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Die Möglichkeiten der Psychoonkologie - Lebensqualität zählt
Die Psychoonkologie ist ein engagierter ganzheitlicher Ansatz, mit dessen Hilfe die Lebensqualität von KrebspatientInnen wesentlich gesteigert werden kann.
Für DONNA sprach Dr.a Karin Gruber mit Mag.a Maria Hübner-Förster über Ziele und Aufgabe der Psychoonkologie.
Donna: Was ist unter Psychoonkologie zu verstehen? Seit wann gibt es sie?
Hübner-Förster: Die Psychoonkologie hat sich in den letzten 30 Jahren entwickelt. Sie umfasst Behandlung, Beratung und Forschung und wird vorwiegend von MedizinerInnen, Klinischen PsychologInnen und PsychotherapeutInnen vertreten. Eine psychoonkologische Versorgung, die Prävention, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation und Palliative Care einschließt, gehört mittlerweile zum State of the Art einer umfassenden Betreuung von KrebspatientInnen. In der Praxis zeigt sich jedoch noch eine gewisse Skepsis, sowohl bei MedizinerInnen als auch bei PatientInnen. Ein Hauptgrund dafür liegt in der Angst der Betroffenen, auch noch als psychisch krank zu gelten.
Donna: Wo sind PsychoonkologInnen tätig?
Hübner-Förster: Sowohl im Krankenhaus als auch im niedergelassenen Bereich. Im Krankenhaus sind die Interventionen naturgemäß kurzfristiger und auf die Akutsituation bezogen. In freier Praxis gebe ich, neben der Intervention in Krisensituationen, Unterstützung zur Krankheitsverarbeitung. Dabei handelt es sich um eine längerfristige Begleitung, die ich je nach Verfassung der PatientInnen auch zu Hause durchführe.
Donna: Für wen und wann ist eine psychoonkologische Betreuung sinnvoll?
Hübner-Förster: Auf Grund zahlreicher Studien weiß man, dass etwa die Hälfte aller KrebspatientInnen normale Reaktionen auf die existentielle Krise, die eine Krebsdiagnose meist bedeutet, zeigt. Die andere Hälfte bedarf irgendwann einer psychosozialen Behandlung und/oder Beratung. Die Auswirkungen der Krankheit, die Möglichkeit einer Verschlechterung, die körperlichen Beschwerden – all das führt häufig zu Angst, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Wut, Trauer, Schuld, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Launenhaftigkeit, Scham sowie Unruhe, Schlafstörungen, Fatigue usw. Im Rahmen des klinisch-psychologischen Gesprächs gebe ich Raum, diese Gefühle auszudrücken und zu verarbeiten. Wenn nötig, arbeite ich mit PsychiaterInnen zusammen, die den Behandlungsschwerpunkt Onkologie haben.
Donna: Was kann die Psychoonkologie bewirken?
Hübner-Förster: Die Psychoonkologie bewirkt eine emotionale Stabilisierung. Die PatientInnen lernen mit Ihren Ängsten und krankheitsbedingten Problemen umzugehen. Ressourcen und Bewältigungsstrategien der Betroffenen werden mobilisiert: Was hilft mir ganz konkret? Was tut mir gut? Was entlastet mich? Hier gibt es sehr große individuelle Unterschiede. Im Mittelpunkt steht jedoch immer die Wahrnehmung und Wahrung der eigenen Bedürfnisse. Dies ist besonders häufig für Frauen eine Umstellung, die gewohnt waren, ihre Bedürfnisse hintan zu stellen. Alles in allem dürfen aber nur realistische Hoffnungen angeboten werden, eine Heilung durch Psychoonkologie gehört nicht dazu.
Donna: Wie erreicht die Psychoonkologie diese Ziele?
Hübner-Förster: In der Psychoonkologie werden die Methoden der klinischen Psychologie, der Gesundheitspsychologie, der Psychotherapie und der Psychiatrie angewendet. Am Beginn steht ein diagnostisches Anamnesegespräch, bei dem Situation und Bedarf der Betroffenen erhoben werden. Es gibt sehr unterschiedliche Interventionstechniken. Ich arbeite vor allem mit dem lösungsorientierten klinisch-psychologischen Gespräch und Entspannungsübungen. Diese helfen, Ängsten, Schmerzen und Therapienebenwirkungen vorzubeugen bzw. sie zu reduzieren.
