Juni













Forschung am Gewebe

Ich hatte vergangene Woche die Gelegenheit mit Herrn Assoc.-Prof. Mag. Dr. Martin Filipits, Medizinische Universität Wien, Institut für Krebsforschung, ein großartiges Gespräch zu führen, das mir sehr viel Hoffnung für die tollen Erkenntnisse, die aus der Krebsforschung gewonnen werden, gab.

Was mich allerdings ein wenig traurig machte, war der Eindruck, dass in diesem Bereich viel zu wenig Unterstützung angeboten wird!

Die Ziele der Forschung sind:

  • Vorhandenes Wissen zu verbessern
  • Therapien zu verbessern
  • Präzisionsmedizin mit geringst möglichem Nebenwirkungsprofil
  • Optimale Behandlung für jeden Patienten

Die molekulare Forschung wird immer wichtiger. Molekulare Medizin kann allerdings aufgrund der aufwändigen Verfahren nur in speziellen Zentren angeboten werden.

Mittels einer Genanalyse kann bereits abgeschätzt werden, wie hoch die Rezidivrate (Rückfallsrate) ist.

Das AKH Wien bietet seit einigen Monaten molekularbiologische Gewebe-Tests an. Die Kosten dafür werden vom AKH übernommen. Derzeit ist das AKH noch das einzige Zentrum in Österreich, das diese Tests anbietet.

Wird Tumorgewebe aufgehoben?

Grundsätzlich sollte Tumorgewebe von der Pathologie eines Krankenhauses mindestens 10 Jahre aufbewahrt werden. Das Gesetz erlaubt jedoch, dass Tumorgewebe wegen "Platzmangels" auch weggeworfen werden darf !?! Damit wird ein unheimlicher "Schatz" für die Forschung eleminiert.

Ich denke, dieses THEMA ist wirklich unheimlich wichtig, aufgegriffen zu werden.

Derzeit müsste noch jeder einzelne Patient um seine Zustimmung gefragt werden.

Es kann doch nicht so schwierig sein, vorab - ähnlich wie bei einer Patienten-Verfügung - dass der Patient/die Patientin die Erlaubnis erteilen
kann, an seinem Gewebe zu forschen, wenn er/sie dies möchte.

 

DIE FORSCHUNG BENÖTIGT DRINGEND GELD !!!

 

Trotzdem Österreich ein ausgesprochen gutes Krebsrahmenprogramm hat, befindet es sich EU-weit ziemlich weit hinten, staatliche
Unterstützung/Förderung betreffend.....

Appellieren wir gemeinsam für ein Vorantreiben der Forschung. Dies würde letztendlich ja schließlich auch viele Spätkosten ersparen.

Nächster Schritt:

"Liquid Biopsie" - Untersuchung aus dem Blut

Tumorzerfallsprodukte geben Stoffe (Informationsmaterial) ins Blut ab und können mittels komplexer Analysen aus der gesamten Menge des Blutes
herausgefiltert werden. Somit können im Zuge einer "normalen" Blutabnahme, wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden.

.......................

Informationen unter:

(https://www.abcsg.at/abcsg-research/forschung-am-gewebe/)


Die Tumorbank der ABCSG

Schneller und effizienter

Die rasche Entwicklung in der Genom- und Proteomforschung eröffnet neue Perspektiven für die medizinische Diagnostik und Therapie von
Krebserkrankungen. Die ABCSG will diese Erkenntnisse optimal nutzen und mit einer Tumorbank den Kampf gegen die beiden Krebsarten Mamma- und
kolorektales Karzinom noch schneller und noch effizienter führen.

Gewebe sammeln und auswerten

Tumorgewebe enthält wichtige Informationen über genetische und andere molekulare Veränderungen im Tumor, die zur Krebserkrankung führten. Diese
Informationen können mittels moderner molekularbiologischer und biochemischer Methoden entschlüsselt und für die Krebsforschung genutzt werden.
Voraussetzung dafür ist eine Tumorbank, in der sowohl Tumor- als auch gesundes Gewebe eingelagert und verglichen wird.

