Therapie des Hand-Fuß-Syndroms

Zielführend für eine erfolgreiche Therapie ist die frühzeitige Erkennung der ersten Zeichen eines HFS. Ansonsten besteht die Therapie vor allem aus symptomatischen, lokalen Behandlungen. Die Ansätze zur Therapie des HFS überschneiden sich oft mit der Prävention dieser Hautläsion. So wird beispielsweise das zuvor genannte zur Prävention verwendete Vitamin B6 auch zur Therapie eingesetzt. Zur Behandlung der palmar-plantaren Erythrodysästhesie (PPE) werden Corticosteroide eingesetzt. Sie reduzieren laut Gresset, Stanford & Hardwicke, (2006) zwar die Entzündungszeichen, bei längerem Gebrauch können sie allerdings zu einer Verdünnung der Haut führen, und somit die Symptome verschlechtern.

Wie bereits im Kapitel zur Prävention beschrieben wird die Reduzierung bzw. das Stoppen der Chemotherapie-Behandlung auch bei der Therapie der PPE eingesetzt und ist die wissenschaftlich sicherste Methode. Sobald sich die PPE auf einen Grad 0-1 gemildert hat, kann die Zytostatika-Behandlung mit einer eventuellen Dosisreduzierung fortgesetzt werden (Degen et al., 2010). Wie bereits im vorherigen Kapitel beschrieben hat die Dosisminderung keinen negativen Einfluss auf den Therapieerfolg.

Uridin-Creme

Die Therapie des Hand-Fuß-Syndroms mit Uridin-Salbe gewinnt mehr und mehr an Bedeutung, randomisierte, prospektive Studien dazu liegen allerdings noch nicht vor.

Uridin ist Bestandteil der Ribonukleinsäure (RNA) (Wikipedia – Uridin). In einer polnischen Pilot-Studie wurden zehn Patientinnen (unter 5-FU- bzw. Capecitabin-Therapie), die unter einem HFS litten, mit 10% Uridincreme behandelt. Eine Patientin entwickelte ein HFS Grad 1, sechs Patientinnen einen Grad 2 und drei einem Grad 3. Den Patientinnen wurde die 10% Uridinsalbe zwei Mal pro Tag für zwei Monate auf die betroffenen Stellen lokal appliziert. Bei allen zehn Betroffenen stellten sich bereits nach zwei Tagen erste Erfolge ein. Bei allen Frauen verbesserte sich der Schweregrad um mindestens einen Grad, während die Chemotherapie nie unterbrochen werden musste. Vor allem jene Patientinnen mit Grad 3 bestätigten die deutliche Schmerzlinderung durch die Uridinsalben-Behandlung (Pestka A., Partyka D. & Gracz H., 2008).

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen zwar einen positiven Nutzen der Uridincreme, weitere umfangreichere klinische Untersuchungen sind allerdings erforderlich um einen standardmäßigen Gebrauch dieser Salbe als Therapie für das Hand-Fuß-Syndrom zu empfehlen.

Vitamin E

Vitamin E ist Bestandteil aller Zellmembranen. Seine Funktion als fettlöslicher Antioxidant ist die Vorbeugung von einer Zerstörung/Peroxidation von Lipiden. Durch diesen Schutz resultieren stabilere Zellmembranen. Systemische Gabe von Vitamin E und Glukokortikoide hemmen die Entzündungsreaktion und Kollagensynthese, deshalb könnte dieses Vitamin bei Patienten mit HFS hilfreich sein. Diesen Nutzen untersuchten Yamamoto et al. (2010) in einer retrospektiven Multicenter-Studie mit 32 Brustkrebspatientinnen in oraler Capectitabin-Therapie. Patientinnen, die einen Grad 2 (nach NCI) HFS entwickelten bekamen oral Vitamin E mit oder ohne Chemotherapiemodifikation. Die Wirkung setzte innerhalb sieben Tage ab Verabreichung ein. Abschuppen der Haut und Schmerzen ließen schrittweise nach und das Wohlbefinden der Patienten stieg an. Knapp die Hälfte (46,9%) verspürte eine Verbesserung der Symptome unter Vitamin E-Gabe zu 100mg/Tag, auch neurologische Symptome gingen zurück. Dreizehn Patienten hatten trotzdem noch Schmerzen, nach einer Erhöhung der Dosis von Vitamin E auf 400mg/Tag ließen diese allerdings nach. In der retrospektiven Studie von Yamamoto et al. (2010) zeigte Vitamin E 100mg/Tag in 15 von 32 Patienten eine positive Wirkung, deshalb scheinen Vitamin E-haltige Mittel einen Nutzen in der Behandlung von Capecitabin-induziertem HFS zu haben, die Studie ist allerdings mit ihrem retrospektivem Design und der geringen Patientenanzahl nur bedingt aussagekräftig.

Auch Kara, Sahin & Erkisi (2006) sahen einen positiven Aspekt dieses Vitamins. Bei Patientinnen mit metastasierendem Brustkrebs unter Docetaxel-Capecitabin-Kombinationstherapie mit HFS Grad 2-3 begann sich bei einer Vitamin E Gabe von 300mg/Tag per os - ohne eine Dosisminderung der Chemotherapie – nach einer Woche das Hand-Fuß-Syndrom zurückzubilden.

Leider stehen zu diesem Therapiezweig noch keine aussagekräftigen Studien zur Verfügung, weshalb auch dieser nicht allgemein empfohlen werden kann. In verschiedenen Lebensmitteln ist allerdings auch Vitamin E enthalten, im Zuge einer Patientenedukation könnten diese den Patienten nahegelegt werden, um so einen möglichen Erfolg zu erzielen.

Vitamin-E-reiche Lebensmittel sind unter anderem: Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl, Nüsse, Erbsen, Kürbis, Avocado, Mais, Sojabohnen, Fenchel, Leinsamen, Sesam, Sonnenblumenkerne und Distelöl.

Weitere Therapie-Vorschläge

Beuth (2011) schlägt zur Milderung der Symptome kalte Hand- und Fußbäder vor.

Die Verwendung von Bag Balm®, einer antiseptischen Salbe mit Hydroxychinolin in einer Petroleum/Lanolin-Basis scheint ebenso wirksam zu sein wie auch der Gebrauch einer 12,5 prozentigen Urea-Creme (Gresset et al., 2006).

Bei fortgeschrittenem Grad des Hand-Fuß-Syndroms sind eine topische Wundversorgung und Infektionsprophylaxe ebenso angezeigt wie ein Schmerzmanagement mit Analgetika. Auch die Applikation von Dimethylsuphoxide (DMSO) und die intravenöse Verabreichung von Amifostine als Therapie des HFS wurden untersucht, es gibt allerdings keine aussagekräftigen Daten für ihren Nutzen (Von Moos et al., 2008).

Das spanische Unternehmen „Advancell“ führt zur Zeit in Europa eine klinische Phase IIb Studie mit etwa 100 Patienten über ATH008 zur Behandlung des Hand-Fuß-Syndroms durch. Eine bereits durchgeführte Studie bestätigte die Wirksamkeit einer ATH008-Creme bei 5-FU und Capecitabin. Es könnte die Symptome komplett verschwinden lassen und so den Patienten ein Weiterführen der Chemotherapie ohne Dosisminderung ermöglichen. Die Resultate dieser Studie werden noch für 2012 erwartet und die Vermarktung soll Ende 2015 oder Anfang 2016 erfolgen.