Februar

Weltweit wenden bis zu 63 Prozent aller Krebspatienten Heilkräuter an. Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, stehen Naturheilverfahren besonders offen gegenüber. Doch dass sie zusätzlich zu ihrer Chemotherapie noch Heilpflanzen oder andere komplementäre Medikamente einnimmt, verschweigt jede zweite Frau ihrem Arzt. Das ist gefährlich!

Denn auch Heilpflanzen können Nebenwirkungen haben. Und bei einer falschen Anwendung sogar große Schaden anrichten.

Der wichtigste Grund dafür: Die Inhaltsstoffe einiger Pflanzen beeinflussen die so genannte Bioverfügbarkeit von Präparaten, die zur Chemotherapie gegen bösartige Tumoren eingesetzt werden. Das heißt, die Ausbreitung und Verteilung dieser Antikrebsmittel im Körper, ihr Abbau und ihre Ausscheidung werden durch die gleichzeitige Einnahme von Heilpflanzen verändert. Das beeinträchtigt die Wirkung, die die Ärzte durch die Gabe dieser Chemotherapie erzielen wollen.

Bitte immer – vor der Einnahme eines (auch scheinbar harmlosen) Naturheilmittels Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten !

"KOKON"-Projekt

Welche ergänzenden oder komplementären Heilverfahren gibt es? Wie kann ich selbst meine Behandlung sinnvoll unterstützen? Wo finde ich verlässliche Informationen dazu? Diese Fragen stellen sich an Krebs erkrankte Menschen immer häufiger: Mehr als die Hälfte aller Betroffenen greifen im Verlauf der Therapie auf Komplementärverfahren zurück.

Das vor einiger Zeit gestartete „KOKON“-Projekt, ein Zusammenschluss mehrerer Kliniken und Forschungsinstitutionen, hat das Ziel, verlässliche und wissenschaftlich ausgewertete Informationen für Patienten und alle in der Onkologie beschäftigten Berufsgruppen bereitzustellen.

Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt über einen Zeitraum von drei Jahren mit 2,5 Millionen Euro.

In der häufig lebensbedrohlichen Situation einer Krebserkrankung wollen viele Betroffene nichts unversucht lassen. Neben der schulmedizinischen Behandlung suchen viele Krebspatienten nach alternativen und komplementären Therapieformen.

„Dabei stoßen sie auf ein schier endloses Angebot an Methoden und Heilmitteln, Philosophien und Ratschlägen“, erklärt Dr. Markus Horneber vom Zentrum für Onkologie und Hämatologie am Klinikum Nürnberg. Neben einer Vielzahl an pflanzlichen Präparaten werden auch Nahrungsergänzungsmittel, spezielle Entspannungstechniken und körperliches Training sowie Methoden aus der traditionellen chinesischen Medizin angeboten.

„Es ist schwer, sich in dieser Informationsvielfalt zurechtzufinden. Nicht nur für Patienten, sondern auch für Ärzte und Pflegekräfte“, so Horneber weiter.

Der Mediziner ist Sprecher des wissenschaftlichen Verbundprojektes „Kompetenznetz Komplementärmedizin in der Onkologie“ der Deutschen Krebshilfe, kurz „KOKON“. Auch qualitativ decken Komplementärverfahren eine große Bandbreite ab: „Von seriösen Methoden bis hin zu gefährlichem Pfusch ist alles möglich“, so Horneber weiter. Auch das am harmlosesten erscheinende Präparat könne beispielsweise die Wirkung einer Chemotherapie stören.

Ziel des Projektes ist es, das Wissen über alternative Methoden in der Krebstherapie zu sammeln und wissenschaftlich zu bewerten. Dazu werden zunächst Krebspatienten und im Gesundheitswesen Tätige zu ihren Informationsbedürfnissen befragt. Diese Erkenntnisse sollen zukünftig in Form einer allgemein zugänglichen Informationsplattform verfügbar sein. Zudem wollen die Experten ein Netzwerk von Beratungsstellen einrichten, an die sich Interessierte wenden können. Fort- und Weiterbildungsangebote für Ärzte und Pflegekräfte runden das Programm ab.