Neu in Österreich

Die ABCSG verfügt durch ihre jahrelange klinische Forschungsarbeit über eine detaillierte Sammlung von Patientendaten. Das ist eine hervorragende
Basis und steigert den wissenschaftlichen Wert einer Tumorbank, die es in dieser Kombination in Österreich noch nicht gibt.

Aufklärung

Aufgabe der ABCSG ist es, den Tumorpatienten im Vorfeld bewusst zu machen, dass ihnen kein Schaden durch die Einwilligung entsteht, ihr Tumorgewebe
einer Tumorbank zur Verfügung zu stellen. Sie leisten vielmehr einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer
Verfahren. Die Ethikkommission wird, wie bei allen klinischen Studien der ABCSG, als behördliche Überwachungsinstanz herangezogen.

Ethik

Die Einreichung von abcsg.research bei der Ethikkommission als translationales Forschungsprojekt erfolgte unter dem Projekttitel „Vorhersage des
Ansprechens oder der Resistenz von Tumoren unter einer Therapie mit antihormonell wirksamen Substanzen und/oder einer Chemotherapie mit Taxenen“.
Bei dem Projekt handelt es sich um nicht-therapeutische biomedizinische Forschung am Menschen (Grundlagenforschung). Im Projektantrag sind neben
dem wissenschaftlichen Protokoll auch Patienteninformation/Einwilligungserklärung und die Vorschrift zur Asservierung von Gewebeproben von der
Ethikkommission genehmigt. Diese Einreichung wird jährlich von der Studienzentrale der ABCSG aktualisiert.

Therapieansprechen

Die Charakterisierung neuer prognostischer Parameter, die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze, sowie die Vorhersage, wie PatientInnen auf
verschiedene Therapien ansprechen werden, sind erstmals in Reichweite und führen Schritt für Schritt zu einer Individualisierung der Tumortherapie.

Aufbewahrung

In einer Tumorbank wird frisches und unfixiertes Tumor- und korrespondierendes Normalgewebe im Rahmen der Schnellschnittuntersuchung gewonnen,
danach in flüssigem Stickstoff schockgefroren und bei ca. -80 Grad in speziellen Kühlschränken oder Stickstofftanks gelagert.

Zusammenspiel

Die dazu nötige Logistik sowie Unterstützung der PathologInnen wird nun im Rahmen des ABCSG-Projektes bereitgestellt. Zusätzliche Informationen wie
Krankheitsverlauf, Behandlung, Familienanamnese und Labordaten steigern letztlich die wissenschaftliche Effizienz einer Tumorbank um ein
Vielfaches. Genau über diese Daten verfügt eine österreichweit agierende Studiengruppe wie die ABCSG.

Zentren

Das Probenmaterial wird unter strenger Beachtung der Gesetze und des Datenschutzes – gesammelt, unter Einhaltung von Good Laboratory Practice (GLP)
in der Tumorbank aufbereitet, und im Sinne des kooperativen Leitmotivs der Studiengruppe gemeinsam wissenschaftlich genutzt.

Das Comprehensive Cancer Center Vienna (CCC) hat sich als Aufgabe gesetzt, PatientInnen mit Tumorerkrankungen bestmöglich nach neustem medizinischem Standard zu behandeln.


Die enge Vernetzung von wissenschaftlicher Forschung auf dem Bereich der Krebsentstehung und -behandlung mit der klinischen Versorgung bietet das größtmögliche Spektrum an Diagnose- und Therapieverfahren.

Durch die laufenden wissenschaftlichen und praktischen Arbeiten am CCC auf den Gebieten der Tumorvorbeugung, -früherkennung, -diagnostik, -therapie, -nachsorge, Datenerfassung und -verarbeitung und durch die gemeinsame und interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Fachrichtungen am AKH Wien kann Ihnen die bestmögliche Behandlung und Betreuung geboten werden. 