Donna: Was hat es mit dem eigenen Körperbild auf sich?
Hübner-Förster: Durch die Nebenwirkungen der verschiedenen Therapien kann es zu körperlichen Veränderungen wie Narbenbildung, Verlust der Brust, Gewichtszunahme und -abnahme, Verbrennungen, Haarverlust usw. kommen. Dies verändert und belastet das Körperbild. Beim Aufbau eines neuen Körpergefühls und dessen Stärkung können Visualisierungsübungen sehr hilfreich sein.
Donna: Die Einbeziehung von Angehörigen spielt beim Umgang mit Krankheiten eine immer größere Rolle…
Hübner-Förster: Gespräche mit PartnerInnen können entlastend und klärend sein, wenn es um Partnerschaftskonflikte, Veränderungen der Sexualität, Rollenveränderungen in der Beziehung, Verlustängste usw. geht. Gerade an der Klinik habe ich immer wieder erlebt, dass männliche Patienten ihre Frau zu mir geschickt haben, statt selbst mit mir zu sprechen. Aber auch durch die Entlastung und Stützung der Frau konnte ich eine Verbesserung für beide erreichen. Ich arbeite außerdem mit erwachsenen Kindern und Enkelkindern von Betroffenen, um das Verständnis auf beiden Seiten zu erhöhen und Ängste abzubauen. Für Angehörige im Kindesalter gibt es auch besondere Angebote.
Donna: Das „positive Denken“ kommt gerade bei Krebserkrankungen immer wieder zur Sprache, wird aber kontrovers diskutiert. Wie stehen Sie dazu?
Hübner-Förster: Mit dem „Terror des positiven Denkens“ wird bei Betroffenen viel Druck und Stress erzeugt. Es geht mir in meiner Arbeit darum, sie so sein zu lassen, wie sie sind, und sie dort abzuholen, wo sie im Moment gerade stehen. Alle Gefühle sind „erlaubt“! Die Gefahr beim „positiven Denken“ ist, dass die PatientInnen für ihre Heilung selbst verantwortlich gemacht werden. Es gibt aber keine anerkannten Studien, die beweisen, dass Krebs durch Psychoonkologie geheilt werden kann. Eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität und emotionalen Befindlichkeit jedoch ist durch eine psychoonkologische Behandlung nachweislich zu erreichen.
Wissen Kompakt: Das kann die Psychoonkologie
• Verbesserung der Schmerzkontrolle
• Reduktion reaktiver psychischer Störungen
• Verbesserung der Anpassungsleistung
• Verbesserung der Lebensqualität
• Verbesserung der Kommunikation zwischen PatientInnen und ihrem sozialen Netz
• Verbesserung der Therapietoleranz durch Reduktion therapiebedingter Symptome
Aus: Wölfl, H. (2004), Psychoonkologie, in: Die Praxis der Psychologie, Mehta G. (Hrsg.), 2004, Springer Verlag, Wien, New York.
Zur Person:
Mag.a Maria Hübner-Förster ist klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin und arbeitet hauptsächlich in der Psychoonkologie und in der Kinder- und Jugendneuropsychologie. Nach mehreren Jahren im stationären Bereich, u.a. an Universitätskliniken in Wien, ist sie nun in freier Praxis in Wien und Brunn am Gebirge tätig.
Kontakt: Anton-Seidl-Gasse 97, 2345 Brunn/Geb. oder Gudrunstraße 143, 1100 Wien; Tel. 0699/105 77 309, E-Mail: huebner-foerster@tele2.at., Hausbesuche möglich
Die aktuelle Liste von TherapeutInnen in Österreich auf Anfrage via E-Mail unter psyon@gmx.at bei der Österreichischen Plattform für Psychoonkologie: www.oeppo.com. Kontakt per Post: Postfach 60, 6010 Innsbruck.
Für Wien, Niederösterreich und das Burgenland: Arbeitsgemeinschaft Psychoonkologie, Theresieng. 32/20, 1180 Wien; E-Mail: psyon@gmx.at
Die Autorin
Dr. Karin Gruber, promovierte Biologin, wechselte nach einem längeren Japan-Aufenthalt in den Journalismus. Sie arbeitet heute als Gesundheits- und Wissenschaftsjournalistin für Fach- und Publikumsmagazine, ist Co-Autorin medizinischer Ratgeber und in der Öffentlichkeitsarbeit für mehrere wissenschaftliche Institutionen tätig.
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