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Kategorie: November

Ein häufiger Fehler beim Arzt-PatientInnen-Gespräch:

Es wird zu früh viel Wissen vermittelt. Die von der ORF-Sendung "heute konkret" bekannte Journalistin Claudia Reiterer zitierte bei den 14. Onkologischen Wintergesprächen den in der Psychologie bekannten Spruch:

"Hören heißt nicht begreifen. Begreifen heißt nicht annehmen. Annehmen heißt nicht befolgen. Befolgen heißt nicht durchhalten."


So fand der deutsche Onkologe Dr. Manfred Welslau zum Beispiel heraus, dass ein langes Erstgespräch von 30 bis 45 Minuten wenig zielführend ist, da eine Krebsdiagnose bei den PatientInnen so viel auslöst, dass sie nicht länger als 15 Minuten aufnahmefähig sind.

Sein Vorschlag:

Ein kurzes Erstgespräch von 15 bis maximal 20 Minuten (die Diagnose wird kurz wiederholt, Begründung, Art und Ziel der Therapie mit Zeitplan werden besprochen, Kontrolltermine und Medikamenteneinnahme thematisiert) und dann ein zweiter Kontakt wenige Tage (maximal eine Woche später) - wenn möglich gemeinsam mit Angehörigen.

"Es gibt nicht die Grundregel für ein optimales Gespräch", sagt der erfahrene Hämatoonkologe Univ. Prof. Dr. Helmut Samonigg, Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin Graz. Für die Onkologen sei es zunächst einmal wichtig, die subjektive Sichtweise der PatientInnen zu kennen und sie zu respektieren.

Er selbst stelle sich vor einem Gespräch meist folgende Fragen:

"Es steht uns Ärzten ein immer größer werdendes Instrumentarium an Möglichkeiten zur Verfügung, das ist auf der einen Seite ganz toll, auf der anderen Seite erschwert es natürlich die Entscheidung, was wirklich das Beste ist für diesen konkreten Patienten."
Auch für Ärzte ist also das Einholen einer Zweitmeinung wichtig, eine Besprechung mit spezialisierten Kollegen, am besten noch vor dem Arzt-PatientInnen-Gespräch  (Auszüge aus: krebs:hilfe!Sonderheft, April 2015)