Monas Blog

Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, beträgt bei Frauen in Deutschland bis zum 70. Lebensjahr bei unbelasteter Familienanamnese etwa 10 %. In etwa 5 % aller Brustkrebsfälle handelt es sich um eine genetische vererbbare Form, bei der eine Veränderung im Genom der Patientin die Ursache der Erkrankung ist. 

In etwa 50 % aller hereditären Mammakarzinome lassen sich heterozygote Mutationen in den autosomal-dominant vererbten Genen BRCA1 („breast cancer gene“) oder BRCA2 nachweisen. Ungefähr 5 % stehen im Zusammenhang mit Mammakarzinom-assoziierten Syndromen. Für die restlichen 45 % ist der genaue genetische Hintergrund bisher unbekannt. Es werden u. a. kombiniert polygene Varianten verantwortlich gemacht, oder es lassen sich seltene Mutationen in niedrig penetranten Genen wie ATM, CHEK2, BRIP1 und PALB2 nachweisen.

Im April 2010 haben deutsche Wissenschaftler jedoch entscheidend zur weiteren Aufklärung der genetischen Ursachen des hereditären Mamma- und Ovarialkarzinoms durch die Entdeckung eines weiteren hoch penetranten Gens beigetragen: RAD51C oder BRCA3. Pathogene Mutationen wurden in 480 BRCA1- und BRCA2-negativen Individuen aus Familien mit erblichen Mamma- und Ovarialkarzinomen nachgewiesen. Dies entspricht einer Inzidenz von ca. 2 %. Bei reinen, hereditären, BRCA1- und -2- negativen Mammakarzinomfamilien wurden BRCA3-Mutationen allerdings sehr viel seltener, lediglich in 0,3 %, nachgewiesen.

Interessanterweise spielen alle bislang entdeckten Brustkrebsgene, sowohl die Gene BRCA1, BRCA2 und BRCA3, mit hoher Penetranz als auch die Gene ATM, CHK2, BRIP1 und PALB2 mit intermediärer Penetranz eine essentielle Rolle in der genomischen Stabilität von Zellen und sind an DNA Reparaturvorgängen beteiligt. 

 

DNA Reparatur durch homologe Rekombination (HR Pathway).

Krebserkrankungsrisiken

Frauen mit einer Mutation auf dem BRCA1- Gen haben ein bis zu 80 %iges Risiko, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Die Wahrscheinlichkeit, an Eierstockkrebs zu erkranken, liegt bei ca. 45–65 %. Bei einer BRCA2- Mutation liegt die Erkrankungswahrscheinlichkeit bei ca. 70 % für das Mammakarzinom und ca. 20–30 % für das Ovarialkarzinom. 

Keimbahnmutationen im BRCA2-Gen gehen auch mit einem erhöhten Risiko für eine Brustkrebserkrankung beim Mann einher. Das Risiko für Kolon- und Prostatakarzinom ist gleichfalls erhöht. Eine moderate Risikoerhöhung wurde auch für Pankreas-, Zervix-, und Larynxkarzinome beobachtet. 

Auch beim neu entdeckten BRCA3- Gen sind die Krebserkrankungsrisiken bei Mutationsträgerinnen ähnlich hoch. Das lebenslange Risiko liegt für das Mammakarzinom bei 60–80 % und für das Ovarialkarzinom bei 20–40 %.

 

Im Vergleich zur Normalbevölkerung ist das lebenslange Risiko für Brustkrebs rund 10-fach, für Eierstockkrebs zwischen 15- und 40-fach erhöht.

 

Literatur

  1. Kiechle M, Meindl A. Das familiäre Mamma- und Ovarialkarzinom.  Geburtsh Frauenheilk. 2006;  66 1-4
  2. German Consortium for Hereditary Breast and Ovarian Cancer . Comprehensive analysis of 989 patients with breast or ovarian cancer provides BRCA1 and BRCA2 mutation profiles and frequencies fort he German population.  Int J Cancer. 2002;  97 472-480
  3. Meindl A, Hellebrand H, Wiek C et al. Germline mutations in breast and ovarian cancer pedigrees establish RAD51C as a human cancer susceptibility gene.  Nat Genet. 2010;  42 410-414

 

Prof. Dr. M. Kiechle
Ärztliche Direktorin der Frauenklinik· Technische Universität München · Klinikum Rechts der Isar
Ismaninger Straße 22
81675 München

Zwischen der Hormonersatztherapie (HRT) und dem Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, besteht ein eindeutiger Zusammenhang. In der „Million Women-Studie“ (www.millionwomenstudy.org) entwickelten die derzeitigen HRT-einnehmenden Frauen bei der Rekrutierung häufiger als nie zuvor Brustkrebs (angepasstes relatives Risiko). Das Brustkrebsrisiko steigt, je länger die HRT genommen wird.

Hormonersatztherapie (HRT)

Basierend auf einer umfassenden Menge an Beweisen ist die IARC ( International Agency for Research on Cancer) zu dem Schluss gekommen, dass eine langfristige kombinierte Östrogen-Gestagen-Menopausentherapie Brustkrebs verursacht.

Das Brustkrebsrisiko unter einer Hormonersatztherapie wird offenbar nicht nur durch Dauer und Art der Behandlung bestimmt. Maßgebend hierfür ist einer aktuellen Studie zufolge auch der Zeitpunkt des Therapiebeginns.

Das Brustkrebsrisiko nimmt mit der Dauer der Hormonersatztherapie (HRT) zu und mit dem Absetzen der Hormone wieder ab.