„Uns geht es vor allem darum, dieses Feld der Patientenversorgung zu professionalisieren“, erläutert Horneber. „Bei vielen Betroffenen ist es zudem nicht notwendig, zu fragen, welche Therapie in Frage kommt, sondern ob es überhaupt sinnvoll ist, auf komplementäre Verfahren zurückzugreifen.“ Generell gilt: Komplementärmedizinische Methoden sollten immer nur ergänzend zu einer professionellen onkologischen Behandlung durch Fachärzte angewendet werden. Sie können aber die Nebenwirkungen der belastenden Therapie lindern und Hilfen für die Auseinandersetzung mit der Krankheit bieten.

(www.krebshilfe.de)

Herr Prof. Crevenna, Sie sind der meistgenannte Experte zum Thema „Onkologische Rehabilitation“. Was kann man sich darunter vorstellen?

Eine onkologische Erkrankung betrifft sämtliche Aspekte des Lebens. An Krebs erkrankte Patienten erleiden u.a. auch Funktionsstörungen und Defizite und werden durch Symptome beeinträchtigt, die nicht nur durch die Krebskrankheit selbst, sondern oftmals auch durch Begleit- und Folgeerkrankungen und vor allem durch die für das Überleben unbedingt notwendigen onkologischen Therapien, wie Operation, Chemo- und/oder Strahlentherapie (mit)bedingt werden können.

Welche Ziele hat die onkologische Rehabilitation?

Onkologische Rehabilitationsziele sind somit in erster Linie die Aufgabe der Fokussierung auf die beim Patienten vorhandenen Symptome, Defizite und Funktionseinschränkungen. Diese unterteilen sich

  1. in allgemeine, die bei fast allen onkologischen Erkrankungen vorkommen, und
  2. in spezifische, die bei gewissen Tumorentitäten spezifisch und typischerweise auftreten können.

Worauf basiert die onkologische Rehabilitation?

Die onkologische Rehabilitation basiert auf vier Säulen.

Welche sind das?

Säulen der onkologischen Rehabilitation sind:

  • Physikalische Medizin und Rehabilitation, hier v.a. die Medizinische Trainingstherapie, Physiotherapie und Ergotherapie
  • Diätologie und Ernährungstherapie
  • Psychoonkologie
  • Information mit Schulungen der Patientinnen und Patienten, die die langfristige Nachhaltigkeit der oben genannten Maßnahmen sichern soll.

In Österreich ist seit einigen Jahren das Angebot der stationären onkologischen Rehabilitation etabliert.

Was versteht man unter stationärer onkologischer Rehabilitation?

Das stationäre Angebot für in Frage kommende Patienten umfasst stationäre onkologische Rehabilitationszentren bzw. Betten u.a. in Bad Sauerbrunn, Bad Tatzmannsdorf, Treibach/Althofen, St. Veit im Pongau, Bad Erlach, Judendorf-Straßengel, Bad Schallerbach, Münster, Wolfsberg, Walchsee etc., wobei zwischen Zentren für (allgemeine) onkologische Rehabilitation von jenen mit mehr organspezifischer Ausrichtung und jenen mit symptomspezifischem Angebot (Lymphödem) unterscheiden.
Die stationäre onkologische Rehabilitation in Österreich zeigt eine sehr zufriedenstellende Entwicklung, wie auch der Kongress der Gesellschaft zur Erforschung onkologischer rehabilitativer Grundlagen (kurz GEORG) „OnkoReha interdisziplinär & multiprofessionell 2016“ im Jänner 2016 in Wien einmal mehr zeigen konnte.

Wer ist der typische Patient/die typische Patientin für eine OnkoReha?

