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Eine tolle Erfahrung – Europa Donna Advocacy Training

 

Um die Anliegen der Brustkrebspatientinnen besser vertreten zu können, haben sich im Herbst Frauen aus ganz Europa zum Europa Donna „Advocacy Training“ in Mailand getroffen. Europa Donna Österreich konnte zwei Betroffene zu diesem Training nach Mailand einladen.

 

Dr. Karin Gruber, Medizin- und Wissenschaftsjournalistin, sprach mit Mona Lippert-Winkel und Maria Pflaum über ihre Eindrücke.

 

Advocacy – Eintreten für seine Rechte

„Sehr dicht und sehr intensiv“ waren die zwei Tage im November, erzählt Mona Lippert-Winkel vom diesjährigen „Advocacy Training“, das heuer bereits zum 5. Mal stattgefunden hat – mit insgesamt 53 Teilnehmerinnen aus 29 Ländern.

 

„Advocacy“ heißt übersetzt so viel wie Verfechten, Eintreten oder Befürworten. Beim Europa Donna-Treffen konnte frau sich also darin üben, noch besser und effektiver für die Anliegen der Brustkrebspatientinnen einzutreten. Es ist ja ein erklärtes Ziel von Europa Donna, die Gesundheitspolitik im Sinne der Patientinnen mitzugestalten. Konkret geht es derzeit vor allem um die Forcierung von spezialisierten Zentren und um die Einführung europäischer Richtlinien zur Qualitätssicherung in der Mammografie.

 

Der Samstag war den medizinisch-wissenschaftlichen Themen gewidmet und der Sonntag den so genannten Communication Skills. Und die Stimmung? „Sehr gut“, resümiert Maria Pflaum aus Mödling. Alles in allem haben „unsere“ Teilnehmerinnen „viel mitnehmen“ können, das Treffen war eine Bereicherung und die Zeit verging wie im Flug.

 

Ein breit gefächertes Programm

Die Bandbreite des wissenschaftlich-medizinischen Programms war groß und reichte von der Biologie der Entstehung von Krebs über Risikofaktoren, Früherkennung und Behandlungsmethoden bis zur Psychoonkologie. Einer der Vortragenden konnte die Zuhörerinnen besonders begeistern: Dr. Alberto Costa, Brustchirurg und Direktor der European School of Oncology, der es verstand, hochwissenschaftliche Inhalte spannend, leicht zugänglich und praxisnahe darzustellen. Andere wiederum stellten das Auditorium etwas auf die Probe. Auch wenn der Wissensstand von Betroffenen sehr hoch ist, die meisten sind keine Medizinerinnen und daher dankbar für ein dementsprechendes Entgegenkommen in der Darstellung der Inhalte. Frau will ja schließlich nichts verpassen und alles verstehen…

 

Aha-Erlebnisse

Wenn Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern zusammen kommen, treten auch kulturelle Unterschiede zu Tage und die können auch im Kommunikationszeitalter überraschen. So ist Mona Lippert-Winkel aufgefallen, dass die Komplementärmedizin bei den medizinischen Vorträgen völlig gefehlt hat. „Das hätte mich aber sehr interessiert“, sagt sie, „schließlich sind die verschiedenen komplementärmedizinischen Ansätze ja wichtig.“ Im Gespräch mit einem der Vortragenden hat sich dann herausgestellt, dass es hier gravierende Unterschiede zwischen den europäischen Ländern gibt. In Italien oder Frankreich zum Beispiel spielen komplementäre Methoden keine Rolle und gehen anscheinend auch niemandem ab. Nirgends in Europa wird die Komplementärmedizin in der Krebstherapie so geschätzt und auch eingesetzt wie in den deutschsprachigen Ländern. Wer weiß, vielleicht wurde und wird bei den Europa Donna-Treffen der Keim gepflanzt, dass auch andere Länder beginnen, in diese Richtung zu denken.

 

Maria Pflaum erzählt weiters: „Die Standards in den einzelnen Ländern sind auch in Hinblick auf die Schulmedizin sehr unterschiedlich. Wie ich – nicht nur von diesem Advocacy-Training, sondern auch von diversen Kongressen, die ich in den vergangen Jahren besucht habe – weiß, ist zum Beispiel speziell in einigen osteuropäischen Ländern sogar eine Chemotherapie noch nicht selbstverständlich.“

 

Botschaften

Der Sonntag stand unter dem Motto „Communication Skills“. Man konnte viel darüber erfahren und in praktischen Übungen auch lernen, wie man seine Anliegen am besten kommuniziert, damit die Botschaften beim Gegenüber auch ankommen. Sei es im Umgang mit JournalistInnen oder wenn es darum geht, eine Präsentation zusammen zu stellen und einen Vortrag zu halten.

So intensiv das Tagesprogramm auch war, so schön und menschlich bereichernd waren die Abende: gemeinsam essen, miteinander reden und tanzen. Wie man so hört, bleibt so mancher Kontakt bestehen – Mailand war also nicht nur ein Erfolg im Hinblick auf das „Advocacy Training“, sondern auch für das „Netzwerken“ im Sinn der Sache.

 

Zur Person

 

Maria Pflaum ist seit 1994 aktiv bei der „Frauenselbsthilfe nach Krebs“, Verein Mödling und Umgebung und hat 1998 die alleinige Leitung der Selbsthilfegruppe übernommen.

Kontakt: Frauenselbsthilfe nach Krebs – Maria Pflaum, Eichkogelstraße 22, Top 4, 2353 Guntramsdorf, E-Mail: maria.pflaum@aon.at; Tel.: 02236/24 669

 

Mona Lippert-Winkel ist bei keiner Selbsthilfegruppe aktiv, engagiert sich jedoch auf verschiedenen Ebenen für die Anliegen von Brustkrebspatientinnen.

 

 

Die Autorin

Dr. Karin Gruber, promovierte Biologin, wechselte nach einem längeren Japan-Aufenthalt in den Journalismus. Sie arbeitet heute als Gesundheits- und Wissenschaftsjournalistin für Fach- und Publikumsmagazine, ist Co-Autorin medizinischer Ratgeber und in der Öffentlichkeitsarbeit für mehrere wissenschaftliche Institutionen tätig.

 

 
   
 

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