PatientInnen profitieren aber auch durch ein universales Qualitätsmanagement, indem standardisierte Leitlinien und festgelegte Abläufe kontinuierlich aktualisiert werden und somit zu noch mehr Sicherheit in der Diagnose und Behandlung führen.

Es gibt ein gemeinsames Ziel mit den PatientInnen: Den Krebs zu überwinden!

Aus- und Weiterbildung aller in der Onkologie tätigen Personen gehören zu den Kernanliegen des Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien.

Das CCC hat daher für alle Berufsgruppen, aber auch für PatientInnen und Angehörige passende Formate entwickelt, die regelmäßig angeboten werden.

Für Angehörige der Pflegeberufe wurde die Vortragsreihe Cancer Care ins Leben gerufen, die seit 2015 in Form einer Fachtagung abgehalten wird. Anlässlich dieser Veranstaltung sprechen national und international anerkannte ExpertInnen zu unterschiedlichen Aspekten der onkologischen Pflege. 

Cancer Care 2015:

Die erste CCC-Fachtagung für onkologische Pflege war voller Erfolg

Über 70 PflegeexpertInnen des AKH Wien und anderer Häuser waren am 13. Mai 2015 der Einladung zu Cancer Care 2015, dem ersten Kongress für onkologische Pflegeberufe gefolgt.

Neben einem hochkarätigen Vortragsprogramm österreichischer ExpertInnen bot die Tagung ihren TeilnehmerInnen viel Raum für vertiefende Gespräche und die ausgezeichnete Gelegenheit sich mit den Kolleginnen zu vernetzen. Die Teilnahme am CCC-Cancer Care 2015 war kostenlos.

Die Bandbreite des Vortragsprogramms war groß.

Es reichte von der Auseinandersetzung mit psychologischen Aspekten der Tumorerkrankung über Einblicke in die Tumorbiologie bis zu neuen Erkenntnissen aus dem Bereich der Palliativpflege und informierte über Unterstützungsangebote für Betroffene.

Die Organisatoren widmeten darüber hinaus auch der Perspektive der PatientInnen einen Schwerpunkt:

Auch ich durfte einen Beitrag zu dieser spannenden Tagung liefern.

Auszug aus dem Bericht:

"Mit Frau Mona Knotek-Roggenbauer, Präsidentin von Europa Donna Austria, Advocacy / Interessensvertretung von Brustkrebs-PatientInnen und Tobias Wisak, Präsident von PAN-Austria, konnten zwei Vortragende gewonnen werden, die aus erster Hand über ihre Erfahrungen mit onkologischer Pflege berichten konnten"

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Natalija Frank, Executive Manager for Clinical Research und zuständig für PatientInnen-Angelegenheiten am CCC, zu Cancer Care 2015: „Wir haben von allen Seiten ein ausgezeichnetes Feedback für unsere Tagung und ihr Programm erhalten. Das motiviert uns und natürlich sehr, nächstes Jahr erneut eine Fachtagung für onkologische Pflegeberufe auf die Beine zu stellen. “

 

Cancer Care 2015: erste CCC-Fachtagung für onkologische Pflege war voller Erfolg

 

Mit einem neuen Testverfahren kann am Brustgesundheitszentrum des Comprehensive Cancer Center Vienna (CCC- bgz) der Medizinischen Universität Wien und des AKH Wien das Rückfallrisiko einer an Brustkrebs erkrankten Patientin noch besser bestimmt und die Therapie darauf zielgenau, individualisiert und rasch ausgerichtet werden.


Die herkömmliche Prognoseabschätzung allein anhand der klinischen Parameter, wie Tumorgröße, Lymphknotenbefall, Alter und Hormonempfindlichkeit bzw. Hormonrezeptorstatus, kann gerade bei Frauen mit einem mittleren oder niedrigen Rückfallrisiko schnell zur Gabe einer nicht nötigen und belastenden Chemotherapie führen.