Frauen, die gleich zu Beginn der Menopause mit der HRT loslegen, haben ein signifikant höheres Brustkrebsrisiko als Frauen, die damit noch mindestens fünf Jahre warten.

Kontrazeptiva (orale hormonelle Verhütungsmittel)

Kombinierte orale Östrogen-Gestagen Kontrazeptiva sind, insbesondere bei jungen Frauen, mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden.

Frauen, die derzeit oder in jüngster Zeit orale Kontrazeptiva einnehmen bzw. einnahmen, haben ein 15-25% höheres Risiko für Brustkrebs im Vergleich zu Frauen, die noch nie orale Kontrazeptiva eingenommen haben. Dieses Risiko besteht auch 10 oder mehr Jahre nach dem Absetzen der oralen Kontrazeptiva.

 

(https://prevention.europadonna.org/facts-about-lifestyle-and-breast-cancer)

(https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hormonstoerungen/menopause/article/639443/brustkrebs-nach-fruehem-start-hormonersatztherapie.html)

 

Referenzen:

 

Women’s Health Initiative Study (www.whi.org)

Million Women Study (www.millionwomenstudy.org)

CDC - National Center for Health Statistics- What are risk factors for Breast Cancer. Available from: https://www.cdc.gov/cancer/breast/basic_info/risk_factors.htm

EUROCARE 4 study (http://www.eurocare.it/DatabaseEU4/tabid/78/Default.aspx)

Krebserkrankung erhöht das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Gefäßverschlüsse

Eine aktuell bestehende Krebserkrankung ist bekanntermaßen ein starker Risikofaktor für das Auftreten von venösen Thrombosen. Unklar war bisher, ob Krebs auch negativen Einfluss auf das Risiko für das Auftreten von Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Gefäßverschlüssen peripherer Arterien hat. Eine nun im Top-Journal „Haematologica“ veröffentlichte Studie an der Klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie der Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien zeigt erstmals, dass auch das Risiko für diese arteriellen Thrombosen sowie dessen Folgen bei einer Krebserkrankung ebenfalls erhöht ist.


„Wir konnten feststellen, dass das Risiko der arteriellen Thrombose bei bösartigen Tumoren zwar deutlich unter dem venöser Thrombosen liegt, aber innerhalb unterschiedlicher Tumorarten stark variiert“, beschreibt Erstautorin Ella Grilz die neuen Erkenntnisse. „So ist zum Beispiel das Risiko für arterielle Thrombosen bei bösartigen Neubildungen der Nieren und Lungen deutlich höher als bei Mammakarzinomen“ führt sie weiter aus.
Das ist das aktuellste Ergebnis aus der seit 2003 laufenden, prospektiven CATS-Studie (Cancer and Thrombosis Study), in die mehr als 2.000 KrebspatientInnen eingeschlossen sind. Das Hauptaugenmerk der CATS-Studie unter der Leitung von Ingrid Pabinger und Cihan Ay ist die Suche nach Faktoren, die dazu beitragen, das Auftreten venöser Thromboembolien bei KrebspatientInnen vorhersagen zu können.
Risiko einer arteriellen Prognose bei 2,6 Prozent – Mortalität deutlich erhöht


Die aktuellen Ergebnisse im Detail: Innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren liegt die Gefahr einer arteriellen Thrombose für KrebspatientInnen durchschnittlich bei 2,6 Prozent. Das ist zwar deutlich geringer als bei venösen Thrombosen mit etwa 8 Prozent, allerdings ist das Risiko der arteriellen Thrombose bei einzelnen Tumorarten deutlich höher. So kam es zum Beispiel bei PatientInnen mit bösartigen Tumoren der Niere während des zwei Jahre dauernden Untersuchungszeitraums ebenfalls in etwa 8 Prozent der Fälle zu einer arteriellen Thrombose. Außerdem wurde nachgewiesen, dass sich die Sterberate bei PatientInnen, die während ihrer Krebserkrankung einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder peripheren arteriellen Gefäßverschluss erleiden, um das Dreifache erhöht.


Cihan Ay: „Die neuen Resultate demonstrieren, dass eine arterielle Thrombose bei PatientInnen mit maligner Erkrankung mit einer erhöhten Mortalität einhergeht. Daher benötigen die Betroffenen unsere besondere medizinische Aufmerksamkeit, um Komplikationen möglichst gering zu halten.“

In nun folgenden Untersuchungen der CATS-Studie werden potenzielle Biomarker für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Gefäßverschlüsse bei PatientInnen mit bösartiger Tumorerkrankung untersucht. Die seit 15 Jahren laufende „Vienna Cancer and Thrombosis Study“ hat bereits eine Reihe von wichtigen Erkenntnissen gebracht hat, die die klinische Risikoeinschätzung verbessern und zum besseren Verständnis pathophysiologischer Mechanismen Tumor-assoziierter Thrombose beitragen.


Service:  Haematologica „Frequency, Risk Factors, And Impact On Mortality Of Arterial Thromboembolism In Patients With Cancer“ Ella Grilz, Oliver Königsbrügge, Florian Posch, Manuela Schmidinger, Robert Pirker, Irene M. Lang, Ingrid Pabinger, Cihan Ay.

 

Link: http://www.haematologica.org/content/early/2018/05/18/haematol.2018.192419.

 

Rückfragen & Kontakt:
Medizinische Universität Wien
Mag. Johannes Angerer
Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
+431 40160 - 11 501
Mobil: +43 664 800 16 11 501
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http://www.meduniwien.ac.at

(Wien (OTS) – 25.06.2018)