Europa Donna hat in der Resolution von 2003, European Parliament resolution on breast cancer in the European Union (2002/2279(INI)), die Errichtung von zertifizierten Zentren und ein Screeningprogramm eingebracht. Diese Resolution wurde angenommen.

Daraus wurde die Forderung – zu der sich u.a auch Österreich verpflichtet hat – dass möglichst alle Frauen mit der Diagnose Brustkrebs in zertifizierten interdisziplinären Brustgesundheitszentren behandelt werden sollen. Das Zertifikat, das dafür innerhalb der EU vergeben wird, heißt EUSOMA. Die gängigsten Zertifikate in Österreich sind ONKOZERT und Doc-CERT.

Österreichs Zertifizierte BrustgesundheitszentrenZentren

Was sind Brustgesundheitszentren (BGZ)?

Brustgesundheitszentren sind interdisziplinäre Einheiten für Diagnostik, Therapie und Erforschung von Brustkrebserkrankungen. Sie entstehen durch Vernetzung und Kooperation mehrerer Fachabteilungen der verschiedenen medizinischen Fachdisziplinen.

Das Wort „Brustgesundheitszentrum“ spiegelt für sich alleine keine rechtlich verankerten Qualitätskriterien wider. Erst die Zertifizierung verspricht einen nach strengen Anforderungen und hohen Maßstäben geprüften Qualitätsstandard.

Ein interessiertes Zentrum kann sich – bis dato – freiwillig den in der Folge kurz dargestellten Verfahren unterziehen und bei Erfüllung der Anforderungen ein oder mehrere Zertifikate erlangen.

Welche Anforderungen müssen zertifizierte Brustkrebszentren erfüllen?

Die Anforderungen, die ein zertifiziertes Brustkrebszentrum erfüllen muss, orientieren sich neben der Anzahl der behandelten PatientInnen pro Jahr auch an folgenden Kriterien:

  • der Erfahrung der radiologischen DiagnostikerInnen und der befundenen PathologInnen,
  • dem Wissen der StrahlentherapeutInnen,
  • dem Umgang mit Chemotherapien und Hormontherapien,
  • dem Wissen um die genetischen Zusammenhänge des Brustkrebses und
  • der Ausbildung eines Netzwerkes aller verantwortlichen ÄrztInnen in der Umgebung des Brustzentrums.

Zum Kernteam zählen zusammen mit den FrauenärztInnen, die seit einigen Jahrzehnten die Therapie von Brustkrebs in Eigenverantwortung durchführen, insbesondere:

  • RadiodiagnostikerInnen (Mammografien und Kernspintomografien),
  • StrahlentherapeutInnen (Bestrahlung),
  • PathologInnen (Befundung des Gewebes) und
  • OnkologInnen (Chemotherapie).

Weitere Auflagen zertifizierter Brustzentren

Ein Brustzentrum muss nachweisen, dass dort pro Jahr mindestens 150 Frauen mit Brustkrebs operiert und mindestens 800 Zyklen Chemotherapie bei erkrankten Frauen durchgeführt werden. Jeder Arzt, der in einem solchen Zentrum Brustkrebspatientinnen operiert, muss mindestens 50 Operationen pro Jahr selbst durchführen. Neben den Erfahrungen eines Zentrums ist es auch wichtig, dass alle erforderlichen Fachärzte (aus der Gynäkologie, Hämatologie, Onkologie, Pathologie, Radiologie und ggf. der plastischen Chirurgie und unterstützende Fachkräfte (aus der Psychoonkologie, Physiotherapie etc.) im Haus vertreten sind.

Zertifizierungsvarianten in Österreich

In Österreich hat sich im Jahr 2009 die Österreichische Zertifizierungskommission (ÖZK), bestehend aus den 7 beteiligten Fachgesellschaften (Chirurgie, Gynäkologie, Radiologie, Radioonkologie, Internistische Onkologie, Nuklearmedizin, Pathologie), konstituiert. Die ÖZK legt die Anforderungen für die Durchführung eines Zertifizierungsverfahrens sowie die Qualifikationskriterien für Fachgutachter fest.

Ein interessiertes Zentrum nimmt zunächst Kontakt mit der ÖZK auf, welche die Anfrage an die Doc-Cert AG weiterleitet. Das Zentrum beauftragt die Doc-Cert AG, die das Zertifizierungsverfahren durchführt, mit der Zertifizierung. 4-6 Wochen vor dem vom Zentrum gewünschten Zertifizierungstermin schickt das Zentrum den ausgefüllten Anforderungskatalog/Erhebungsbogen an Doc-Cert. Diese nimmt gemeinsam mit einem Fachgutachter eine Vorprüfung der Unterlagen vor.
Am Ende des Audits geben die Fachgutachter ihre Einschätzung im Auditbericht bekannt und legen ihn der ÖZK vor. Bei Zustimmung erhält das Zentrum das Zertifikat zunächst für 3,5 Jahre, dann für 3 Jahre.

Eine Zertifizierung kann auch durch die OnkoZert erfolgen, die im Auftrag der Deutschen Krebshilfe das Zertifizierungsverfahren betreut. Es verläuft ähnlich wie das soeben Dargestellte.

EUSOMA – European Society of Breast Cancer Specialists

EUSOMA ist eine Gesellschaft, die aus Brustkrebs-Experten verschiedener europäischer Länder besteht. Sie hat Leitlinien für einheitliche Qualitätsstandards von Brustgesundheitszentren verfasst.

Die Zertifizierung nach EUSOMA-Richtlinien nimmt die Cancer Care Cert vor.

Ziel: Qualitätssicherung EU-weit!

Vom Europäischen Parlament kam die Forderung an die Mitgliedsstaaten, eine EU-weite Vereinheitlichung der Qualitätsstandards in der Brustkrebsbehandlung entsprechend der EU-Leitlinien bis 2016 einzuführen, sodass BrustkrebspatientInnen künftig nur noch in zertifizierten, interdisziplinär besetzten und spezialisierten Brustgesundheitszentren behandelt werden sollen. Dabei sollen die Richtlinien der EUSOMA in der Umsetzung einfließen. Eine entsprechende rechtlich bindende Vorgabe der EU (Verordnung, Richtlinie) an die Mitgliedsstaaten gibt es jedoch nicht.

Zertifizierte BGZ in Österreich:

laut Österreichischer Zertifizierungskommission: INFO

Weitere Links zum Thema:

Österreichische Zertifizierungskommission: Zertifizierungskommission.at

Doc-Cert AG:  www.doc-cert.com

EUSOMA:  www.eusoma.org

Auszüge aus https://selpers.com/blog/zertifizierte-brustkrebszentren-was-sie-wissen-sollten-uebersicht/