Prosigna®-Test

Mit dem „Prosigna®-Test“ wird sowohl das Rückfallrisiko der einzelnen Patientin abgeschätzt, als auch der Tumor einer bestimmten biologischen Subgruppe des Mammakarzinoms zugeordnet. Diese Informationen dienen der Entscheidung zur unterstützenden medikamentösen (adjuvanten) Therapie nach der Operation.

Der „Prosigna®-Test“ ist ein so genannter Gensignaturtest, der die Aktivität von 50 verschiedenen Krebsgenen im Tumor bestimmt. „Es werden vor allem Sequenzen gesucht, die mit der Wachstumsaktivität und somit der Aggressivität des Tumors assoziiert sind“, erklärt Prof. Gnant. Der Test wurde in den Vereinigten Staaten entwickelt und ist dort von der FDA (Food and Drug Administration) für die klinischen Routine zugelassen. Eine CE-Zertifizierung für die Europäische Union, und damit die Zulassung für die klinische Anwendung, besteht bereits ebenso.

CCC- bgz ist Vorreiter

Prof. Michael Gnant, Vorstand der Universitätsklinik für Chirurgie der Medizinischen Universität Wien und des AKH Wien, stv. Leiter des CCC und Präsident der Austrian Breast and Colorectal Cancer Study Group, erläutert: „In Österreich, sowie in den angrenzenden ost-europäischen Ländern sind wir die erste Universitätsklinik, die den Prosigna®-Test in ihre klinische Arbeit für eine individualisierte Therapieempfehlung für die Patientin einbezieht.“

Die Aufarbeitung des Tumors erfolgt am Institut für Klinische Pathologie der MedUni Wien aus Formalin-fixiertem Gewebe, das für die histopathologischen und molekularen Untersuchungen aufbewahrt wird.

Datensicherheit

Im Vergleich zu ähnlichen Gensignatur-Tests, die auf dem Markt angeboten werden, findet sowohl die Tumoraufarbeitung als auch die Messung und Auswertung der Tumoraktivität im Labor des Universitätsklinikums und nicht in zentralen Laboratorien der herstellenden Unternehmen im Ausland statt.

„Damit sorgen wir für eine größtmögliche Datensicherheit“, sagt Prof. Christian Singer, stellvertretender Leiter des Brustgesundheitszentrums. Zudem liegt das Testergebnis auch und insbesondere bezüglich des späten Rückfallrisikos und der Einteilung in die biologische Subgruppe bereits wenige Tage nach der Operation vor und kann zeitnah bei der interdisziplinären Tumorkonferenz des Brustgesundheitszentrums zur Therapieempfehlung mit heran gezogen werden.

Rasche klinisch relevante Ergebnisse

Die gesamte molekularpathologische Untersuchung findet vor Ort am Klinischen Institut für Pathologie der MedUni Wien statt. Somit kommt es zu keinem Zeitverlust durch die Versendung des Tumormaterials.

Der Prosigna®-Test wurde an über 2400 Patientinnen in zwei prospektiv geplanten klinischen Studien mit einer Verlaufskontrollzeit von über mehr als 10 Jahren validiert, an der maßgeblich auch die „Austrian Breast Cancer Study Group“ (ABCSG) um Michael Gnant beteiligt war.

Bis zu einem Drittel weniger Chemotherapien

In Österreich erkranken jedes Jahr etwa 5.200 Frauen an einem Mammakarzinom (Brustkrebs). In den meisten Fällen liegt kein Lymphknotenbefall vor und die meisten Tumoren sind Hormonrezeptor-positiv d.h. sie sind empfindlich für weibliche Sexualhormone (Östrogene).

