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Wenn Nerven schmerzen: Neuropathischer Schmerz nach Brustoperationen
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| Wenn sich der Schmerz im Körper festkrallt... |
Nach einer Brustoperation können Schmerzen auftreten, die auf die Beeinträchtigung von Nerven-bahnen zurückgehen. Diese Schmerzen können, ja müssen, ausreichend behandelt werden.
Selbst wenn die Operation bestens verlaufen ist, die Aussichten gut sind und die Narbe schön – es kann weh tun, sehr sogar. „Das liegt meist daran, dass bei der Operation Nervenbahnen beschädigt oder unterbrochen wurden“, erklärt Dr.in Renate Barker, Anästhesistin und Schmerztherapeutin in Wien. „Solche Beeinträchtigungen sind in vielen Fällen praktisch unvermeidlich und haben nichts mit der Operationstechnik zu tun“, so die Ärztin weiter.
Dass diese Schmerzen nun ein unausweichliches Schicksal seien und ertragen werden müssten, ist ein weit verbreiteter Irrglaube: Es hat keinen Sinn, seine Leidensfähigkeit unter Beweis stellen zu wollen. Genauso wenig, wie diese Schmerzen einen Sinn haben. Ganz im Gegenteil. Sie können sich sogar –und das mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit – zu einem eigenen Leiden auswachsen, wenn man nichts dagegen tut. Denn: Sie neigen dazu, chronisch zu werden.
Akut und chronisch
„Akute Schmerzen, z. B. nach Verletzung, Unfall oder unmittelbar nach einer Operation, haben eine Alarm- und Schutzfunktion für den Körper“, erläutert Dr.in Barker, „chronischer Schmerz hat seine biologisch wertvolle Warnfunktion aber verloren und im Bereich der Nervenzellen finden allmählich Umbauvorgänge statt. Der Teufelskreis aus Angst und Schmerz beginnt. Wenn die Nervenzellen im Rückenmark unaufhörlich aktiv sind, kommt es zu einer Überempfindlichkeit des schmerzleitenden Nervensystems. Die Nervenzellen melden auch bei harmlosen, schwachen Reizen das Signal ‚Schmerz’, selbst dann, wenn die eigentliche Schmerzursache nicht mehr existiert. Das Dauerbombardement verändert somit die Schmerzverarbeitung und ‚irgendwann’ ist das Schmerzbild im Nervensystem eingebrannt. Man spricht vom so genannten Schmerzgedächtnis.“
Behandlungsmöglichkeiten
„Chronische Schmerzen müssen ausreichend behandelt werden und mit modernen Therapiekonzepten ist das auch möglich“, betont Dr.in Barker. Dabei stehen zahlreiche medikamentöse und nicht medikamentöse Ansätze zur Verfügung. Eine sehr wichtige Rolle bei den Medikamenten spielen die Opioide (Morphinpräparate), denen aber noch immer viel Misstrauen entgegen gebracht wird. Zu Unrecht: „Dank des so genannten Stufenschemas der Weltgesundheitsorganisation WHO besteht bei einer Schmerztherapie kein erhöhtes Risiko, eine Sucht zu entwickeln“, so Dr.in Barker, „bei Schmerzpatienten geschieht das sogar seltener als im Bevölkerungsdurchschnitt.“
Außerdem sind Morphine nicht die „letzte“ Möglichkeit. Sie kommen nicht erst dann zum Einsatz, wenn der Tod naht – obwohl dieser Gedanke nach wie vor in den Köpfen spukt. Wann und wie lange sie sinnvoll sind, hängt nur von der Art der Schmerzen ab.
- Stufe-I – Periphere Analgetika: Dazu gehören so alltägliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Metamizol und NSAR. Bei dauerhafter Anwendung über Monate oder Jahre können manche dieser Medikamente allerdings zu Schäden an Nieren sowie Magen- und Darmschleimhaut führen.
- l Stufe-II – Schwache Opioide: Codein, Tilidin, DHC, Tramadol, die auf das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) wirken. Die Kombination mit Medikamenten der Stufe-I verbessert die Schmerzlinderung wesentlich. Opioide sind körpereigenen schmerzlindernden Stoffen (Endorphinen) sehr ähnlich. Sie wurden früher aus Mohn gewonnen und werden heute synthetisch hergestellt.
- l Stufe-III – Starke Opioide wie Morphin, Hydromorphon, Oxycodon, Fentanyl dar. Bei Bedarf werden sie anstelle von Opioden der Stufe-II eingesetzt. Sie können ebenfalls mit Wirkstoffen der Stufe-I kombiniert werden.
Die schmerzlindernde Wirkung wird nicht nur durch die Kombination von peripher und zentral wirkenden Substanzen erhöht. Auch die Kombination von Retard-Präparaten, die Wirkstoffe kontinuierlich abgeben, und rasch wirkenden Präparaten gegen Schmerzspitzen kann sinnvoll sein. Darüber hinaus gibt es Medikamente, die selbst nicht schmerzlindernd sind, die Behandlung jedoch wesentlich unterstützen.
Bei sehr starken chronischen Schmerzen können Opioide mit einer Schmerzpumpe direkt zum Rückenmark gebracht werden, wo ja ihr Hauptwirkort liegt. Dabei wird eine etwa handtellergroße Pumpe unter die Haut implantiert, über einen dünnen Schlauch gelangt das Schmerzmittel zum Rückenmark. Die erforderliche Dosis ist geringer als bei oraler Einnahme, eine Neufüllung etwa alle zwei Monate nötig.
Es höchste Zeit, mit dem Mythos aufzuräumen, dass Krebserkrankungen und damit Brustkrebs immer und unausweichlich mit schlimmen Schmerzen verbunden sein müssen. Dr.in Barker: „Mit den heute zur Verfügung stehenden Mitteln und Methoden ist es nicht nur möglich, sondern auch eine Pflicht, Brustkrebspatientinnen von Schmerzen zu befreien.“
Tipp: Bei spezielle Fragen stehen AnästhesistInnen als die SchmerzspezialistInnen schlechthin zur Verfügung. Einige Krankenhäuser führen auch eigene Schmerzambulanzen.
Kontakt:
Dr.in Renate Barker, Inst. f. interventionelle Schmerzdiagnostik & Schmerztherapie, Billrothstr. 78, 1190 Wien, Tel. 01/36036-5900, E-Mail: info@epiduroskopie.at, Homepage: www.epiduroskopie.at
Allgemeine Informationen:
Contra Dolorem, Tel. 0650/80 80 800, www.schmerzinformation.org
Über Behandlungsmethoden jenseits von Medikamenten, lesen Sie in der nächsten DONNA.
Die Autorin
Dr. Karin Gruber, promovierte Biologin, wechselte nach einem längeren Japan-Aufenthalt in den Journalismus. Sie arbeitet heute als Gesundheits- und Wissenschaftsjournalistin für Fach- und Publikumsmagazine, ist Co-Autorin medizinischer Ratgeber und in der Öffentlichkeitsarbeit für mehrere wissenschaftliche Institutionen tätig.
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