MIT BIOFEEDBACK UNBEWUSSTE KÖRPERVORGÄNGE LENKEN

Definition von Biofeedback

Mit Biofeedback (BFB) in die verborgene Welt der inneren Körpervorgänge vordringen und diese sichtbar machen.

Das klingt etwas kryptisch, dennoch kennt jeder von uns Biofeedbackvorgänge aus dem Alltag – wenn wir zum Beispiel Fieber messen, tun wir nichts anderes als eine Körperfunktion sichtbar zu machen.

Biofeedback bedeutet nichts anderes, als dass für Menschen nicht direkt wahrnehmbare physiologische („bio“) Vorgänge im Körper mit apparativer Hilfe kontinuierlich rückgemeldet („feedback“) werden.

Körpersignale werden mittels Messfühler abgenommen und dann via Computer sichtbar, hörbar oder fühlbar gemacht.

Ziel der Biofeedbacktherapie ist es, aus dem Lot geratene und an sich nicht willentlich beeinflussbare Körperfunktionen wieder zu normalisieren. Solche gestörten Körperprozesse finden sich bei Stress, verschiedenen psychischen Störungen und bei einer Reihe von somatischen Erkrankungen.

Im Sport hilft BFB, Entspannung zu fördern oder auch die Konzentration und damit die Leistung zu steigern. BFB kann individuell gestaltet und mit anderen Therapien kombiniert werden. BFB wirkt aber auch nachhaltig – die Behandelten gewinnen langfristig an Selbstkompetenz.

GESCHICHTE DES BIOFEEDBACK

Biofeedback ist bereits seit den 1960er-Jahren bekannt. Zu Beginn der 1960er-Jahre gelang es der UDSSR-Ärztin Maia Lisina, vegetative Funktionen zu konditionieren. Mithilfe visueller Rückmeldung der Durchblutung erlernten Probanden, die Durchblutung ihrer Hände durch gezielte Gefäßverengung oder –erweiterung zu verändern.

Etwa zur gleichen Zeit konnten kanadische Forscher Ratten durch elektrische Reizung des „Belohnungssystems“ im Gehirn bzw. durch Bestrafung mittels BIOFEEDBACK RADIODOKTOR – MEDIZIN UND GESUNDHEIT 6 Elektroschocks dazu bringen, willkürlich ihre Herzfrequenz zu steigern oder zu senken oder auch die Harnproduktion zu erhöhen bzw. zu vermindern. Experimente mithilfe des Elektroenzephalogramms (EEG), die Bewusstseinsveränderungen zum Ziel hatten, wurden ebenso seit den frühen 1960er-Jahren durchgeführt.

Den Begriff „Biofeedback“ schließlich prägte 1969 der amerikanische Professor Norbert Wiener, einer der Begründer der Kybernetik. Dies nicht von ungefähr, denn Rückmeldung und Rückkoppelung in einem kybernetischen Regelkreis stellen das Grundprinzip des BFB dar. Die 1970er-Jahre brachten einen regelrechten Boom des BFB mit sich, allerdings mit dem Ergebnis, dass die viel zu hoch angesetzte Erwartungen in diese Methode nicht erfüllt werden konnten.

Es wurden seit Anbeginn der BFB-Forschung auch zahlreiche wissenschaftliche Studien durchgeführt, die letztendlich das BFB in zahlreichen Indikationen zu einer schulmedizinisch anerkannten Methode machten. Bereits 1969 wurde in den USA die „Association for Applied Psychophysiology and Biofeedback“ (AAPB) gegründet, 1989 in Österreich die „Österreichische Gesellschaft für Biofeedback und Psychophysiologie“ (ÖBfP).

Die „Deutsche Gesellschaft für Biofeedback“ e.V. wurde 1998 ins Leben gerufen.

Quelle: R. Crevenna: „Biofeedback. Basics und Anwendungen“. INDIKATIONEN FÜR BIOFEEDBACK

Bevor BFB in medizinischen Indikationen eingesetzt wird, muss zuerst immer eine schulmedizinische Abklärung der Beschwerden stattfinden. Dann kann BFB eingebettet in ein schulmedizinisches Gesamtkonzept sicher angewendet werden.

Die häufigsten Einsatzmöglichkeiten und Indikationen sind folgende:

Prävention Stressdiagnostik und –behandlung, Stressmanagement, Entspannungstraining, leichte essenzielle Hypertonie (im schulmedizinischen Gesamtkonzept), Rehabilitation Chronische Schmerzsyndrome - Kopfschmerzsyndrome (Spannungskopfschmerz, Migräne)

- Temporomandibuläre Dysfunktion (Kiefergelenksbeschwerden) und Bruxismus (Zähneknirschen) - Dorsalgien (Rückenschmerzen, Zervikalsyndrom, Lumbalsyndrom) - Tinnitus (Ohrgeräusch) - Pelvic Pain (weiblicher Unterbauchschmerz) - Deafferenzierungsschmerz (Schmerzen nach Nervendurchtrennung) Raynaud-Syndrom (Syndrom der kalten Finger) Harn- und Stuhlinkontinenz und –entleerungsstörungen Abhängigkeit und Suchterkrankungen Gerichtete und ungerichtete Angsterkrankungen, Panikattacken, Phobien, Flugangst, Spinnenangst, Höhenangst, Hyperventilationssyndrom Kinder und Jugendliche, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom, „Lernschwäche“, Autismus Sportlerbetreuung und Wettkampfvorbereitung Ergonomische (Um-)Schulungen, Haltungsschulung

Quelle: R. Crevenna: „Biofeedback. Basics und Anwendungen“.

(Auszüge aus: https://oe1.orf.at/static/pdf/Biofeedback_2011_i_.pdf)

Wie lange dauert eine Biofeedbackbehandlung?

Die Dauer einer Behandlung bzw. eines Trainings hängt von der Erkrankung ab, die behandelt werden soll. Die meisten Schmerzsyndrome wie Migräne, Spannungskopfschmerz oder Rückenschmerz, aber auch Angststörungen oder Inkontinenz können in 10-15 Sitzungen behandelt werden. Bei Erkrankungen wie z.B. Bluthochdruck muß mit 10-20 Sitzungen gerechnet werden, bis eine spürbare Veränderung eintritt. Bei neurologischen Störungen wie Tortikollis oder Lähmungen sind mindestens 20 Sitzungen erforderlich.

Was kostet eine Biofeedbackbehandlung?

Die Kosten für eine Biofeedbacktherapie in der freien Praxis richten sich nach den üblichen Stundenhonoraren die Ärzte, Ärztinnen, Psychologen, Psychologinnen, Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen verrechnen.

Bei einem niedergelassenen Biofeedback Therapeuten bzw. einer Biofeedback Therapeutin kostet somit eine Sitzung üblicherweise zwischen 70,- und 150,- Euro für 50 Minuten.

Manche Privatzusatzversicherungen übernehmen einen Teil der Behandlungskosten, bitte fragen Sie bei Ihrer Versicherung nach.

Bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen kann Biofeedback im Rahmen einer Psychotherapie angewendet werden.

In diesem Fall gewähren die Krankenkassen üblicherweise einen Zuschuß von zur Zeit ca. 20,- Euro pro Sitzung. Erfolgt Biofeedbacktraining oder Biofeedbacktherapie an einer Klinik oder in einem Spital, entweder stationär oder ambulant. so wird diese Leistung in der Regel nicht gesondert verrechnet.

(https://www.austria-biofeedback.at/)