Vom Prosigna®-Test wird erwartet, dass er unter den Patientinnen mit Hormonrezeptor-positiven Tumoren diejenigen identifizieren kann, die nur ein sehr geringes Rückfallrisiko haben (sogenannter Luminal A-Typ; unter zehn Prozent Rezidivrisiko in den nächsten zehn Jahren) und mit einer reinen antihormonellen Therapie ausreichend behandelt sind.

Andere hormonrezeptorpositive Tumoren haben Eigenschaften, die ein hohes Rezidivrisiko annehmen lassen (sogenannter Luminal B-Typ), Patientinnen mit diesen Tumoren bedürfen im Allgemeinen einer adjuvanten (unterstützenden) Chemotherapie.

Gnant: „Durch den Einsatz des Prosigna®-Tests erhofft man sich, etwa einem Drittel der betroffenen Patientinnen eine Chemotherapie zu ersparen, da sie nur ein geringes Rückfallrisiko innerhalb der nächsten zehn Jahre haben.“ Die Therapie wird damit noch besser auf die individuellen Tumoreigenschaften ausgerichtet: Sie werden effektiver eingesetzt und Übertherapien sowie damit verbundene Nebenwirkungen können vermieden werden.

Nach über einem Jahrzehnt ist es endlich soweit – die Daten der größten Brustkrebsstudie Österreichs liegen vor!

Die Studie 18 der ABCSG (Austrian Breast Cancer and Colon Study Group) ist ausgewertet und das Ergebnis ist eindeutig:

Die Frakturzahl konnte halbiert, AI (Aromataseinhibitor/Aromatasehemmer)-induzierte Osteoporose gemäß Knochendichtemessung als Langzeitfolge der endokrinen Krebstherapie nun maßgeblich reduziert werden.

Die größten Erfolge der ABCSG:

Seit Beginn der jahrzehntelangen Forschungstätigkeit der ABCSG steht die Frage im Mittelpunkt, ob sich durch neue Medikamente, Änderungen bei den Dosierungen oder auch durch erweiterte Einsatzformen unterschiedlicher Krebstherapien bessere Prognose- und Behandlungsmöglichkeiten für PatientInnen ableiten lassen. Dabei erzielten die ÄrztInnen der ABCSG bemerkenswerte Erfolge.

Zu 90 % Brusterhaltung

Patientinnen mit kleineren Tumoren und nicht-befallenen Lymphknoten können in ABCSG-Zentren in 90 % aller Fälle brusterhaltend operiert werden. Diese für die betroffenen Frauen sehr positive Entwicklung ist der intensiven Forschung und den dadurch entstandenen neuen Therapiemöglichkeiten zu verdanken. Die Erfolgsrate in Österreich ist nunmehr dreimal höher als in den 1990ern und z.B. deutlich höher als in den USA.

ABCSG 5: Antihormontherapie anstelle von Chemotherapie (2002)

Die Erkenntnis, dass die Überlebenschancen von Brustkrebspatientinnen vor der Menopause entscheidend steigen, wenn nach dem chirurgischen Eingriff statt der klassischen Chemotherapie eine kombinierte Antihormontherapie verabreicht wird, war der Durchbruch für die ABCSG. Die Studie ABCSG 5 erregte bei der Publikation 2002 internationales Aufsehen. Sie wurde bei der Festlegung der „Internationalen Richtlinien für die adjuvante Therapie des primären Mammakarzinoms“ maßgeblich berücksichtigt.

Das war der erste große Erfolg der österreichischen Studiengruppe und vor allem ein Erfolg für die Patientinnen, die seither von einer wesentlich nebenwirkungsärmeren Antihormontherapie profitieren.

ABCSG 6a: Therapieverlängerung bringt Sicherheit (2005)

Ziel der Studie war die Klärung der Frage, ob durch eine Therapieverlängerung auf insgesamt 8 Jahre nach der Operation die Chancen der Patientinnen gesteigert werden können, die Krebserkrankung zu überleben.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Frauen profitierten von einer verlängerten Antihormontherapie mit dem Aromatasehemmer in einem unerwartet hohen Ausmaß. Das neuerliche Auftreten von Brustkrebs konnte dadurch um 36 % reduziert werden.

