, betont Univ.-Prof. Dr. Günther Steger von der Univ.-Klinik Innere Med I, Abt. f. Onkologie im AKH Wien. Die Ansicht, dass der Einsatz von Apparaten nur bei einem klinischen Verdacht und dem Auftreten von klinischen Symptomen gerechtfertigt sei, teilt er keineswegs. Beispielsweise sei die High Risk Spiral-CT eine sehr erfolgreiche und mittlerweile auch rasch verfügbare Methode. „Eine systemische und systematische Suche nach Fernmetastasen mit adäquaten Untersuchungsmethoden ist durchaus sinnvoll.“

 

Diese Meinung teilen nicht alle Kollegen. Etwa Kontra-Sprecher Univ.-Prof. Dr. Ernst Kubista von der Univ.-Kinik für Frauenheilkunde Wien, klinische Abt. f. Spez. Gynäkologie: „Wenn keine Daten vorliegen, die für eine intensive Nachkontrolle sprechen, ist ein übertriebener Apparate- und Laboreinsatz nicht besonders sinnvoll. Dies ist aus internationalen Studien zu entnehmen. Es wird vielmehr darauf hingewiesen, dass einerseits eine symptomorientierte Nachsorge durchgeführt werden soll, anderseits bei Risikopatientinnen mit dem Verdacht auf Metastasen eine intensive, apparative Untersuchung“. Eine Mammographie sollte einmal pro Jahr durchgeführt werden. Prinzipiell müsse die Nachsorge lebenslang gemacht werden. Sie soll risikoadaptiert und patientinnenenbezogen sein. Bei einem Verdacht müssten allerdings unverzüglich alle zur Verfügung stehenden Einrichtungen zur Anwendung kommen. Eine Patientin hingegen alle drei Monate ohne Verdacht „herumzuschicken“, führe nur zu einer Verunsicherung.

 

Ein Weg der Mitte

Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant, Universitätsklinik f. Chirurgie, AKH Wien, und Präsident der ABCSG (Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group) weist auf einen Weg des Konsensus hin, wonach zwischen Hochrisiko-Patientinnen und jenen mit geringem Risiko zu unterscheiden ist. Für die Hochrisiko-Patientinnen sollen alle verfügbaren diagnostischen Möglichkeiten eingesetzt werden. „Wichtig in der Nachsorge ist das regelmäßige, ärztliche Gespräch und die Einstellung der Patientin. Wir müssen einen Mittelweg zwischen zu wenig und zu viel finden, der zum Wohl der Patientin führt. Sie braucht einen Wegbegleiter, jemanden, der auf sie aufpasst.“

 

 

 
   
 

l Aktuelles l Wir über uns l Hilfe zur Selbsthilfe l Information l Service l Presse l