Dermatologische Nebenwirkungen neuartiger onkologischer Therapien sind ein integraler Bestandteil des Toxizitätsspektrums (schädigende oder tödliche Giftwirkung einer Substanz auf einen lebenden Organismus).
Oftmals sind sie mit einer deutlichen Reduktion an Lebensqualität und darüber hinaus mit einer merklichen Morbidität vergesellschaftet. Die Morbidität gibt an, wie viele Individuen einer Population in einem bestimmten Zeitraum eine bestimmte Erkrankung erlitten. Aus klinischer Sicht sind die derzeit zur Verfügung stehenden Therapien zur Behandlung der jeweiligen Nebenwirkung als weitgehend insuffizient (nicht ausreichend) anzusehen. Weitere Anstrengungen hinsichtlich der Optimierung der Therapie der dermatologischen Nebenwirkungen müssen unternommen werden!
Da sowohl Antikörper als auch Tyrosinkinaseinhibitoren gegen die Funktion des EGFR (Epidermal Growth Factor Receptor: Haut-Wachstums-Faktor-Rezeptor) gerichtet sind, gleicht sich das Spektrum der Nebenwirkungen der Medikamente:

Papulopustulöses Exanthem (Akneiformer Hautausschlag): ca. 43–85% sind davon betroffen

Bei den meisten makulo-papulösen Arzneimittelexanthemen liegt eine spezifische Reaktion des Immunsystems (Immunglobuline, T-Zellen) gegen das Medikament oder dessen Metaboliten vor.
Lokalisation: Ausbreitung auf Rumpf und Extremitäten, seltener Beteiligung des Gesichts.

Therapiemöglichkeit:

Milde topische Glukokortikoide wie Glukokortikoidcremes (z.B. Pandel Creme), anschließend forcierte Körperpflege (z.B. 5% Olivenöl in Ungt. emulsif. aq.) bis zum Abklingen der Hauterscheinungen

Pruritus (Juckreiz): ca. 57% sind davon betroffen

Der Juckreiz ist eine störende, teilweise auch quälende Sinneswahrnehmung, die mit einem unstillbaren Drang des Kratzens einhergeht.

Entstehung von Juckreiz

Lange Zeit wurde vermutet, dass Juckreiz von den gleichen Nervenendigungen ausgelöst wird wie der Schmerzreiz. Neuere Erkenntnisse deuten aber darauf hin, dass es sich um eine eigene Untergruppe von Nervenfasern handelt, die durch bestimmte Botenstoffe, allen voran das Histamin und Serotonin, erregt werden. Belegt wird diese These beispielsweise dadurch, dass Opiate zwar Schmerzen hemmen, aber Juckreiz auslösen. Der Juckreiz kann durch Gifte, mechanische Reize, Temperaturschwankungen oder sogar leichte Stromstöße hervorgerufen werden, die zur Freisetzung von Histamin aus den Zellen führen. Das Jucken kann an bestimmten Körperstellen (lokalisiert) oder am gesamten Körper (generalisiert) auftreten.

Beim Kratzen entstehen Schmerzreize, die den Juckreiz kurzfristig überdecken und Linderung verschaffen. Allerdings werden durch die mechanische Stimulation der Haut Botenstoffe freigesetzt, die wiederum den Juckreiz fördern – ein Teufelskreis entsteht.

Hier empfiehlt es sich, einen Dermatologen (Hautarzt) aufzusuchen. Er kann das Leiden nach einer genauen Anamnese (professionelle Erfragung von potenziell medizinisch relevanten Informationen durch Fachpersonal) durch Gabe bestimmter Cremen, Gels oder Bädern lindern.

Weitere mögliche Nebenwirkungen:

  • Paronychie (Nagelbettentzündung): ca. 20% sind davon betroffen
  • Xerosis cutis (Hauttrockenheit) ca. 10–20% sind davon betroffen
  • Stomatitis (Mundschleimhautentzündung): ca. 23% sind davon betroffen
  • Effluvium, Alopezie: (Haarausfal)

Bei Auftreten einer oder mehrerer dieser Nebenwirkungen bitte unbedingt Rücksprache mit eurem behandelnden Onkologen.halten.

(Auszüge aus: www.doc-check.de, www.netdoktor.de, www.spectrum.de)