Bei rund 7% aller Brustkrebspatientinnen tritt der Tumor deutlich früher auf: Das erstmalige Auftreten eines Mammakarzinoms vor dem 40. Lebensjahr wird als „Brustkrebs der jüngeren Frau“ bezeichnet.

Insbesondere junge Brustkrebspatientinnen sind im Spannungsfeld Erkrankung – Familie – Beruf vor besondere Herausforderungen gestellt. Zu den medizinischen und psychoonkologischen Aspekten der Brustkrebserkrankung kommen bei jungen Frauen noch weitere, den Lebensabschnitt betreffende Fragestellungen hinzu:

  • Familienstatus
  • Kinderwunsch
  • Betreuung von Kleinkindern
  • Kommunikation mit den Kindern
  • Beruflicher Status
  • Finanzielle Absicherung
  • Allgemeine Lebensplanung

Diese besonderen Anforderungen bedürfen eines interdisziplinären Teams, das gemeinsam mit der Patientin fächerübergreifend die Beratung und Therapieplanung bis hin zur individuell angepassten Nachsorge erarbeitet.

Risikofaktoren für frühen Brustkrebs

  • Genetische Veränderungen

Insbesondere Mutationen im BRCA1 bzw. BRCA2 Gen sind mit einem stark erhöhten Risiko für Brust- und Eierstockkrebs aber auch anderen Krebserkrankungen verbunden, andere Mutationen sind z.B. PALB2, RAD51C, CHEK2 oder PTEN.

  • BMI über 25
  • Diabetes Typ 2
  • Hormonersatztherapie
  • Alkohol- oder Nikotinkonsum
  • Verminderte körperliche Aktivität
  • Höheres Alter bei der ersten Geburt
  • Geringe Geburtenzahl, nicht ausgetragene Schwangerschaft, Nichtstillen
  • Früher Beginn der Wechseljahre
  • Dichte Brust

+++ Mehr zum Thema: Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung +++

Prognose bei jungen Brustkrebspatientinnen

Brusttumoren bei jungen Frauen haben zum Teil eine schlechtere Prognose. Es hat sich gezeigt, dass aggressivere Formen wie tripelnegative sowie HER2-positive Tumoren unter 40 Jahren deutlich häufiger auftreten.

Brustkrebs und Kinderwunsch

Der Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter nach hinten verschoben. Aus diesem Grund steigt die Zahl jener Frauen, die zum Zeitpunkt der Diagnose Brustkrebs ihre Familienplanung  noch nicht eingeleitet oder aber noch nicht abgeschlossen haben.

Ein bestehender Kinderwunsch hat jedoch großen Einfluss auf die weitere medikamentöse Therapie und muss vor Beginn der Therapie bekannt sein. Da eine Chemotherapie zu einer Einschränkung oder zum Verlust der Fruchtbarkeit führen kann, wird Patientinnen vor Therapiebeginn eine spezielle Beratung in einem Kinderwunschzentrum empfohlen. Um die Fruchtbarkeit zu erhalten, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Schutz der Eierstöcke durch Gabe von GnRH-Analoga vor und während der Chemotherapie, Entnahme von Eizellen oder Eierstockgewebe (allerdings sind hier die Erfolgschancen noch fraglich) mit Kryokonservierung.

Brustkrebs in der Schwangerschaft

Wird Brustkrebs während der Schwangerschaft diagnostiziert, sollte – möglichst ohne Zeitverlust – mit der Therapie begonnen werden. Bei rechtzeitigem Therapiebeginn ist die Prognose nicht schlechter als bei Nicht-Schwangeren.

Die Diagnosestellung verläuft wie außerhalb einer Schwangerschaft: Das Ausmaß der Tumorerkrankung (Staging) wird wie bei Nicht-Schwangeren mittels Ultraschalluntersuchung, Mammografie und Biopsie festgestellt. Auch die operative Entfernung des Tumors ist während der Schwangerschaft möglich.

Die anschließende medikamentöse Therapie unterscheidet sich maßgeblich von jener Nicht-Schwangerer: Bestrahlung und antihormonelle Therapien dürfen während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, eine Chemotherapie (Anthrazyklin oder Taxan) ist erst nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel möglich.