Der typische Patient für eine stationäre onkologische Rehabilitation ist innerhalb 5 Jahren seit der Erstdiagnose und hat (zumindest vorerst) abgeschlossene onkologische Therapien sowie ein gutes Rehabilitationspotential, eine gute Rehabilitationsfähigkeit und eine gute Rehabilitationsprognose.

Wie ist die Situation der onkologischen Rehabilitation in Österreich?

In Österreich leben bei 35.000-40.000 Krebsneuerkrankungen pro Jahr rund 300.000 Patienten mit onkologischen Erkrankungen. Jene Patienten mit Rehabilitationsbedarf und gutem Rehabilitationspotential kommen für eine onkologische Rehabilitation in Frage.
An der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Medizinischen Universität Wien besteht seit gut 16 Jahren eine Spezialambulanz für onkologische Rehabilitation, und seit über 5 Jahren gibt es unter dem Schirm des Comprehensive Cancer Centers (CCC) das in dieser Art weltweit einzigartige Tumorboard für „Onkologische Rehabilitation“.


Vielen Dank, Herr Prof. Crevenna, für dieses interessante Interview.

Korrespondenzadresse:

Univ. Prof. Dr. Richard Crevenna, MBA, MSc
Interim. Leiter der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation
Medizinische Universität Wien
Währinger Gürtel 18-20
A-1090 Vienna, Austria
Tel: +43 1 40400 43300
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Ausgehend von der Brust können sich die krankhaft veränderten Zellen über Blut-und Lymphbahn verteilen, in benachbarte und weiter entfernte Körperregionen wandern und Absiedelungen bilden (sogenannte Metastasen = Tochtergeschwülste).

Die Metastasen können in Lymphknoten, Knochen (Wirbelsäule, Rippen, Becken, Schädel), Lunge, auf dem Rippenfell (Pleura), auf der Haut, in Leber und Gehirn, seltener in Schilddrüse, Milz und Eierstöcken auftreten.

Lokale Metastasen treten in unmittelbarer Nähe des Tumors auf, bei regionären Metastasen sind in den Lymphknoten in der Nähe des Tumors Krebszellen zu finden.

Von Fernmetastasen spricht man, wenn Absiedelungen in weiter entfernten Körperregionen. Im Allgemeinen wird von metastasiertem Brustkrebs gesprochen, wenn der Tumor Fernmetastasen gebildet hat.

Möglichkeiten der Behandlung:

Bei metastasiertem Brustkrebs ist eine Behandlung möglich, die das Wachstum des Tumors eingrenzt, das weitere Fortschreiten der Erkrankung verzögert und Beschwerden lindern kann –

Eine dauerhafte Heilung ist jedoch wahrscheinlich nur in Einzelfällen zu erreichen.

Der Verlauf der Krankheit ist sehr unterschiedlich und auch abhängig vom Ort der Metastasen, von der Geschwindigkeit des Tumorwachstums und dem Allgemeinzustand der Patientin/des Patienten.

Für die Wahl der individuellen Therapie gilt es den Nutzen und die Nebenwirkungen gegeneinander abzuwägen.

Folgende Untersuchungen werden bei Verdacht auf Metastasen durchgeführt:

  • Röntgenaufnahme des Thorax (Brustkorb)
  • Knochenszintigrafie oder Fluorid PET – CT (Positronen-Emissions-Tomografie) vom Skelett
  • Ultraschall der Leber
  • Glukose PET – CT (Positronen-Emissions-Tomografie) vom Ganzkörper
  • CT (Comutertomografie) des verdächtigen Organs
  • MRT (Magnetresonanztomografie) des verdächtigen Organs oder des Ganzkörpers

Eventuelle Beschwerden:

Beschwerden sind zum Teil abhängig davon, wo der Tumor Metastasen gebildet hat.

