Es gibt zahlreiche unterschiedliche Therapien, die bei Brustkrebs zur Anwendung kommen.
Hier eine grobe Übersicht.

Antihormontherapie

Eine Antihormontherapie (endokrine Therapie) wird dann eingesetzt, wenn an den Tumorzellen Hormonrezeptoren nachgewiesen werden können. Durch die Gabe von Antihormonen kann die Hormonproduktion des Körpers blockiert bzw. gedrosselt werden. Ebenso können die Rezeptoren an den Tumorzellen blockiert werden, was wiederum das Krebswachstum bremst. Die Antihormontherapie kann mit unterschiedlichen zielgerichteten Therapien kombiniert werden, wodurch deren Wirkung verstärkt wird.

Antikörpertherapie

Die Antikörpertherapie bei einem Mammakarzinom richtet sich gezielt gegen Tumorzellen, indem sie bestimmte Oberflächenstrukturen auf ihnen erkennt und bindet. Damit kann sie das Wachstum der Krebszellen stoppen. Für die zielgerichtete Brustkrebsbehandlung stehen aktuell verschiedene Therapieansätze zur Verfügung (z. B. Antikörper gegen den Rezeptor HER2).

Bisphosphonate und Denosumab

Bisphosphonate und Denosumab werden prinzipiell zu Behandlung von Osteoporose eingesetzt, sie kommen aber auch bei Knochenmetastasen zur Anwendung. Die Medikamente greifen in den Knochenstoffwechsel ein, hemmen die Osteoklasten und führen dadurch zu einer verminderten Knochenresorption. D. h. es kommt zu einer Stabilisierung der Knochen. Die Arzneimittel erhöhen nach weislich die Knochendichte. Sie werden in Tablettenform, mit einer Spritze oder mittels Infusion verabreicht.

Chemotherapie

Unter Chemotherapie versteht man die medikamentöse Behandlung von Krebserkrankungen mit sogenannten Zytostatika. Sie wird entweder als alleinige Therapie oder in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden eingesetzt. Lesen Sie alles über den Ablauf der Chemotherapie, wofür sie eingesetzt wird und welche Risiken sie mit sich bringt.

CDK4/6-Inhibitoren

CDK4/6-Inhibitoren spielen bei der Steuerung des Zellzyklus und somit bei der Zellproliferation eine Rolle. Sie werden zur Behandlung des hormonrezeptorpositiven/HER2-negativen metastasierten Brustkrebs eingesetzt. Die Therapie wird oral verabreicht, die Nebenwirkungen fallen vergleichsweise moderat aus. CDK4/6-Inhibitoren können das progressionsfreie Überleben beträchtlich verlängern.

PARP-Inhibitoren

Bei PARP-Inhibitoren handelt es sich um eine relativ neue, kleine Gruppe von Arzneistoffen, die zur Behandlung von metastasiertem Brustkrebs eingesetzt werden. PARPInhibitoren sind Hemmstoffe eines Enzyms und verhindern, dass Krebszellen Schäden in der Erbinformation reparieren. PARP-Inhibitoren kommen als Alternative zu einer Chemotherapie infrage. Sie wirken besonders gut bei jenen KrebspatientInnen, bei welchen eine BRCA-Mutation vorliegt.

Immuntherapie

Immuntherapien sind Behandlungsformen, bei denen das Immunsystem beeinflusst wird. Hierbei kommen in Abhängigkeit von der Erkrankung modulierende oder substituierende Verfahren zur Anwendung.
Während Chemo- oder Strahlentherapie die Krebszellen von außen schädigen, aktiviert die Immuntherapie das körpereigene Immunsystem und unterstützt es beim Kampf gegen die Tumorzellen (z. B. Immun-Checkpoint-Inhibitoren). Derzeit ist die Immuntherapie nur bei gewissen Formen des triple negativen Mammakarzinoms wirksam.

Weitere zielgerichtete Therapien

Neben den genannten Substanzgruppen existieren noch weitere zielgerichtete Therapien, die bei fortgeschrittenem Brustkrebs zum Einsatz kommen können. Dazu gehört der mTOR-Hemmer Everolimus, orale zielgerichtete Therapien gegen HER2 (Lapatinib, Neratinib) oder Bevacizumab, ein Antikörper, der die Neubildung von Blutgefäßen blockiert.