Voraussetzungen für die Entbindung sind einerseits ein reifes Kind und andererseits ein mindestens dreiwöchiger Abstand zur letzten Chemotherapie. Die Art der Entbindung richtet sich rein nach geburtshilflichen Aspekten. Stillen ist nur möglich, wenn keine systemische Therapie erfolgt. Ist eine weitere systemische Therapie erforderlich, muss abgestillt werden.

Eine antihormonelle Therapie sowie Antikörpertherapien (Trastuzumab, Pertuzumab) werden, wenn nötig, erst nach der Entbindung begonnen.

Wenn die Therapie wie bei nicht-schwangeren Patientinnen durchgeführt werden kann, verbessert ein Schwangerschaftsabbruch die Prognose für die Mutter nicht.

Nachsorge junger Brustkrebspatientinnen

Die Nachsorge junger Brustkrebspatientinnen unterscheidet sich prinzipiell nicht von den Empfehlungen für andere Patientinnen, umfasst altersbedingt aber einen deutlich längeren Zeitraum. Die Nachsorge junger Brustkrebspatientinnen beinhaltet neben den allgemeinen – für alle Brustkrebspatientinnen wichtigen Maßnahmen – auch spezielle, dem Lebensabschnitt junger Patientinnen angepasste Maßnahmen:

Allgemeine Nachsorge

  • Verbesserung der Lebensqualität
  • Ernährungsberatung
  • Förderung der sportlichen Aktivität
  • Psychotherapie
  • Reduktion therapiebedingter Nebenwirkungen
  • Früherkennung von heilbaren Rezidiven
  • Früherkennung eines kontralateralen Mammakarzinoms
  • Früherkennung von sonstigen Zweitkarzinomen
  • Früherkennung von Metastasen
  • Behandlung von Begleiterkrankungen wie Diabetes, Übergewicht, Nikotinsucht oder Lymphödemen
  • Osteoporose-Vorsorge
  • Behandlung sexueller Funktionsstörungen

Zusätzliche Nachsorgemaßnahmen bei jungen Brustkrebspatientinnen

  • Verhütungsberatung

Während der Brustkrebstherapie dürfen keine hormonellen Verhütungsmittel angewendet werden. Als Alternative eignen sich KondomeKupferspirale (IUD)Vasektomie oder die Eileiterunterbindung.

  • Schwangerschaftsberatung
  • Wechseljahrbeschwerden

Bei bestimmten Chemotherapien oder unter antihormoneller Therapie kann die Regelblutung ausbleiben (sekundäre Amenorrhoe) oder vorzeitig der Wechsel eintreten. Die Symptome sind vergleichbar mit regulären Wechseljahrbeschwerden.

Schwangerschaft nach Mammakarzinom

Eine Schwangerschaft nach der Diagnose Brustkrebs wird in der Regel als Risikoschwangerschaft eingestuft, verschlechtert jedoch die Prognose für die Mutter nicht. Eine Schwangerschaft wird allerdings frühestens vier bis sechs Monate nach Abschluss der an die Operation angeschlossenen Therapie empfohlen. Die üblicherweise für mindestens 5 Jahre empfohlene antihormonelle Therapie bei Hormonrezeptor- positiven Tumoren kann nach bisherigen Daten nach etwa 3 Jahren bei dringendem Kinderwunsch vorzeitig beendet werden.

Besondere Aspekte bei jungen Frauen mit Brustimplantaten

Frauen mit Brustimplantaten haben weder ein erhöhtes Brustkrebsrisiko noch eine schlechtere Prognose. Brustkrebs wird bei Frauen mit Implantaten häufig später festgestellt als bei anderen Frauen: Die Implantate können die Diagnose unter Umständen erschweren.

Vor Durchführung einer kosmetischen Brustoperation wird Frauen ab dem Alter von 35 Jahren daher eine routinemäßige Untersuchung der Brust mittels Ultraschall oder Mammografie angeraten. Diese bildgebenden Verfahren sind auch nach dem Einsetzen von Implantaten weiterhin durchführbar.

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