Palliativmedizin befasst sich mit den medizinischen Komponenten der Betreuung schwerkranker Patienten, die auf Grund der Inkurabilität (Unheilbarkeit) ihrer Erkrankung und deren Progression (fortschreitende Entwicklung) eine stark begrenzte Lebenserwartung aufweisen.

Cicely Saunders

Die Palliativmedizin geht auf Bemühungen von Cicely Saunders in den 1960 Jahren zurück, für Patienten mit Krebserkrankungen, die aus einer gegen den Tumor gerichteten Therapie keinen Vorteil mehr ziehen können, eine entsprechende Versorgung zu gewährleisten. Diese umfasst nicht nur rein medizinische Aufgaben, wie etwa die Behandlung von Schmerzen, Übelkeit, Abgeschlagenheit und Ähnlichem, sondern auch die Betreuung in pflegerischen, sozialen, psychologischen und spirituellen Belangen. Der eigentliche Begriff für diese Hilfestellung in der englischsprachigen Definition der WHO ist Palliative Care, also Palliativ-Betreuung.
Der Begriff Palliativmedizin betrifft eigentlich nur die medizinische Komponente der Palliative Care, auch wenn er häufig als Synonym für diese verwendet wird.
Tatsächlich hat die medizinische Komponente der Betreuung von Palliativpatienten einen großen Stellenwert, sowohl in der praktisch-klinischen Betreuung als auch in Forschung und Lehre.

Palliative Care

Dass sich Palliative Care mit der Behandlung der physischen, psychosozialen und spirituellen Beschwerden schwerkranker Menschen befasst, ist in der Definition der WHO festgelegt. Unklar war bisher, zu welchem Zeitpunkt im Krankheitsverlauf diese Betreuung einsetzen soll. Neue Studien mit Krebspatienten geben nun eine eindeutige Antwort darauf.

Psychosoziale Begleitung

Es ist allgemein akzeptiert, dass Palliativmedizin eine Betreuung für die letzte Lebensphase und nicht nur in der letzten Lebensphase ist. Palliative Care beginnt schon bei der Mitteilung der Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung und die Kommunikation mit Patienten stellt die wichtigste Säule der Palliativbetreuung dar. Innerhalb der Palliativbetreuung hat die psychosoziale und spirituelle Begleitung der Patienten eine mindestens ebenso große Bedeutung wie die medizinische Symptomenkontrolle.

Ziele Psychisozialer Begleitung

Viele Menschen definieren sich durch ihre Leistungen; im Laufe der Erkrankung gehen aber viele Fähigkeiten verloren und die Hilfsbedürftigkeit nimmt zu. Dadurch fühlen sich die Menschen oft als Belastung für ihre Umwelt und zunehmend wertlos. Hier gilt es in Gesprächen darauf hinzuführen, dass Patienten auch in ihrer Schwäche wichtig und wertvoll sind. Ziel von psychosozialer Betreuung ist es, den Menschen in seinen vielfältigen Dimensionen wahrzunehmen und ihm behutsam und in Achtung seines schweren Leidens seine sozialen, psychischen und spirituellen Ressourcen bewusst zu machen. Die Aufmerksamkeit geht hin zu den gesunden Anteilen des kranken Menschen, auf die er sich sein Leben lang gestützt hat, aber auch zu möglichen neuen Kraftquellen in der veränderten Situation der Krankheit.
Hilfreich ist dabei der Blick in die Lebensgeschichte der Patientin oder des Patienten, auf erfolgreich bewältigte Krisen und auf lebensgeschichtliche Höhepunkte, um ihm den Zugang zu seinen ganz persönlichen Bewältigungsmechanismen und den gelungenen Momenten seines Lebens offen zu halten. Im Neuerzählen der Lebensgeschichte bekommt auch Unerledigtes, Unbewältigtes, alte Kränkungen und Schuldgefühle ausreichend Raum und kann gerade dadurch dem Reflektierenden seine Stärken und den ganz individuell geglückten Lebensbereichen (als Leitfrage zB: Was ist in meinem Leben richtig und in Ordnung?") Platz machen.

Ziel ist es, durch die Erhebung der speziellen Ressourcen und durch die Formulierung des ganz persönlichen Lebenssinns, durch ein Stück Versöhnung mit dem eigenen Lebensweg das subjektive Wohlbefinden, die Zufriedenheit und die Entspannung der Patientin, des Patienten zu erhöhen und so zu seiner Lebensqualität entscheidend beizutragen.

Spirituelle Begleitung

Wenn jedoch die Zeit lang wird und der Körper schwach, wenn der Schlaf nicht kommen mag und die Einsamkeit spürbar wird, dann tauchen andere Fragen auf. Erinnerungen werden wach an längst vergangene Zeiten mit vielen Höhen und Tiefen, die momentane Situation wird bewusster, wie wird, wie kann es weitergehen.

Nicht selten fällt dabei auch dem eigenen Glauben nach dem Sinn des Lebens und damit verbunden auch der Religion ein besonderer Stellenwert zu: Hatte das Leben einen Sinn und besteht dieser überhaupt noch, trägt die Gottesbeziehung oder scheint Gott ferner denn je, kann das Gebet Kraft schenken oder fehlt sogar die Kraft für das Gebet?

Oftmals tut es gut, in solchen Situationen jemanden neben sich zu wissen, der einfach nur da ist, der zuhört, die Hand hält.
Spirituelle Begleitung ist Seelsorge im eigentlichen Sinn und ist eine zentrale Aufgabe von Palliative Care. Sie ist als Unterstützung und Stärkung der persönlichen Ressourcen von Patienten und deren Angehörigen gedacht.


(https://www.palliativ.at/)