So kann zum Beispiel die Atmung erschwert sein, Leberkapselschmerzen können auftreten, ein epileptischer Anfall oder Doppelbilder können einen Hinweis auf Hirnmetastasen geben, Knochenschmerzen und mögliche Brüche können sich bemerkbar machen.

Gewichtsverlust und Schwäche können auftreten, wenn der Stoffwechsel durch das Tumorwachstum stark belastet ist. Die Absiedelungen in anderen Organen können diese stark beeinträchtigen.

Folgende Therapien werden angewandt:

Bei Fernmetastasen ist meist der ganze Körper betroffen, daher wird im Regelfall eine systemische Therapie durchgeführt (das heißt, der ganze Körper wird medikamentös behandelt), um das Tumorwachstum einzudämmen.

In Frage kommen:

  • Chemotherapie oder Anti-Hormontherapie
  • zielgerichtete Therapien mit Trastuzumab (Herzeptin), Lapatinib (Tyverb) bei HER2-positiven Tumoren
  • Bevazizumab (Avastin) oder Bisphosphonate bei Knochenmetastasen
  • In manchen Fällen kommt eine Bestrahlung oder operative Entfernung in Frage (Lungen- und Lebermetastasen können erfolgreich entfernt werden)

Es wird laufend an neuen Therapieformen geforscht, außerdem gibt es die Möglichkeit an klinischen Studien teilzunehmen.

Aktuelle Brustkrebsstudien:

https://www.abcsg.at/patienten/studien-brustkrebs/

Beim metastasierten Brustkrebs wird heutzutage auf eine Stufentherapie gesetzt – wenn umsetzbar, werden dabei die verschiedenen verfügbaren Medikamente als meist besser verträgliche Monotherapie nacheinander eingesetzt. Kombinationen an Medikamenten mit häufig stärkeren Nebenwirkungen werden verabreicht, wenn dies aufgrund eines raschen Fortschreeitens der Metastasen und Bedrohung der Organfunktion nötig ist.

Generell wird der Fokus auf die Lebensqualität der Patientin/des Patienten gelegt – diese soll durch die Behandlung so wenig wie möglich beeinträchtigt werden.

Ziele der Therapie bei metastasiertem Brustkrebs:

  • Lebenszeit verlängern
  • Gesundheitszustand stabilisieren
  • Gute Lebensqualität erhalten
  • Tumorwachstum anhalten oder verlangsamen
  • Symptome lindern
  • Unerwünschte Wirkungen der Therapie abschwächen
  • Begleiterkrankungen behandeln
  • Schmerzen vermindern

Das Leben mit metastasiertem Brustkrebs meistern:

Mit der Erkrankung umzugehen und damit weiterzuleben, kann in verschiedenen Aspekten sehr herausfordernd sein. Körperliche und seelische Belastungen durch Erkrankung und Therapie kann die Bewältigung des Alltags und der Anforderungen durch Familie erschweren.

Es gibt auch die Möglichkeit, sich psychoonkologisch unterstützen zu lassen. Im Anschluss an die Behandlung im Krankenhaus oder auch zu einem späteren Zeitpunkt kann eine Rehabilitation oder Kur sehr hilfreich sein.

(Auszüge aus: https://www.mamazone.de/brustkrebs/metastasierter-brustkrebs/)

Onkologische Rehabilitation in Österreich:

Der Sonnberghof:

https://www.dersonnberghof.at/onkologische-rehabilitation/onkologische-rehabilitationfuer-sv-gaeste.html

LebensMed Zentrum Bad Erlach:

https://www.lebensmed-baderlach.at/

Therapiezentrum Rosalienhof:

https://www.bva.at/portal27/portal/bvaportal/content/contentWindow?viewmode=content&action=2&content_contentid=10007.676555&contentid=10007.727853

Brustkrebs-Selbsthilfegruppen sowie Europa Donna und Krebshilfeberatungsstellen findet ihr unter:

https://www.europadonna.at/index.php/service/patientinnen-gruppen-oesterreich