ABCSG 8: Switch in der Behandlung (2008)

Beim Brustkrebssymposium in San Antonio/Texas (SABCS), einem der bedeutendsten Treffpunkte der internationalen Elite der KrebsforscherInnen, wurden 2008 zwei weitere Forschungsergebnisse der ABCSG präsentiert, die mittlerweile weltweit Beachtung fanden.

Zum Einen das neue Behandlungskonzept für hormonrezeptorpositive Frauen nach der Operation. Sie erhalten jetzt 2 Jahre lang das Antiöstrogen Tamoxifen, das schon bis dahin zur Behandlung eingesetzt wurde, und danach 3 Jahre lang den Aromatasehemmer Anastrozol. Diese „Switch-Therapie“ reduziert die Gefahr einer neuerlichen Tumorbildung um 40 %!

ABCSG 12: Entscheidende Erkenntnis (2008)

Auch das zweite Studienergebnis, das in San Antonio vorgestellt wurde, ist für Krebspatientinnen von großer Bedeutung. Viele litten an Osteoporose, einer Nebenwirkung der an sich erfolgreichen Krebsbehandlung. Der ABCSG gelang der Nachweis, dass die zusätzliche Gabe des Bisphosphonates Zoledronat zur Standardtherapie diesen Effekt verhindern und so das Risiko von Knochenbrüchen entscheidend reduzieren kann.

ABCSG 12 goes around the world (2008-2011)

Jüngeren Datums schließlich sind die Erkenntnisse, dass dieses Bisphosphonat bei Frauen mit einem frühen Brustkrebs die Aussichten steigert, Rezidive zu verhindern – also auch einen Antitumoreffekt hat. Im Vergleich zu einer ausschließlichen Antihormontherapie verbessern sich die Aussichten auf Rezidivreduktion und die Überlebenschancen steigen dramatisch: Mehr als 98 % der Teilnehmerinnen der Studie 12 waren 5 Jahre nach der Diagnose noch am Leben, auch ohne adjuvante Chemotherapie.

Dieses Ergebnis sorgte für große internationale Aufmerksamkeit und zählte zu den wissenschaftlichen Highlights am ASCO 2008, sowie 2010 und 2011. Auch die renommierte Zeitschrift „The Lancet Oncology“ publizierte in ihrer Juni-Ausgabe 2011 die 62-Monate-Follow-up-Daten der Studie.

Die 84-Monatsdaten konnten mittlerweile alle Ergebnisse bestätigen: Die Wahrscheinlichkeit für Rezidive kann durch Zoledronat um 28 % verringert werden, das Gesamtüberleben der Patientinnen verbessert sich um rund 36 %.

ABCSG 14 und ABCSG 24: Fokus auf die neoadjuvante Therapie (2004 und 2009)

Die ABCSG legt schon seit längerem einen Schwerpunkt ihrer klinischen Forschungsarbeit auf innovative neoadjuvante Therapien. Erste Erfolge zeigten sich bereits 2004, als in ABCSG 14 der positive Effekt einer neoadjuvanten Therapie nachgewiesen werden konnte: Eine Verdoppelung der Chemotherapiezyklen vor der Operation von 3 auf 6 brachte signifikante Verbesserungen. Die pathologische Komplettremission, wonach zuvor bestehende Tumor-Manifestationen nicht mehr nachweisbar waren, stieg von 7 auf 18 %.

Die Fortsetzung dieser Untersuchungen erfolgte in der Studie 24, an der in Österreich 536 Patientinnen teilnahmen. Demnach stieg der Anteil jener Patientinnen, bei denen eine pathologische Komplettremission (pCR) nachgewiesen werden konnte, in der Gruppe mit Epirubicin + Docetaxel + Capecitabine auf 24 %. Das sind um 50 % mehr als bei den Patientinnen, die mit der Standardtherapie Epirubicin + Docetaxel behandelt wurden, wo bei 16 % keine lebenden Krebszellen mehr vorgefunden wurden.