Operation

Ein Großteil der Brustkrebsoperationen kann heute brusterhaltend durchgeführt werden. Wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung mit einer brusterhaltenden Operation sind unter anderem die chirurgische Erfahrung und die enge Zusammenarbeit der operierenden Ärztin oder des operierenden Arztes mit Ärztinnen und Ärzten aus den Bereichen Pathologie, Radiologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie.

Bei manchen Patientinnen kann vor der Operation eine Chemotherapie (neoadjuvante Chemotherapie) durchgeführt werden, um einen großen Tumor zu verkleinern. In bestimmten Fällen muss eine radikale Brustoperation (Mastektomie) vorgenommen werden, bei der die ganze Brust entfernt wird. Dies ist notwendig, wenn durch eine brusterhaltende Operation der Tumor oder die Tumore nicht vollständig entfernt werden können

Im Zuge einer Operation werden auch ein oder mehrere Achsellymphknoten entnommen. Dadurch lässt sich feststellen, ob diese von Krebszellen befallen sind. Unter bestimmten Voraussetzungen (kleiner Tumor und unauffällige Lymphknoten vor der Operation) gilt es als ausreichend für die Diagnose bzw. Prognose eines Lymphknotenbefalls, zuerst den sogenannten Wächter- oder Sentinel-Lymphknoten zu entfernen. Darunter versteht man den ersten Lymphknoten im Lymphabflussgebiet der Brust, der von Krebszellen befallen wird. Ist dieser tumorfrei, kann auf eine Entfernung der übrigen Lymphknoten verzichtet werden.

Wenn ein metastasiertes Mammakarzinom vorliegt, wird häufig keine Operation der Brust mehr vorgenommen (ABCSG-Studie 28), sondern es wird eine systemische Therapie empfohlen. Möglicherweise können einzelne Metastasen (Oligometastasen) operativ entfernt werden, z. B. in der Leber oder in der Lunge. Da in den meisten Fällen kein kurativer Erfolg mehr möglich ist, zielen die Ärzte auf eine Reduktion der Tumormasse ab.

Strahlentherapie

Bei einer Bestrahlung (Radiotherapie) werden energiereiche Strahlen auf die Stelle des Tumors gerichtet – mit dem Ziel, das Erbgut der Zellen zu schädigen. Während gesunde Zellen diese Schäden eher reparieren können, sterben Tumorzellen durch die Bestrahlung ab. Es existiert eine Höchstdosis an Strahlung, die nicht überschritten werden sollte. Sowohl Knochen- als auch Hirnmetastasen – sowie in Einzelfällen Lebermetastasen – können lokal bestrahlt werden.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Krebsmedikamente und Krebsbehandlungen sind selten frei von Nebenwirkungen. Sie können sich gering bis massiv auf die körperliche und seelische Verfassung der PatientInnen auswirken. Hier ein Überblick über die häufigsten Nebenwirkungen.

    • Fatigue: permanente Müdigkeit und Schlappheit
    • Angst: vor der Diagnose, dem Befund und einem fortschreitenden Krankheitsverlauf
    • Schmerzen: z. B. Wundschmerz, Muskel- und Gelenksschmerzen
    • Übelkeit: unruhiger Magen, Übergeben, Bauchkrämpfe, Appetitlosigkeit
    • Austrocknen der Schleimhäute: betroffen sind z. B. Mund, Nase, Darmschleimhaut, Vagina
    • Lymphödem: Stau der Lymphflüssigkeit im Arm
    • Polyneuropathie: Gefühlsstörungen in Händen und Füßen
    • Hand-/Fußsyndrom: mit schmerzhafter Schwellung und Rötung einhergehende Hautveränderung an Handflächen und Fußsohlen
    • Belastung der familiären Situation: Herausforderung für Familie und Umfeld
    • Arbeitsunfähigkeit: eingeschränkte Belastbarkeit, führt zu finanziellen Einbußen
    • Psychische Belastung: es bedarf in den meisten Fällen professioneller psychoonkologischer Hilfe
    • Veränderte Sexualität: Körperbildproblematik, gemindertes Lustempfinden