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Was ist TCM?
von Dr. Katrin Bienert, Allgemeinmedizinerin und TCM-Ärztin
Die Traditionelle Chinesische Medizin – TCM - ist eine Jahrtausende alte chinesische Heilmethode, die seit etwa 2000 Jahren an Universitäten in China gelehrt wird.
Ein/e chinesische/r MaturantIn, der/die Medizin studieren möchte, hat die Wahl: ein neuneinhalb jähriges Studium der westlichen Medizin oder ein ebenso langes Studium der traditionellen chinesischen Medizin. Es beinhaltet fünfeinhalb Jahre Theorie und vier Jahre Turnus im Spital.
In der westlichen Medizin wird auch ein Jahr TCM gelehrt und während des TCM Studiums werden zwei Jahre westliche Medizin unterrichtet. So können sich die unterschiedlichen ÄrztInnen gut austauschen und miteinander arbeiten.
Die TCM stellt ein eigenständiges Erklärungsmodell für Zusammenhänge im Körper dar.
Sie wird in China in eigenen Spitälern im Bereich aller Erkrankungen angewandt. Eigene Abteilungen für diverse Fachrichtungen werden von TCM- FachärztInnen geführt. Auch in einem TCM Spital gibt es Fachabteilungen wie Interne, Orthopädie, Haut, Gynäkologie, Pädiatrie, Augenheilkunde, Neurologie, Psychosomatik etc. Außer in der Akutmedizin und der Chirurgie stellt die TCM eine wichtige Ergänzung zur Schulmedizin in Europa und eine eigenständige Medizin in China dar.
Hören, riechen, tasten, schauen und befragen
Traditionelle chinesische ÄrztInnen setzen bei der Befunderhebung in erster Linie auf ihre gut geschulte Wahrnehmung. Sie bedienen sich ihrer fünf Sinne, um zu einer Diagnose zu gelangen. Nach einer eingehenden Befragung, der Zungen- und Pulsdiagnose und der schulmedizinischen Befundbesprechung wird dann ein Therapieplan für den/die PatientIn erstellt.
Akupunktur, Kräutermedizin, Diätetik (Ernährung), Tuina und Qi Gong/Tai Chi stehen zur Auswahl. Meist wird eine Kombination aus mehreren Methoden verordnet.
So wie auch in der westlichen Medizin werden meist Medikamente – in der TCM Kräuter – verschrieben; die Kräuterheilkunde macht etwa 80% der Therapie aus.
Akupunktur, Tuina-Massagen und manuelle Methoden verwenden die Chinesen vor allem in der Orthopädie und Neurologie, sie werden aber auch in anderen Bereichen gerne eingesetzt. Bewusste Ernährung und konzentrierte Bewegung – Qi Gong – werden fast immer „verordnet“, da Lebensstil-Änderungen auf diesem Gebiet bei jeder Therapie unterstützend wirken.
Messen contra fühlen
Die chinesische Medizin ist eine Beobachtungsmedizin. Über Jahrtausende wurde der Mensch beobachtet, wie er im Wechsel der Jahreszeiten, im Umkreis mit seinen Mitmenschen, auf unterschiedliches Essen reagiert, wie er auf verschiedene Erkrankungen mit Kräutern, Akupunktur und Massagen als Therapie reagiert. Diese Beobachtungen wurden über Jahrtausende und an Milliarden von Menschen erprobt und immer wieder in langen Werken niedergeschrieben. Eigentlich wurde die in der westlichen Welt derzeit so moderne „Evidence Based Medicine“ in China schon sehr lange angewandt.
Die westliche Schulmedizin beruht auf einem ganz anderen Denkmodell als die TCM, dem der Physik. Nur was messbar ist, ist auch gültig. Descartes wohl berühmtester Satz ist: Cogito ergo sum. Ich denke, also bin ich. Das Denken war ihm wichtiger als die Sinne. Er arbeitete auf dem Gebiet der Metaphysik und wollte seine Theorien mit mathematischen Methoden beweisen. Dies ist die Grundlage der westlichen Medizin und der Forschung. Wenn ein Mensch mit Schmerzen zu einem Arzt/einer Ärztin kommt, diese/r aber mit den unterschiedlichsten Untersuchungsmethoden keine Ursache findet, ist der Patient/die Patientin schulmedizinisch gesehen gesund. Der Befund ist also wichtiger als das Befinden. In der TCM wird das Befinden vor den Befund gesetzt.
Westliche ÄrztInnen behandeln „Befundkranke“, TCM ÄrztInnen behandeln „Befindenskranke“.
Bei der Behandlung achten TCM-MedizinerInnen vor allem auf die Harmonie im Organismus. Befinden sich Körper, Geist und Seele in Harmonie, ist der Mensch gesund. Ist dieses Gleichgewicht gestört, spricht man in China von einer Disharmonie, die die Gesundheit zerstört und Krankheit zur Folge hat. Hinter dieser Sichtweise stehen die philosophischen Konzepte von Yin und Yang und der chinesischen Energielehre.
Das philosophische Konzept von Yin und Yang beschreibt die Dualität von Begriffen, die einander auf der einen Seite bedingen und einander auf der anderen Seite wieder ausschließen. Grob gesprochen kann man Yin als das weibliche Prinzip und Yang als das männliche bezeichnen. Die Yin-Yang Theorie zieht sich quer durch alle Bereiche der traditionellen chinesischen Medizin. Aufgabe der chinesischen ÄrztInnen ist es, ein gestörtes Yin-Yang Gleichgewicht wieder in Harmonie zu bringen.
Themen der nächsten Folge der Serie „Heilung aus dem Reich der Mitte“: Überblick über die Therapiemethoden der TCM: Akupunktur, chinesische Heilkräuter- und Ernährungslehre, Tuina, Moxibustion und Schröpfen.
Die AutorIn:
Dr. Katrin Bienert ist Allgemeinmedizinerin und TCM-Ärztin und Mutter einer 10-Monate alten Tochter. Sie absolvierte ihre Ausbildung zur TCM-Ärztin an der TCM Akademie, der späteren TCM Uni in Wien, div. Kursen bei anderen Akupunktur- und TCM Vereinen in Österreich, mehreren Chinaaufenthalten in Peking, Hongkong, Kanton, Taipeh und einem dreimonatigen Aufenthalt an der Kyung San University for TCM in Los Angeles.
Dr. Bienert praktiziert in Mödling bei Wien.
tcmed
Friedrich Schiller-Str. 24, 2340 Mödling
Tel 02236/869 499, E-Mail: ordination@tcmed.at, Web: www.tcmed.at
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