ABCSG 18: Osteoporoserisiko halbieren

2006 startete die größte ABCSG-Studie mit 49 Zentren in Österreich und 5 in Schweden. Insgesamt 3.425 Patientinnen nahmen daran teil, im August 2013 wurde die letzte Patientin in die Studie eingeschlossen. Untersucht wurde bei Mammakarzinompatientinnen unter Aromatase-Inhibitor-Therapie, ob der Antikörper Denosumab das therapieinduzierte Osteoporoserisiko reduziert.
Am 26. März 2014 wurde der erste Meilenstein PADCD (Primary Analysis Data Cut-Off Date) mit 247 klinischen Frakturen erreicht – die Ergebnisse liegen mittlerweile vor und sind überraschend eindeutig. Das therapieinduzierte Osteoporoserisiko kann um 50% reduziert werden!
Ohne zusätzliche Toxizität halbiert die Gabe von 60 mg Denosumab zweimal pro Jahr subkutan klinische Frakturen, außerdem erhöhte sich die Knochendichte in der Wirbelsäule um 10 Prozent, in der Hüfte um rund 8 Prozent und im Oberschenkelhals um 6 Prozent.
Diese lang erwarteten Daten werden beim Annual Meeting der American Society of Clinical Oncolocgy (ASCO, 29.5.-2.6.) in Chicago präsentiert und in dem renommierten Journal “The Lancet” publiziert.

 

Interview mit Herrn Univ.Prof.Dr. Michael Gnant

Herr Prof. Gnant, heuer feierten sie bereits 30 Jahre ABCSG und jetzt dieser herausragende Erfolg.

Ja, 30 Jahre ABCSG war ein Jubiläum und gleichzeitig auch die Möglichkeit um Inne zu halten, was man erreicht hat und was man erreichen will.

Es ist eine gemeinsame Anstrengung von bisher 255000 in Studien eingeschlossenen PatientInnen und der Studiengruppe.

Als Präsident freue ich mich so, wie Eltern sich freuen, wenn die Kinder gedeihen. Die PatientInnen sind die eigetlichen HeldInnen der Forschung, ohne sie wäre ein Weiterkommen nicht möglich. Sie helfen sozusagen Wissen zu schaffen.

Wieviele Ärzte sind in Österreich an diesen Studien beteiligt ?

Es sind ca. 100 Ärzte, die unmittelbar daran arbeiten und 800 aktive Prüfärzte in ganz Österreich. Aber es wird weniger. Interdisziplinarität ist zur Normalität geworden.

Große Erfolge machen die nächsten Erfolge schwieriger. Wir befinden uns bereits auf einem sehr hohen Level. Deshalb ist "Bodenhaftung" sehr wichtig.

Die ABCSG wird auf der ganzen Welt bewundert. Es ist nicht so leicht, dies in die Zukunft zu übertragen.

Am Montag, den 1. Juni wurde unsere Studie 18 publiziert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Bei PatientInnen, die zur Therapie einen Aromatasehemer bekommen, konnten durch Osteoporose hervorgerufene Knochenbrüche um die Hälfte reduziert werden, worüber wir uns natürlich sehr freuen.

Wir verstehen den "Feind" immer besser. Wissenschaft ist die Grenze zwischen Wissen und Unwissen. Immer mehr werden Molekularbiologen gebraucht, deren "Sprache" von den Ärzten nicht mehr verstanden wird. Außerdem steht wenig Geld für die Forschung zur Verfügung.

Vielen Dank, Herr Prof. Gnant für dieses spannende Interview.

Mehr zu lesen unter:

https://www.abcsg.at/meilenstein-abcsg-18-liefert-sensationelle-ergebnisse/