Wenn wir unsere Befunde lesen, ist uns trotz Erklärung doch noch häufig vieles unklar. Deshalb möchte ich euch heute einen Einblick in die Tumorbiologie geben, um die häufig genannten Ausdrücke und Einteilungen der unterschiedlichen Tumorarten besser verstehen zu können:

Hormonrezeptor-Status:

Die Hormone Östrogen und Progesteron können das Wachstum von Brustkrebszellen beeinflussen. Sie docken an Bindungsstellen (Rezeptoren) der Zelle an, die dann das Wachstumssignal ins Zellinnere weiterleiten.
Um zu ermitteln, ob ein Tumor hormonabhängig wächst, wird untersucht, wie groß der Anteil der Zellen und die Menge der entsprechenden Hormonrezeptoren (HR) ist. Reagiert mehr als ein Prozent aller Tumorzellen auf das spezielle Markierungsverfahren, geht man davon aus, dass der Tumor hormonempfindlich ist. Ausgedrückt wird dies durch die Angabe ER+ (Östrogenrezeptor-positiv) und/oder PgR+ (Progesteronrezeptor-positiv).
Wenn Tumorzellen hormonabhängig wachsen, bedeutet dies andererseits, dass sich ihr Wachstum durch Hormonentzug verlangsamen oder stoppen lässt.
Dann kann eine (Anti-) Hormontherapie helfen und mitunter auf eine Chemotherapie verzichtet werden.

HER2-Rezeptor-Status:

HER2-Rezeptoren sind Bindungsstellen für Wachstumsfaktoren, die die Krebszelle zur Teilung anregen. Sind auf der Zelloberfläche besonders viele HER2-Rezeptoren vorhanden, geht dies oft mit einem aggressiveren Verlauf der Krebserkrankung einher. Gezielte, gegen HER2 gerichtete Therapien blockieren diese Rezeptoren und hemmen damit das Zellwachstum.

Molekulare Subtypen:

Ende der 90 Jahre wurden Mammakarzinome molekulargenetisch untersucht und in unterschiedliche Subtypen unterteilt. Diese Subtypen sind mit einer unterschiedlichen Prognose verbunden und sagen außerdem vorher, wie der Tumor auf die verschiedenen Therapiekonzepte anspricht. Da in der täglichen Praxis eine molekulargenetische Untersuchung des Tumors jeder einzelnen Patientin zu aufwändig wäre, hat man unter Verwendung des HER2-Status, des Hormonrezeptorstatus (HR) und des Proliferationsmarkers KI-67 (gibt die Wachstumsgeschwindigkeit von Tumorzellen an) eine alternative Klassifikation gefunden.

Die wichtigsten Subtypen sind:

  • luminal A (HR-positiv, Ki-67 niedrig),
  • luminal B (HR-positiv, Ki-67 hoch),
  • HER2-Subtyp (HER2-positiv) und
  • triple negativ (HER2-negativ, HR-negativ).


Bei Patientinnen mit Luminal.A-Tumoren reicht eine rein endokrine Therapie in der Regel aus.


Was ist ein triple negativer Brustkrebs (TNBC)?

Es wird immer deutlicher, dass Brustkrebs nicht gleich Brustkrebs ist. Wo früher Tumorgröße, Ausbreitungsmuster und Zellart unterschieden wurden, erlauben moderne Untersuchungsverfahren eine zunehmend genauere Typisierung des Tumors. Dabei wurde 2007 der Begriff des dreifach negativen Mammakarzinoms oder „triple negative breast cancer“ (TNBC) geprägt, um diesen Tumortyp gegen die Tumoren abzugrenzen, an deren Zelloberfläche spezifische Rezeptoren (Hormonrezeptoren für Östrogen und Progesteron) oder HER2 (human epidermal growth factor receptor type 2)-Rezeptoren nachgewiesen werden können.

Etwa 15–20% der Mammakarzinome sind tripelnegativ.

(Auszüge aus: https://www.senolog.de/was-ist-eigentlich-ein-dreifach-negativer-brustkrebs-oder-ein-triple-negatives-mammakarzinom/)

Genexpressionsprofile:

Tumorzellen können daran erkannt werden, dass sie Veränderungen von Genen aufweisen, die zu einer Unter- oder Überproduktion (Expression) bestimmter Eiweiße führen. Mit Hilfe eines Genexpressionsprofils (auch: Gensignatur, Genprofil) aus Gewebeproben wird versucht, die Aktivität in den Krebszellen zu ermitteln, um Informationen über das individuelle Rückfallrisiko zu gewinnen und auf dieser Grundlage die geeigneten Therapien auszuwählen. Verschiedene Verfahren wurden schon entwickelt, und stetig kommen neue hinzu.

Methoden der Genchip-Diagnostik sind die sogenannte „Microarray-Analyse“ und das „RT-PCR-Verfahren“. Daraus entwickelte kommerzielle Testsysteme wie MammaPrint®, OncoType DX® und EndoPredict® sind durch Werbung und Medien bereits bekannt und werden daher häufig von Patientinnen nachgefragt. Doch ihre Aussagekraft ist noch nicht ausreichend belegt und wird deshalb auch nur in Einzelfällen empfohlen. 


(Auszüge aus: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/tumorbiologie.html)